Nokia will Alcatel-Lucent 14.04.2015, 12:08 Uhr

Netzwerkausrüster-Markt im Wandel

Nokia will seine Netzwerkausrüstersparte mit dem Zukauf von Teilen Alcatel-Lucents vergrössern. Ob Nokia vom einstigen Handy-Marktführer zum Netzwerk-Giganten wird hängt davon ab, wie viel die Finnen investieren wollen.
Das Netzwerkausrüster-Geschäft steht vor einer einschneidenden Veränderung. Nokia will Teile des Konkurrenten Alcatel-Lucent kaufen. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, könnten aber noch scheitern, erklärte Nokia dem Finanzdienst Bloomberg. Verläuft alles nach dem Plan der Finnen, kann der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen bereits diese Woche vermeldet werden. Der Kampf um die Vorherrschaft der Telko-Aurüster würde sich in der Folge weiter zuspitzen. Bevor es soweit kommt muss aber noch geklärt werden, ob Alcatel-Lucent gesamthaft übernommen werden soll, oder nur das Mobilfunknetzwerkgeschäft. Nokia dürfte vor allem an einer Gesamtübernahme interessiert sein. Bei einer Fusion wird ein Unternehmen mit einem Marktwert von rund 40 Milliarden Franken entstehen. Knapp zwei Drittel davon würden von Nokia kommen. Es ist unklar, wie viel Nokia für Alcatel auf den Tisch legen würde. Den Firmen zufolge wird über ein Aktiengebot diskutiert.

Festnetztechnologie einkaufen

Nokia ist seit dem Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft hauptschlich ein Netzwerkausrster. 2007 gründete man gemeinsam Siemens die Sparte Nokia Siemens Network. Es war das damals nach addiertem Pro-forma-Umsatz zweitgrösste Unternehmen für Mobilfunk - und das viertgrösste für Festnetz-Infrastruktur. Im Sommer 2013 kaufte Nokia Siemens ihren Anteil nach teilweise heftigen Sparkursen für 1,7 Milliarden Euro ab und benannte das Unternehmen in Nokia Networks um. Alcatel-Lucent ist seit der Gründung 2006 nicht besonders erfolgreich unterwegs. Auch sie mussten deshalb massive Sparmassnahmen in Form von Entlassungen vornehmen. Wodurch im ersten Quartal 2014 zwar erstmals ein Gewinn ausgewiesen werden konnte, doch gleichzeitig die Erlöse sanken. Falls Alcatel nur das Mobilfunknetzwerkgeschäft an Nokia verkauft, dürfte das ebenfalls für eine Aufmischung des Marktes sorgen. Nr mit einer Komplettübernahme würde sich Nokia aber endlich im Besitz einer nennenswertes Festnetztechnologie befinden und könnte Huawei, Ericsson und ZTE wirklich unter Druck setzen. Umsatzmässig würde man sich wohl in beiden Fällen an die Spitze der grossen Vier setzen. Die Börse reagierte stark auf die laufende Verhandlung. Während Alcatel-Lucent-Aktien im Verlauf des Dienstagmorgens um bis zu 16 Prozent stiegen, verlor der Nokia-Kurs sechs Prozent.


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