Peoplesoft 04.10.2004, 00:00 Uhr

Rausschmiss für CEO Craig Conway

ERP-Herstellerin Peoplesoft hat CEO (Chief Executive Officer) Craig Conway entlassen. Der Verwaltungsrat zweifelte an der Führungsqualität. Das Unternehmen kämpft weiter gegen eine Übernahme durch Oracle. Neuer CEO wird der Unternehmensgründer Dave Duffield.
Die Entscheidung fiel, weil Conway, erklärter Gegner der Übernahme durch Oracle, keinen Rückhalt mehr im Aufsichtsrat geniesst, heisst es lapidar in einer Presseaussendung. Man traue ihm nicht mehr zu, die Company in die Zukunft zu führen. Ob diese weiterhn die Oracle-Offerte ablehnen werde, liess Peoplesoft offen.
Conways Nachfolge als CEO wird vorübergehend der 63-jährige Firmengründer und Chairman Dave Duffield übernehmen. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass sich Finanzchef Kevin Parker und Phil Wilmington, verantwortlich für das operative Geschäft in Nord- und Südamerika, das Amt eines President von Peoplesoft teilen werden. Zu Duffields Stellvertreter als Chairman wurde Aneel Bhusri, Director und ehemaliger Peoplesoft-Manager, bestimmt. Sämtliche nderungen treten sofort in Kraft, hiess es.
An der Wall Street wurde der Rauswurf Conways zunächst als Hinweis darauf gedeutet, dass Peoplesoft nach 16 Monaten den Widerstand gegen die feindliche Übernahme durch Oracle aufgeben werde. So hatte das Unternehmen in der Aussendung anlässlich der Entlassung Conways keine Angaben zu der künftigen Haltung in der Übernahmeschlacht gemacht. Board-Sprecher Battle wies lediglich darauf hin, dass das für die Ablehnung des Angebots zuständige Komitee alle Entscheidungen einstimmig gefällt habe und dessen Mitglieder weiterhin im Amt seien.
Ausserdem erklärte der neue CEO Duffield, Peoplesoft solle eine "wunderbare Arbeitsstätte für alle Angestellten" bleiben. Im Gegensatz dazu hatte Oracle angedeutet, bei einer erfolgreichen Übernahme mehr als die Hälfte der rund 11.500 Peoplesoft-Mitarbeiter zu entlassen.Finanzchef und Co-President Parker wies zudem darauf hin, dass der Lizenzumsatz im dritten Quartal voraussichtlich 150 Millionen Dollar überschritten habe. Man habe grosse Verkaufserfolge bei neuen und bisherigen Kunden erzielt.
Erst vor zwei Wochen hatte ein US-Bundesgericht die Kartellklage des US-Justizministeriums abgeschmettert und entschieden, dass Oracle weiter daran arbeiten darf, den Wettbewerber Peoplesoft zu übernehmen. Ausserdem steht laut verschiedener Medienmeldungen die EU-Kommission kurz davor, die 7,7 Milliarden Dollar schwere Fusion zu genehmigen. Bislang hatte die Brüsseler Behörde ähnlich wie das US-amerikanische Justizministerium negative Auswirkungen auf den Wettbewerb im Markt für Unternehmenssoftware befürchtet.


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