Erster Schweizer Social Business Benchmark 11.03.2015, 17:06 Uhr

Microsoft, IBM, Oracle, Salesforce, Atos

Social Business heisst UCC, Networking, CRM, Talent-Management, Video-/Audio-Konferenzen. Firmen erhoffen sich davon optimierte Geschäftsprozesse und eine höhere Produktivität. Experton hat den Schweizer Markt ausgetestet. Was taugen die Anbieter?
Social Enterprise Networking Suiten (SENS) - von diesem Wortungetüm lässt sich keiner so richtig begeistern. Genau das aber wäre nötig. Denn durch die Team- und Kommunikations-Software wollen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse verbessern und die Effizienz ihrer Mitarbeiter steigern. Das ist auch möglich, nur müssen dazu die Mitarbeiter die angebotenen Tools aktiv nutzen. Analysten raten daher, die angebotenen Groupware-, Instant-Messaging-, Video-Chat-, Social-Network- und UCC-Lösungen unbedingt durch strategische und operationelle Rahmenmassnahmen zu begleiten. Erst dann stellt sich der Erfolg ein. Die Technologie aber ist die Grundlage des Erfolges. Das Analystenhaus Experton hat deshalb 96 (von 250) Social Business Vendor, die in der Schweiz aktiv sind, auf den Prüfstand gestellt. Der "Social Business Vendor Benchmark 2015" für die Schweiz ist der erste seiner Art. Der Schweizer Social-Business-Markt wachse rasant. Zwischen 2014 und 2019 würden die Investitionen Schweizer Unternehmen in Social-Business-Produkte/-Services von 300 Millionen Franken auf eine Milliarde Franken anwachsen, prognostizieren die Analysten. Digitale Transformation meistern Allerdings stellt der Wandel auch hohe Anforderungen an die Schweizer Unternehmen, die sich gerne Unterstützung von aussen holen. Unter den Beratungshäusern, welche die digitale Transformation bei ihren Kunden vorantreiben, waren 2014 IBM, Capgemini und Atos besonders leistungsstark. Aber auch klassische Berater wie Accenture oder der Prüfungsriese Deloitte trumpften stark auf. Der Trend geht dahin, Funktionen, die bislang durch separate Produkte abgedeckt wurden, in eine einzige SENS-Lösung zu integrieren. Dazu hören zum Beispiel das Projekt- und Aufgaben-Management, CRM, Filesharing, Talent-Management oder auch App-/Prozess-Entwicklung mit Share-Funktionalität. Microsoft dominiert den KMU-Markt Zu den Ergebnissen des Experton-Benchmarks für die Schweiz: Die Analysten unterscheiden zwischen KMU mit bis zu 999 Mitarbeitenden und Grosunternehmen (mehr als 999 MA). Im Schweizer KMU-Segment dominiert sehr klar Microsoft den Markt. Der Mittelstand kennt Microsoft vor allem über Betriebssysteme und natürlich den De-Facto-Standard aller Produktivitätssoftware: MS Office. Mit der Cloud-Factory Azure hat der Anbieter geschickt ein orts- und zeitunabhängiges Backend für seine Office-Produkte aufgebaut. Mit der Zusammenführung von Sharepoint, Yammer und Office365 ist es Microsoft gelungen, seine Marktposition von 2013 auf 2014 weiter zu festigen. Mittelständler profitieren von attraktiven Konditionen und einem mittlerweile sehr gut aufeinander abgestimmten Portfolio. Yammer allein konnte 2014 mit vielen Feature-Upgrades aufwarten. So hat Microsoft das Single-Sign-On mit Fokus auf Office 365 optimiert. Für externe Inhalte wurde, analog zu Facebook, den Yammer-Share-Button eingeführt. Geheimtipp Bitrix Von grosser Relevanz für den Schweizer Markt sei ausserdem Bitrix. Das SENS Bitrix24 für KMU sei in einer Cloud- und einer On-premise-Variante erhältlich und unterstütze einen schnellen Start "from the scratch". Integraler Bestandteil der Suite sei das Aufgabenmanagement, das auch einen lokalen Desktop-Ableger mitbringe und Microsofts Sharepoint Konkurrenz machen möchte, urteilen die Analysten. Bitrix24 ist in einer Kostenlos-Variante und per Bezahlmodell (99 bus 199 Euro) erhältlich. Bereits die kostenlose Version ist zu MS Office kompatibel und enthält Funktionen wie Telefonie, CRM, Aufgaben- und Projektmanagement. Ein sogenannter Marketplace kann auch mit