Analyse 28.02.2012, 10:23 Uhr

Apple holt auf, an Microsoft gibt?s aber kein Vorbeikommen

Eine Forrester-Studie besagt, dass Apple und Google Microsoft in vielen Bereichen zwar die Vormachtstellung streitig zu machen versuchen, sie aber vorerst nicht erlangen werden.
Bedingt durch den Erfolg von iPhone und iPad wird Apple viel stärker in Unternehmen Fuß fassen, als viele sich das vorstellen können, frohlockt Forrester-Analyst Frank E. Gillet in einem Report. Grund für diese Einschätzung liefert ihm eine Umfrage unter 10.000 Informationsspezialisten, nach der bereits 21 Prozent Apple-Produkte für die Arbeit nutzen. Der Erfolg von Apple-Smartphones und Tablets ist bekanntlich umso erstaunlicher, als dass der Konzern aus Cupertino seine Geräte konsequent als Consumer-Produkte bezeichnet. Entsprechend unterstützt Apple Unternehmen nur sehr unzureichend beim Roll-out oder beim Support der Geräte im Firmeneinsatz.     Weltweit nutzt dessen ungeachtet einer von fünf Informationsspezialisten mindestens ein Apple-Produkt bei der Arbeit - gerne auch ein privat erworbenes. Das iPhone ist bei elf Prozent im Einsatz, neun Prozent nutzen das iPad, acht Prozent Mac-Rechner. Sechs Prozent haben mehr als eins dieser Geräte in Gebrauch. (Hier gibt es in dem Forrester-Report eine Inkonsistenz in den Zahlenwerten, die auch durch intensives Nachlesen nicht aufgelöst werden konnte.)

Der Apple-Nutzer

Die Nutzer von Apple-Produkten sind der Forrester-Umfrage zufolge in vielen Punkten überdurchschnittlich: In der Firmenhierarchie stehen sie relativ weit oben, sie sind jünger und sie werden besser bezahlt. Und man findet sie signifikant häufiger in Branchen, die sich besser entwickeln als andere.  Fast 50 Prozent der von Forrester befragten Unternehmen liefern mittlerweile Apple-Equipment an ihre Mitarbeiter aus - eine Steigerung von 50 Prozent in zwei Jahren. In Firmen, die mit Apple-Rechnern arbeiten, laufen sieben Prozent aller PCs mit Mac OS-X. Allerdings leisten nur 30 Prozent der Unternehmen offiziell Support für Macs, der Rest duldet diese Plattformen offenbar, ohne sie formal zu unterstützen. Das Interesse für iPad und iPhone liegt über dem für die Rechnerplattformen von Apple. Aktuell unterstützen 27 Prozent der Unternehmen das Apple-Tablet, weitere 31 Prozent planen das für die Zukunft. Beim iPhone sind die Quoten noch höher: Hier bieten 37 Prozent Support an - fast doppelt so viele wie noch 2009. Bis 2012 soll diese Quote auf bis zu 55 Prozent steigen.

Apple gewinnt Vormacht bei persönlich genutzten Geräten       

Aus den Zahlen folgert Forrester-Analyst Gillet, dass Apple eine substanzielle Position im Firmenmarkt einnehmen wird. Der Konzern werde die Dominanz von Windows bei den persönlich genutzten Geräten führender Manager beenden, glaubt Gillet. Schon heute hat Apple hier einen Anteil von 41 Prozent. Zusammen mit der bislang schwachen Präsenz Microsofts bei mobilen Geräten sei das ein eindeutiges Signal für das bevorstehende Ende der Vormachtstellung.  In einem derart fragmentierten Markt mobiler Geräte, schreibt Gillet, suchten die Kunden nach einem Anbieter mit einer vollständigen Produktpalette. Und das sei in diesem Falle nun mal Apple mit Tablets, Smartphones und Macs. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Android ist noch kein Konkurrent

Android ist noch kein Konkurrent

Es hätte vielleicht auch Android sein können. Die Google-Plattform erfreut sich im Consumer-Bereich mittlerweile einer großen Verbreitung und wird iOS als Marktführer sicher schon bald ablösen. Aber die vielen unterschiedlichen Geräte und die Inkonsistenz bei den zahlreichen Betriebssystem-Releases machen aus einem Android so viele Systeme, dass es als echte Apple-Konkurrenz nach Meinung von Forrester im Moment eher ausscheidet.  Dennoch setzt Google der iPad-Dominanz schon jetzt zu, und Amazons Lesegerät Kindle Fire (ebenfalls auf Android-Basis) kratzt ebenfalls am Sockel des Marktführers. Auch im PC-Markt rührt sich was: Hier drängt das Google Chromebook nach, wird aber noch einige Jahre brauchen, um nennenswerte Anteile im Firmenmarkt zu erringen. Unabhängig von den jeweiligen Marktanteilen ist die Geschichte von Apple und Android in der Summe eine Erfolgsgeschichte der Konsumenten. Sie vor allem haben dafür gesorgt, dass diese Geräte nun auch in den Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Und wer heutzutage mit neuen Produkten und Dienstleistungen einen Markt erobern möchte, kommt an den Verbrauchern nicht mehr vorbei. 

Dropbox und Evernote machen es vor

Startups wie Dropbox oder Evernote hätten das erkannt und seien erfolgreich gestartet, schreibt Frank E. Gillet. Kein Wunder daher, wenn der Analyst vorhersagt, dass auch andere Unternehmen diesen Weg über verbraucherfreundliche Produkte gehen werden, um am Ende auch den Firmenmarkt zu erobern. Die wachsende Präsenz von Apple wird aber auch künftig nicht dazu führen, dass Microsoft-Technologien in den Unternehmen vollständig verdrängt werden, heißt es in dem Forrester-Report. Insbesondere werde die Microsoft-Dominanz bei den Office-Suiten anhalten - selbst dann, wenn Windows an Stärke verlieren wird. 

Microsoft-Vorteil: Office auch für andere Plattformen

Hier erweist sich die Politik von Microsoft als richtig, Office auch für andere Plattformen anzubieten. Office für Mac gibt es seit 1984, OneNote als App mittlerweile ebenfalls für iPad und iPhone. Auch wenn hier Alternativprodukte heranreifen - Google Docs etwa oder die iWork-Suite von Apple - werden Anbieter nach wie vor Microsoft Office unterstützen, so Forrester, gerade weil die Suite nun auch konsequent plattformübergreifend (und zusätzlich als Cloud-Ausgabe) angeboten wird. Nicht umsonst hat Microsoft DOC und XLS als Quasi-Standards über Jahrzehnte verankert.  Der Anteil des Apple-Betriebssystems Mac OS werde wachsen, schätzt Forrester, aber auch hier werde Microsoft seinen Platz auf den PCs behaupten. Nimmt man allerdings alle Geräte zusammen, also neben den stationären PCs auch alle mobilen, werde der Windows-Anteil insgesamt auf unter 50 Prozent fallen. 

Support-Schwäche von Apple gleichen Dienstleister aus

Die oft kritisierte Scharte von Apple beim Support ihrer Geräte im Firmengebrauch werde durch Drittanbieter ausgewetzt, meint Gillet. Zwar habe Apple mittlerweile einige Funktionen für den professionellen Gebrauch von iPhone und iPad nachgeliefert. Aber für den richtige Firmensupport seien Unternehmen nach wie vor auf Dritte angewiesen. Wer sich als Dienstleister hier mit professionellen Programmen für Deployment und Support von Apple-Equipment platzieren kann, hat gute Aussichten auf noch bessere Geschäfte.



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