30.07.2010, 11:10 Uhr

Schweizer Firmen bei Transaktionen vorsichtig

Im zweiten Quartal 2010 haben Schweizer Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen vor allem mit Zurückhaltung geglänzt.
Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum hat das Volumen der getätigten Transaktion im Schweizer M&A-Markt (Mergers and Acquisitions) in den vergangnen drei Monaten um über 50 Prozent abgenommen. Die Zahl der Transaktionen hat sich im Jahresvergleich hingegen kaum verändert. Dies geht aus der Untersuchung «Mergers and Acquisitions Quarterly Switzerland Quarterly Switzerland» hevor, die das Beratungsunternhemen Ernst & Young durchgeführt hat.
Im zweiten diesjährigen Quartal gab es demzufolge auf Einzeltransaktionsebene lediglich ein Geschäft mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar oder mehr: Und zwar den Mega-Deal von ABB im vergangenen Mai (Computerworld berichtete). Für eine Milliarde Dollar hat der Zürcher Industriekonzern damals den US-Software-Anbieter Ventyx übernommen.
Die Anzahl der Transaktionen im Wert von über 250 Millionen Dollar sind im Jahresvergleich von sieben auf vier geschrumpft. Davon entfielen gleich zwei ABB. Das Ausbleiben grosser Transaktionen zeuge davon, dass die Unternehmen angesichts der gestiegenen Arbeitsmarktvolatilität bei umfangreicheren Fusionen und Übernahmen relativ zurückhaltend waren, erklärt das Beratungsunternehmen.
In den vergangenen drei Monaten waren der Technologie- und Telekom-Sektor sowie die Medienbranche mit jeweils 18 Prozent aller helvetischen M&A-Transaktionen besonders aktiv. Nur im Finanzdienstleistungssektor gab es mehr Bewegung: Auf diese Branche entfielen 19 Prozent der eidgenössischen M&A-Geschäfte.
Das bringt die Zukunft
Ernst & Young geht davon aus, dass die M&A-Aktivitäten hierzulande «mittelfristig nur leicht zunehmen werden». Derweil werde der helvetische Markt kurzfristig von strategischen Transaktionen bestimmt sein. Wirtschaftliche Turbulenzen wie etwa der Eurokrise haben die Aktienmärkte ins Schwanken gebracht. Verwaltungsräte und Aktionäre werden grössere Transaktionen daher wohl nur mit Zurückhaltung genehmigen. «Zumindest bis mehr Aufschluss über die globalen Konjunkturaussichten besteht und die Volatilität wieder abnimmt», so das Beratungsunternehmen.
Sorgt starker Franken für Bewegung?
Vor allem gegenüber dem Euro hat der Schweizer Franken in der jüngsten Vergangenheit zu einem regelrechten Höhenflug angesetzt. Dies könnte Schweizer Unternehmen dazu veranlassen, vermehrt grenzüberschreitende Transaktionen zu tätigen, um vom historisch tiefen Wechselkurs gegenüber dem Euro und den attraktiven Unternehmensbewertungen zu profitieren, meint Jürg Stucker, Leiter Mergers and Acquisitions bei Ernst & Young Schweiz.
Harald Schodl



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