Eigenentwicklungen bestückt werden. Bitrix ist Gold-Partner von Microsoft und partnert mit Oracle und MySQL. Citrix: Schweizer Partner fehlen noch Citrix ist auch in der Schweiz einer der Leader und besitzt mit seiner Projektmanagement-Software Podio für KMU eine in der Schweiz gesetzte Marke. Die Position im Leader-Quadranten gilt dem KMU-Segment, das schlanke Lösungen bevorzugt und sich nicht mit einer On-Premise-Lösung "belasten" will. Allerdings sei die Schweiz sehr kritisch gegenüber Cloud-Lösungen eingestellt, die nicht aus dem eigenen Land geliefert werden, sagt Experton, und Integrations-/Beratungspartner für Podio suche man leider nach wie vor vergebens. Das steht einem grösseren Erfolg bislang im Weg. Salesforce ist ein reiner Cloud-Player, der integrierte Kommunikation von der Pike auf in der DNA seiner Strategie verankert habe, betonen die Analysten. Die Portfolio-Attraktivität reiche in der Schweiz jedoch nicht ganz zur übrdurchschnittlichen Positionierung. Salesforce sei ein wichtiger Anbieter für KMU, der es aber nicht ganz in den Leader-Quadranten geschafft habe. Das anwendungsübergreifende Chatter habe sich jedoch zu einer echten Herausforderung für alle CRM-Anbieter entwickelt. Das wiege umso schwerer, da CRM für viele Kunden eine Art Keimzelle sei, die neben der Kommunikation auch andere betriebswirtschaftlich wichtige Funktionalitäten umfasse. Auch Sharepoint kann - analog zu Yammer - die Grundlage für Chatter sein. Die auf der letzten Dreamforce im Herbst 2014 vorgestellte Community Cloud bezieht externe Partner ein, enthält professionelle Reporting-Funktionen und hat sich vor allem Projektdurchgängigkeit als Ziel gesetzt. Nächste Seite: Social-Business-Lösungen für Grosskunden Social Business: umkämpfter Grosskunden-Markt Kernparameter der Bewertung durch die Experton-Analysten waren unter anderem die Integration in Legacy-Apps, Dokumenten-Sharing, Such-/Filtertechniken, Activity-Streams, Microblogging, CRM-Integration, Talent-/Projekt- und Skill-Management, Werkzeuge zur App-Entwicklung, Sicherheit und ein angeschlossenes Support-Netzwerk. KMU stellen andere Anforderungen als Grossunternehmen mit mehr als 1000 MA. Der Ergebnis-Quadrant für Grossunternehmen fällt daher weniger eindeutig aus als für KMU. Zwar hat sich auch im Grosskunden-Segment Microsoft sehr gut positioniert. Die Konkurrenz ist mit live Software, IBM, Tibco, Liferay, Atos und SAP aber härter. Tibco ist den Experton-Analysten sehr positiv aufgefallen. Das Unternehmen sei 2013/2014 als sogenannter "Rising Star" gestartet und konnte auch in der Schweiz der hohen Erwartungshaltung gerecht werden. Tibco ist in der Schweiz vor allem in der IT-geprägten Region Zürich vertreten. "Die Integrationsfähigkeit der Lösung Tibco Tibbr inklusive Customizing-Fähigkeiten und Search-Engine suchen ihresgleichen und erfüllen absolut die Anfprderungen moderner, hoch technologisierter Grossunternehmen", schreibt Experton. Atos unterstreicht mit blueKiwi seine Intention, Geschäftsprozesse zu harmonisieren. Die Lösung ist leichtgewichtig und funktioniert on-premise und im SaaS-Betrieb. Weniger gut sei die Integrationsfähigkeit in komplexe Legacy-Lösungen zu bewerten, meint Experton. Aber man sei zu MS Exchange/Outlook, und IBM Lotus Notes kompatibel. BlueKiwi ist auch für Windows Phone 8 erhältlich. SAP: perfekte Integration ins ERP-Portfolio SAP schafft mit seiner SENS-Suite "Jam" den Sprung unter die Besten und punktet vor allem mit seiner perfekten Integration ins eigene ERP-Portfolio. Jam setzt vor allem auf die Integration ins Personalwesen-Modul und in die Talent-Managemant-Lösung des von SAP aufgekauften Cloud-Spezialisten SuccessFactors, verfügt aber auch über CRM-Schnittstellen. Die Lösung überzeuge durch eine gute Usability und sei einfach schick, urteilt Experton. Die Attraktivität steige analog zur SAP-Anwendungstiefe beim Kunden.


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