Studie von TA-Swiss 19.07.2018, 11:30 Uhr

Forscher untersuchen die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft

Die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung hat drei Forschungseinrichtungen damit beauftragt, Chancen und Gefahren von Künstlicher Intelligenz für die Gesellschaft zu untersuchen. Bis Herbst 2019 sollen dabei Handlungsempfehlungen für die Schweizer Politik und Wirtschaft erarbeitet werden.
(Quelle: Clint Adair/Unsplash )
Bereits heute ist Künstliche Intelligenz ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Zahlreiche Dienste und Services, die heute regelmässig genutzt werden, basieren auf automatisierten Berechnungen solcher Systeme. Sie helfen etwa dabei, dass Kreditkarten gesperrt werden, wenn sie irgendwo auf der Welt missbräuchlich eingesetzt werden. Das iPhone entsperrt sich mittlerweile von selbst, wenn User in die kleine Linse oberhalb des Displays blicken. Und bei der Partnersuche schlagen verschiedene Platt­formen die potenzielle Lebenspartnerin oder den potenziellen Lebenspartner automatisch vor. Und wenn Algorithmen menschliche Entscheidungen ersetzen, den Börsenhandel übernehmen oder das Wählerverhalten beeinflussen, dann drängen sich gesellschaftliche Fragen auf.
Die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) hat deshalb drei Forschungseinrichtungen damit beauftragt, die Herausforderungen zu untersuchen, die sich dabei stellen. Daran beteiligt ist ein Team der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), die «Digital Society Initiative» der Universität Zürich (UZH) und das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Bis Herbst 2019 sollen die Forscher konkrete Handlungsempfehlungen für die Schweizer Politik und Wirtschaft erarbeiten, wie die Empa in einer Medienmitteilung schreibt.

Aufgabenteilung

Das Team der Empa-Abteilung «Technologie und Gesellschaft» untersucht laut eigenen Angaben die Chancen und Risiken rund um Künstliche Intelligenz für Innovationen, Forschung und Bildung. Wissenschaftler der UZH und ÖAW würden sich um die Bereiche Konsum, Medien, Arbeit und Verwaltung kümmern. Jeder Teilbereich werde zusätzlich unter ethischen und rechtlichen Aspekten unter die Lupe genommen, heisst es in der Mitteilung weiter.
Erste Ergebnisse wollen die Forschenden anschliessend in den jeweiligen Anwendungsbereichen mit nationalen und internationalen Stakeholdern untersuchen. «So erreichen wir, dass gesellschaftlich relevante Themen nicht innerhalb einer Bubble einzelner Fachbereiche beurteilt werden, sondern sich ein Bild aus allen Perspektiven zusammensetzt», wird Clemens Mader vom Empa-Team im Communiqué zitiert.

KI für Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft

Zum Ziel haben sich die beteiligten Wissenschaftler gesetzt, Anwendungsmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz in der Forschung und als Innovationsmotor zu untersuchen, wie die Empa weiter schreibt. Gleichzeitig sollen aber auch gesellschaftlich relevante Fragen angegangen werden – etwa wie sich die Gesellschaft darauf einstellen lasse, KI kritisch weiterzuentwickeln und selbstbewusst einzusetzen. Laut Mader sei hierbei der Bildungsbereich gefragt.
So untersuchen die Forscher für den Schulbereich Pilotprojekte mit KI-Anwendungen, wie sie etwa bereits in einer Schule im Silicon Valley eingesetzt werden. Schüler lernen dabei mit Tablets, während eine Software ihr Lernverhalten beobachtet. Das Programm liefert danach Ratschläge, wie die Kinder individuell gefördert werden können. «Wenn der Computer über das Curriculum von Schülern entscheidet, muss man beachten, dass hier Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und in der Folge die gesellschaftliche Entwicklung betroffen sind», sagt der Empa-Forscher. Die Veränderungen, die Algorithmen mit sich bringen, gelte es nun in einen politischen Rahmen zu setzen, um mit Gefahren umzugehen, aber auch Innovationspotenziale fördern zu können, so sein Résumé.


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