Roman Yampolskiy in Zürich 27.05.2019, 06:48 Uhr

«Superintelligenten Systemen fehlt der gesunde Menschenverstand»

Künstliche Intelligenz wird die IT-Security umpflügen. Sowohl auf Hacker-Seite als auch seitens der Verteidiger. Aber das ist nur der Anfang: Wenn «Superintelligenz» ins Spiel kommt, werden die Karten nochmals neu gemischt.
Roman Yampolskiy, Professor für Computerwissenschaften an der University of Louisville, erforscht die Auswirkungen von Superintelligenz auf die IT-Security
(Quelle: Jens Stark/NMGZ )
Das Zeitalter der «Superintelligenz» steht bald vor der Tür. So lautet die Kernaussage des Vortrags von Roman Yampolskiy, ausserordentlicher Professor für Computerwissenschaften an der University of Louisville im US-Bundesstaat Kentucky, den er anlässlich der Veranstaltung «IT-Security Inside» des IT-Sicherheitsspezialisten Avantec in Zürich gehalten hat. Mit «Superintelligenz» ist jener Punkt gemeint, an dem die künstliche die menschliche Intelligenz überholt haben wird. «Ich spreche von Systemen, die in jeder Hinsicht einem Menschen überlegen sind», erklärt der Informatikwissenschaftler.
Die Zeit der Superintelligenz bricht zudem laut Yampolskiy nicht erst in einer fernen Zukunft an, sondern es könnte schon bald soweit sein. Zwar verzichtet er darauf, eine konkrete Jahreszahl zu nennen, zitiert aber eine Prognose des bekannten Futurologen und technischen Leiter bei Google, Raymond Kurzweil, der davon ausgeht, dass zwischen 2023 und 2045 der Punkt der technologischen Singularität erreicht sein könnte, wenn also die weitere technologische Entwicklung vom Menschen nicht mehr beeinflusst werden kann.
Eine steile These, die Yampolskiy hier präsentiert. Mehrere Gründe führt er auf, warum es durchaus im Rahmen des Möglichen liege, dass wir es in Kürze mit Superintelligenz zu tun haben werden. Milliarden würden zur Zeit in entsprechende Forschung gesteckt, und zwar sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantik. Laut Yampolskiy sind derart hohe Forschungsgelder bislang lediglich in Feldern wie der Physik Gang und Gäbe, nicht aber in der Computerwissenschaft. Neben staatlichen Instituten würden auch die grossen Player aus dem Silicon Valley wie etwa Google Milliarden in entsprechende Forschung fliessen lassen. «Auch einiges an Humankapital ist hier involviert. Ein paar der gescheitesten Köpfe weltweit widmen sich entsprechender wissenschaftlicher Vorhaben», meint er.
Zudem würden schon heute Computer in vielen auch kognitiven Bereichen den Menschen alt aussehen lassen. Yampolskiy erinnert hier nur an die verschiedenen Herausforderungen, bei denen Maschinen den besten Experten und Könner geschlagen haben, angefangen von Schach über das Ratespiel Jeopardy bis hin zum Brettspiel Go. Darüber hinaus geben in vielen Lebensbereichen Computer- und Software-gestützte Systeme den Ton an, wie etwa im Aktienhandel oder bei der Steuerung des Flugverkehrs. «Und dabei handle es sich nicht einmal um intelligente, geschweige denn superintelligente Systeme, sondern vergleichsweise dumme Softwareprogramme», sagt er. «Selbst für diese Systeme sind wir nicht smart und fähig genug, um manuell wieder die Kontrolle zu übernehmen». Wenn es also der Technologie in so vielen Bereichen gelungen ist, menschliche Fähigkeiten zu toppen, warum sollte ein superintelligentes System nicht im Rahmen der Möglichkeiten stehen, argumentiert er.


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