Computerworld vor 30 Jahren 25.12.2018, 08:00 Uhr

Schon 1988: Computer bedrohen Jobs

Digitale Technologie begann 1988 ihren Siegeszug in Schweizer Büros. Erstmals wurden mehr Computer als Schreibmaschinen verkauft. Nun ging die Angst um Arbeitsplätze um.
Im Büro von morgen regieren die Zahlen
(Quelle: Thomas Egloff/Computerworld)
Über 220'000 Personal-Computer waren Anfang 1988 in Schweizer Büros installiert. Zwei Jahre zuvor waren es erst 48'000 Rechner. Parallel stieg die Zahl der Benutzer von 64'000 auf 500'000. Erstmals war die Schreibmaschine nicht mehr das meistverkaufte Bürogerät. Mit diesen Fakten charakterisierte das Institut für Automation und Operations Research der Universität Fribourg die Situation in Schweizer Anwenderfirmen. Für 1988 waren im Dienstleistungssektor die grössten Investitionen in Computer-Technologie geplant, die geringsten bei den Versicherungen. Das grösste Potenzial für Produktivitätssteigerungen attestierten die Wissenschaftler den Branchen Detailhandel, Baugewerbe und in den Behörden.

Erstmals Arbeitslose

Aufgrund der zunehmenden Automatisierung ging in den Büros erstmals überhaupt die Angst vor dem Jobverlust um. Die damals extrem geringe Arbeitslosenquote von 0,7 Prozent hatte nicht ökonomische, sondern demografische Gründe: Erstens waren Mitte der 1970er-Jahre markant ausländische Arbeitskräfte abgebaut worden. Zweitens war die Erwerbsquote gering. Die Vollbeschäftigung beruhte also nicht in erster Linie auf der Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, neue Jobs zu schaffen. Das sollte sich tatsächlich ab 1990 rächen, als sich die Arbeitslosenquote innert vier Jahren verzehnfachte.
Vor dieser Entwicklung warnte Anfang 1988 Computerworld mit doppelter Negierung: «Für die neunziger Jahre ist eine Abnahme der Bürobeschäftigten nicht auszuschliessen.» In einem Report über die Studie «Arbeit im Büro von morgen» des Schweizerischen Kaufmännischen Verbandes zeichnete Computerworld-Redaktor André Eisenstein ein düsteres Bild: Der massenweise Einsatz von Computern barg aus damaliger Perspektive ein Rationalisierungspotenzial von 15 Prozent der Belegschaft. Davon allein die Hälfte wurde der «aktenlosen Sachbearbeitung mit integrierten Bürosystemen» zugeschrieben. Im «Büro von morgen» sollten die Angestellten anstatt mit Akten mit dem Computer arbeiten. Weitere grosse Jobkiller waren: «integrierte Daten- und Textverarbeitung», «elektronische Fernarbeit» sowie «Bürofernschreiben und elektronische Post».


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