Wer Daten will, muss Anreize schaffen

Vertrauen fördern und Anreize schaffen

Der Smart-City-Experte Stefan Metzger wies in seiner Präsentation darauf hin, dass das vorherrschende Bild von Daten, welche nur für individualisierte Werbung genutzt würden, schon lange überholt sei. Aus Daten könne bedeutend mehr nützliches Wissen extrahiert werden, wenn man verschiedene Datensätze richtig kombiniere.
Für den Staat sei dies allerdings oft nicht ganz so einfach. Denn gemäss Metzger werden an diesen viel höhere Ansprüche gestellt, wenn es um das Sammeln von Daten geht.  «Es ist ein wenig schizophren, wenn man einerseits dem Staat so wenig Daten wie möglich überlassen will, aber gegenüber privaten Unternehmen via Smartphone gleichzeitig alle möglichen Daten offenlegt – beispielsweise das Mobilitäts- und Einkaufsverhalten oder sensible Information bezüglich des eigenen Gesundheitszustands.»
Gemäss dem Smart-City-Experten Stefan Metzger werden hohe Ansprüche an den Staat gestellt, wenn es um das Sammeln von Daten geht
Quelle: Alex Uehlinger
Auch Jörg Lutz, der Oberbürgermeister der deutschen Nachbarstadt Lörrach, stellte in einer Diskussion am BEF fest, dass der Staat beim Datensammeln regelmässig kritischer hinterfragt wird als dies bei privaten Unternehmen der Fall ist. «In unserer westlichen Gesellschaft herrscht ein kritisches Denken gegenüber dem Staat und dessen Datenhunger, jedoch lassen wir private Unternehmen ohne diese gross zu hinterfragen gewähren», sagte er.
Die ungleich langen Spiesse seien deshalb hinderlich auf dem Weg zu einer Smart City, mit der sich laut Lutz viele Probleme in Umwelt- und Mobilitätsfragen lösen liessen. «Wäre eine dahingehende Datenerhebung sowie Aufbereitung möglich, würde ein grosser Mehrwert für die gesamte Bevölkerung resultieren», sagte er. Diesen Mehrwert gelte es überzeugend zu kommunizieren, damit die Bevölkerung Vertrauen fassen könne und eine solche Entwicklung mittrage.
Smart-City-Spezialist Metzger zeigte sich zudem überzeugt, dass es für Bürgerinnen und Bürger Anreize braucht, damit diese ihre Daten in irgendeiner Form auch an den Staat weitergeben. Die Teilnehmer einer Break-out Session schlugen beispielsweise vor, dass Personen Steuern sparen könnten, indem sie ihre Daten freiwillig zur Verfügung stellen.

Transparenz bei der Datenverarbeitung

In einer Podiumsdiskussion zum Abschluss des Basel Economic Forums 2019 betonte Dirk Lindemann, der frischgebackene Direktor des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation BIT, dass den Bürgerinnen und Bürgern möglichst viel Selbstbestimmung in Bezug auf die Verwendung der eigenen Daten zukommen müsse.
Es gelte dabei überzeugend zu kommunizieren, wie viel Sorgfalt der Staat bei der Datenverarbeitung walten lasse. Denn Daten sind laut Lindemann lediglich im falschen Kontext gefährlich. Mit dem entsprechenden Mass an Anonymisierung seien keinerlei Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich – gleichwohl könne das Potenzial der Daten beispielsweise für die intelligente Weiterentwicklung des Siedlungsraums ausgeschöpft werden.
Daher forderte der neue BIT-Direktor insgesamt mehr Mut zur Innovation. Ihm zufolge müsse auch auf Verwaltungsebene vermehrt in den Versuchsmodus gewechselt werden – selbst wenn dort das Prinzip «Trial & Error» nicht gerne gesehen werde.
An der abschliessenden Podiumsdiskussion beteiligten sich Jörg Lutz, Huaweis Vize-Schweiz-Chef Felix Kamer, Dirk Lindemann und der Direktor von Scienceindustries, Stephan Mumenthaler (v.l.)
Quelle: Alex Uehlinger
Auch für Lörrachs Oberbürgermeister Lutz sind die Transparenz bei der Datenverarbeitung sowie der permanente gesellschaftliche Dialog entscheidend. «Wenn die Bürger immer genau wissen, wofür ihre Daten erhoben werden, und gleichzeitig ein direkter persönlicher Nutzen ersichtlich ist, würde die Schere zwischen privaten und staatlichen Akteuren nicht so weit auseinanderklaffen», zeigte er sich im Gespräch mit den anderen Podiumsteilnehmern überzeugt.
Wie Lutz anmerkte, macht es dabei einen grossen Unterschied, ob Daten wie derzeit vor allem zur Gewinnoptimierung eingesetzt werden oder für öffentliche Belange. «Wenn Daten erkennbar fürs Gemeinwohl und nicht ausschliesslich für ökonomische Interessen eingesetzt werden, bei denen sich Einzelne die Taschen füllen, dann reagiert die Bevölkerung positiv.» Und weiter: «Damit wird ein Ruck durch die Gesellschaft gehen, der uns auf dem Weg zu einer gelungenen digitalen Transformation einen Schritt weiterbringt.»


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