11.10.2016, 15:00 Uhr

IT-System der Zollverwaltung in der Kritik, VBS auf Kurs

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat bei der Überprüfung eines neues Informatiksystems der Zollverwaltung Mängel in Bezug auf die Qualitätskontrolle, den Betrieb und die Kosten festgestellt.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat bei der Überprüfung eines neues Informatiksystems der Zollverwaltung Mängel in Bezug auf die Qualitätskontrolle, den Betrieb und die Kosten festgestellt. Es bestünden Restrisiken, die nicht beurteilbar seien. Die Zollverwaltung will mit dem Projekt das Einsatzleitsystem für das Grenzwachtkorps und für die zivilen Zollstellen vereinheitlichen. Es wurde 2010 lanciert und soll 27 Millionen Franken kosten. Ein gewisses Verständnis bringt die EFK gegenüber Verzögerung von drei Jahren und der Mehrkosten auf. Denn die Integration in die Informatikumgebung des Bundes stelle eine bedeutende Herausforderung dar, heisst es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Keine Sicherheitstests vorgesehen

Hingegen kritisiert die Finanzkontrolle, dass die Qualitätsanforderungen in der Projektdokumentation nur «grob umschrieben» und im Testkonzept sogar explizit ausgeschlossen seien. So könne die Zollverwaltung den Lieferanten bei Qualitätsproblemen nur schwer in die Verantwortung nehmen. Test von Sicherheitsmassnahmen seien nicht vorgesehen. Dadurch verblieben «Risiken, die nicht beurteilbar sind», heisst es weiter. Zum Zeitpunkt der Prüfung durch die EFK waren die Abnahmetests zu 95 Prozent abgeschlossen. Doch verschiedene konzeptionelle Fragen seien immer noch nicht geklärt. Das berge weitere Risiken in Bezug auf Kosten und Termine. Schliesslich seien die Verträge mit dem Lieferanten noch nicht definitiv ausgehandelt und auch der personelle Aufwand für das neue System nicht abschätzbar. Das gefährde einen stabilen und sicheren Betrieb des System. Damit sei «die Grundlage für eine finanzielle Führung sowie eine personelle Ressourcenplanung» nicht gegeben.

Budget offenbar eingehalten

Die Zollverwaltung (EZV) betont in einer Stellungsnahme, dass der Budgetrahmen des Projektauftrages trotz der Mehrkosten eingehalten werden konnte. Das Risiko der noch ausstehenden Wartungs- und Supportverträge sei erkannt und die Behebung in Arbeit. Die Lieferanten hätten aber die groben Rahmenbedingungen akzeptiert. Die Kritik an der Qualitätskontrolle weist die EZV zurück. Diese sei mit der Wahl des «bewährten Standards» des Lieferanten umgesetzt und geprüft worden. Die Stabilität des Systems werde zudem während der Ausbildungszeiten beobachtet. Die EZV werde jedoch die verlangten Vorgaben in zukünftigen Projekten einbauen. Lesen Sie auf der nächsten Seite: VBS-Projekt auf Kurs

Fitania «zielgerichtet»

Das Programm Fitania des Verteidigungsdepartements (VBS) beurteilt die EFK insgesamt als «zweckmässig aufgestellt und das Projektmanagement als zielgerichtet». FITANIA (Führungsinfrastruktur, Informationstechnologie und Anbindung an die Netzinfrastruktur der Armee) besteht aus drei verschiedenen Projekten. Für insgesamt 3,3 Milliarden Franken will das VBS ein fixes Glasfaserkabelnetz und Richtfunkverbindungen bauen, ein Rechenzentrum schaffen sowie eine Telekommunikationsplattform für mobile und teilmobile Daten- und Sprachübertragung einrichten. Einige Empfehlungen gibt die EFK aber trotzdem ab: So fordert sie für Rüstungsbeschaffungen in den Dimensionen wie bei der Telekommunikationsplattform eine technische Expertise auf Stufe Projekt, die bisher nicht sichergestellt sei. Im Glasfaserkabelnetz-Projekt liege zwar eine Leistungswertanalyse vor. Diese enthalte jedoch Fehler und beurteile «Termin- und Kostensituation zu ungunsten des Projekts». Darüber hinaus müssten Bundesrat und dem Parlament regelmässig über alle «geplanten, bewilligten, verwendeten und noch erforderlichen Mittel» aller Fitania-Projekte informiert werden.


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