CES 07.01.2016, 15:04 Uhr

Volkswagen entschuldigt sich, zeigt IoT-Car 'Budd-e'

Nach dem Abgasskandal nimmt Volkswagen auf der CES einen neuen Anlauf. Den Vogel aber schiesst die Schweizer Rinspeed mit ihrer Car-Designstudie Etos ab: autonomes Fahren, faltbares Lenkrad und Drohnenlandeplatz auf dem Heck.
Volkswagen kam an die Consumer Electronic Show (CES) um sich zu entschuldigen. Immerhin waren die USA der Tatort, an dem der führende deutsche Automobilkonzern wegen gefälschter Abgaswerte gewaltig auf die Nase geflogen ist. Der in letzter Instanz dafür verantwortliche VW-Top-Manager Martin Winterkorn ist schon nicht mehr am Amt, wehrte sich mit Händen und Füssen, musste dann aber schlussendlich doch den Hut nehmen.

Strafzahlungen in Milliardenhöhe

"Das ist nichts, worauf wir stolz sein können. Wir haben das amerikanische Volk enttäuscht und sind selbst enttäuscht, dass so etwas in einem Unternehmen geschehen konnte, das wir lieben", meinte Herbert Diess, Markenvorstand bei Volkswagen, gestern auf der Eröffnung der CES. Der Konzern stellt sich auf Milliardenstrafzahlungen ein. Die VW-Aktie gab seit dem Skandal am 18. September 2015 um etwa ein Drittel nach. Auf der CES nimmt das Unternehmen einen neuen Anlauf und zeigt, wie es sich die Zukunft des Automobils vorstellt. Etwas altbacken kommt der neue E-Golf daher, den VWs Volkmar Tanenberger nichtsdestotrotz als "Smartphone auf Rädern" beschrieb. Zum neuen, digitalen Feature Set gehören zum Beispiel eine Spracherkennung, eine automatische Geschwindigkeitswarnung und die Option, seine mobilen Geräte kabellos (wireless) wieder aufladen zu können.

VW: "Neue Ära der Elektromobilität"

Ein ganzes Stück weiter in die Zukunft schaut der neue Budd-e, eine digitale Neuinterpretation des legendären VW-Buses (Bulli), die voraussichtlich 2019 auf den Markt kommen soll. Mit dem Budd-e läutet der Automobilanbieter vollmundig eine neue "Ära der erschwinglichen Langstrecken-Elektromibilität" ein. Im Boden zwischen den Rädern liegt eine Batterie mit einer Kapazität von 92,4 Kilowattstunden (kWh). Eine Batterieladung soll nach Auskunft des Anbieters für 533 gefahrene Kilometer reichen - bei optimaler Fahrweise, versteht sich. Aber wer fährt schon immer optimal?
Im Budd-e hat Volkswagen zwei Elektromotoren verbaut, einen für die Vorder- und einen für die Hinterachse. Zusammen ergibt das eine Leistung von - nach alter Währung - 306 PS. Das dürfte für Spitzengeschwindigkeiten von 180 km/h und einem Spurt von Null auf 100 Stundenkilometer in sieben Sekunden ausreichen. Die grösste Neuheit aber steckt im integrierten Internet der Dinge (IoT), welches dem Fahrzeug ermöglichen soll, von seinem Benutzer zu lernen und sich auf seine Vorlieben und Gewohnheiten einzustellen. Das macht den Budd-e zu einem "ganz neuen Typ von sozialem Fahrzeug".

Schweizer Konzept-Car Etos

Gegenüber dem, was die Schweizer Firma Rinspeed auf die Beine stellt, schmeckt aber auch der Budd-e wie kalter Kaffee. Die Schweizer haben ihre Konzeptstudie Etos auf Basis eines BMW i8 gebaut und stellen sie heute (7. Januar)) auf der CES vor. Der Etos ist ein Hybridfahrzeug, mit kombiniertem Otto-Verbrennungs- und Elektromotor. Der Wagen beschleunigt in 4,4 Sekunden von Null auf hundert und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 250 km/h. Die beiden Clous aber: Der Fahrer kann in den autonomen Fahrmodus schalten, während der Fahrt faltet sich dann das Lenkrad zusammen und verschwindet. "Ich bin überzeugt, dass wir in fünf Jahren autonome Fahrzeuge haben werden", ist CEO Frank Rinderknecht überzeugt. Zukunftsweisend ist auch der Drohnenlandeplatz auf dem Heck. Die Drohne kann vom Fahrer gestartet und gelandet werden, ohne den Innenraum zu verlassen.
Ebenfalls schick: Die Schweizer Börse SIX hat dem Etos ein Bezahlsystem für sichere Transaktionen "on the go" spendiert. Selbst kleinere Beträge wie Trinkgelder können nun mit einer kurzen Wischbewegung der Hand über den Aussenspiegel gezahlt werden. Rinspeed will mit seinem Etos zeigen, was alles möglich ist, Optionen und Grenzen ausloten. Will heissen, der Wagen wird so nicht in die Produktion gehen. Das wäre bei einer Batteriereichweite von 37 Kilometern auch keine so gute Idee.



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