06.02.2017, 10:28 Uhr

Niederlande hat Angst vor Hackerangriffen auf Wahlen

Die Niederlande beklagen, dass sie vor den bevorstehenden Wahlen von Hackern angegriffen werden. Eine Konsequenz daraus: Die Wahlzettel sollen von Hand ausgezählt werden.
Die Niederlande haben eine Reihe von Hackerangriffen auf Behörden und Institutionen im Vorfeld ihrer Parlamentswahlen beklagt. Die Angreifer sollen nach Angaben aus Den Haag unter anderem versucht haben, die Zugangsdaten von Regierungsmitgliedern zu knacken.
Wie die renommierte niederländische Tageszeitung «Volkskrant» am Samstag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, versuchten die Hacker unter anderem, die Zugangsdaten von Mitgliedern des Büros des Regierungschefs zu knacken. Das sei ihnen aber nicht gelungen. Dem Geheimdienst zufolge soll es in den vergangenen sechs Monaten «hunderte Versuche» gegeben haben, E-Mails und Unternehmensdaten zu knacken. Dem Bericht zufolge steckten unter anderem die Gruppen APT29 und APT28 hinter den Angriffen. Sie sollen Verbindungen zur russischen Regierung haben und werden von der US-Bundespolizei FBI und dem US-Ministerium für Innere Sicherheit als Verantwortliche für Hackerangriffe in den Vereinigten Staaten gesehen.

Vorwürfe an Russland

Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich zugunsten des später gewählten Präsidenten Donald Trump in den Wahlkampf eingemischt zu haben, was Moskau zurückweist.  In den Niederlanden wird am 15. März ein neues Parlament gewählt. Angesichts der mutmasslichen Cyberangriffe bei anderen Wahlen wächst auch dort die Furcht vor einer ausländischen Einmischung. Ausser Russland sollen auch China und der Iran Hackerangriffe auf niederländische Regierungsvertreter verübt haben. Der niederländische Geheimdienstchef Rob Bertholee sagte am Freitag, es sei eine grosse Herausforderung, den vermutlich aus Russland, China und dem Iran stammenden Angreifern stets voraus zu sein. Der Chef des Geheimdienstes AIVD sprach von einer «Bedrohung unserer Demokratie». Die Gefahr sei eine doppelte: Hacker könnten zum einen die Arbeit des Parlaments und die Entscheidungsprozesse der Regierung beeinflussen. Ausserdem bestehe die Gefahr der Wirtschaftsspionage und damit der Schwächung der Industrie. Nächste Seite: Wählen ohne Computer

Wählen ohne Computer

Wegen der Bedrohungslage und um Manipulationen auszuschliessen, sollen bei der niederländischen Parlamentswahl am 15. März die Stimmen von Hand ausgezählt werden. Hackerangriffe fremder Staaten sollen so verhindert werden, teilte Innenminister Roland Plasterk in Den Haag mit. Über der Abstimmung und Auszählung dürfe nicht der Schatten eines Zweifels schweben, betonte der Minister in einem Brief an das Parlament.
Die sonst bei Wahlen eingesetzte Software war nach Medienberichten extrem anfällig für Manipulationen von aussen. Die Niederländer stimmen im März daher mit einem roten Buntstift ab, danach werden die Stimmen in den Wahllokalen von Hand ausgezählt. Die Ergebnisse werden anschliessend von einer Person zu den regionalen Wahlbüros gebracht. Erst in den zentralen Büros des Wahlrates sollen Computer eingesetzt werden. Der Minister hatte bereits nach der US-Wahl davor gewarnt, dass andere Staaten auch die Wahl in den Niederlanden manipulieren könnten. Die frühere US-Regierung hatte Russland beschuldigt, die Computer der Demokraten gehackt zu haben, um Donald Trump zum Wahlsieg zu verhelfen.


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