13.11.2017, 07:51 Uhr

Auslaufmodell Bankfiliale

Die überwiegende Mehrheit von IT-Leitern im Bankenumfeld sind der Ansicht, dass es in zehn Jahren keine persönliche Beratung mehr am Schalter geben wird. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Avanade.
In der Schweizer Bankenbranche wird ein regelrechter Kahlschlag an Mitarbeitern erwartet. Denn 70 Prozent der in der Schweiz ansässigern Finanzinstitute geben an, innerhalb der nächsten zehn Jahre ganz auf persönliche Beratung im einfachen Privatkundengeschäft verzichten zu wollen. Als Grund dafür sehen die Banken die rapide Veränderung von Kundenverhalten und -erwartungen, die traditionelle Bankdienstleistungen obsolet machen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der IT-Beraterfirma Avanade. Dabei wurden im Sommer 280 führende IT- und Digital-Entscheider von Privatkunden- und kommerziellen Banken aus der ganzen Welt befragt, darunter 20 aus der Schweiz. Die Schweizer Befragten sind demnach zudem zu 100 Prozent der Meinung, dass disruptiver Wettbewerb das traditionelle Bankwesen überholt. Über ein Drittel (35 Prozent) gibt dabei an, dass sie sich bereits einer grösseren Konkurrenz durch Fintech-Startups ausgesetzt sehen; dabei beachten sie jedoch den Einstieg von Tech-Giganten wie Amazon, Google und Facebook in den Bankensektor als grösste langfristige Bedrohung in punkto Marktanteil sowie Profitabilität. Alle der in der Schweiz Befragten räumen zudem ein, dass es Nachholbedarf bei der Bereitstellung innovativer und personalisierter digitaler Möglichkeiten gibt, die Kunden von ihnen erwarten. Sie sind sich einig, dass ihre Organisation Ausgaben zu Gunsten eines besseren Kundenerlebnisses erhöhen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 30 Prozent der Befragten gehen sogar so weit, dass sie die Schliessung mehrerer oder aller Filialen und den Übergang zu rein digitalen Angeboten in Erwägung ziehen. Nächste Seite: Alte IT-Systeme als Bremsklotz

Alt-Systeme blockieren schnelles Voranschreiten

Gefangen im Überlebenskampf sind schweizerische IT-Entscheidungsträger gemäss der Studie der Meinung, dass das zukünftige Bestehen im Bankensektor davon abhängt, wie schnell sie Budgets für Projekte vergeben können, die sich mit zunehmend digitalen Konsumentenanforderungen befassen. Die Investition in neue Technologien steht dabei an der Spitze ihrer strategischen Prioritäten.
Dennoch macht es den Angaben nach die Betreuung bestehender Alt-Systeme mit circa 23 Prozent des Jahresbudgets fast unmöglich, in Technologien zu investieren, die das Geschäft vorwärts bringen. Alle Befragten sind der Meinung, dass die Modernisierung ihrer IT-Systeme dazu beitragen würde, mit digitalen Konkurrenten Schritt zu halten. So könnten Betriebskosten gesenkt und der Weg für zukünftige Investitionen frei gemacht werden, um im Wettbewerb mitzuhalten. «Privatkundenbanken sind sich durchaus der Herausforderungen bewusst, um ihre Kunden wieder erreichen zu können. Ihre Abhängigkeit von älteren IT-Systemen, die über vierzig Jahre oder mehr aufgebaut wurden, bremst sie allerdings wie ein Bleigewicht», kommentiert Robert Laube, CTIO bei Avanade, die Ergebnisse. «Gleichzeitig drohen neue Akteure aus dem Fintech-Bereich, an ihnen rasant vorbei zu ziehen», fügt er an.


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