«Cloud leitet neue Ära der Software-Entwicklung ein»

Portfolio-Lücken und Zukunftspläne

CW: Was können die Marktbegleiter aus Ihrer Sicht besser als Adnovum?
Zangerl: Diese Frage haben wir uns im vergangenen Jahr an einem Strategie-Workshop ebenfalls gestellt. Wir haben vier Antworten herausgearbeitet: Weiterentwicklung der heutigen Angebote, Märkte, Innovation und Talente. Auf das Fachkräfteproblem bin ich eben schon kurz eingegangen. Die anderen drei Aspekte lassen sich zusammenfassen in einer Entwicklung, die derzeit am IT-Markt stattfindet: die Produktisierung von Lösungen. Jedes Start-up bietet heute ein fertiges Produkt an, die Hyperscaler mit ihren funktionsreichen Plattformen ebenfalls.
Thomas Zangerl erwägt, mit Adnovum in den südost­asiatischen Raum zu expandieren
Quelle: Gerry Nitsch
Für Adnovum bedeutet das: Unsere Angebote und Dienstleistungen müssen wir zu skalierbaren Offerings weiterentwickeln. Dafür benötigen wir mehr Innovation im eigenen Unternehmen, müssen uns neue Märkte erschliessen – sowohl regional als auch thematisch –, und unsere Lösungen auf eine andere Art und Weise vermarkten. Beispielsweise wollen wir im IAM-Bereich weg von On-Premise-Lösungen hin zu Cloud-basierten Managed Services. Solche und ähnliche Offerings können die Kunden heute teilweise schon bei unseren Marktbegleitern beziehen, bei uns bis anhin aber noch nicht.
CW: Wie hoch ist heute der Anteil der wiederkehrenden Einnahmen am Gesamtumsatz?
Zangerl: Die wiederkehrenden Einnahmen sind heute hauptsächlich Wartungsverträge. Sie steuern allerdings nur einen kleinen Teil zum Umsatz bei. Die meisten Einnahmen stammen aus dem Projektgeschäft.
CW: Können Sie bitte ein Vorbild benennen für die künftige Adnovum?
Zangerl: Mein letzter Arbeitgeber [Netcetera, Anm. d. Red.] hat mit dem «3-D Secure»-Service bewiesen, wie eine Individualentwicklung skaliert werden kann. Die Technologie kommt heute weltweit zum Einsatz. Mit unserem IAM-Offering sind wir nicht weit weg davon, den Beweis ebenfalls antreten zu können.
CW: Welche Pläne hat Adnovum in der Schweiz für die nähere Zukunft?
Zangerl: Zum einen entwickeln wir unsere IAM-Lösungen so weiter, dass wir sie eben als Managed Service anbieten können. Mit dem neuen Offering könnten wir uns dann auch neue Märkte erschliessen – ich denke dabei insbesondere an Deutschland und Österreich, wo das Vertrauen in eine Schweizer Entwicklung weiterhin hoch ist. Allerdings bezahlen die Kunden dafür nicht unbedingt auch die Schweizer Preise. [schmunzelt] Als Managed Service wäre das IAM auch im Ausland zu wettbewerbsfähigen Preisen zu haben.
Grosses Potenzial sehe ich ausserdem im Consulting: Insbesondere kleinteilige Offerings wie ein Cyber Security Assessment, bei denen der Aufwand überschaubar ist, sind sehr gefragt. Diese und andere Beratungsdienstleistungen sollen nun weiterentwickelt werden, um sie einerseits skalierbar zu machen und sie andererseits besser vermarkten zu können.
Zur Person und Firma
Thomas Zangerl ist seit April 2020 CEO des Software-Unternehmens Adnovum. Vor diesem Engagement war er als COO bei Netcetera tätig. Weitere Karrierestationen waren leitende Positionen bei Helsana, IntraWare und Econis. Der Elektroingenieur HTL und Wirtschafts­inge­nieur FH lancierte seine Karriere als Administrator bei Citibank Switzerland.
Adnovum wurde 1988 gegründet. Das Unternehmen ent­wickelt Individual-Software. Weitere Schwerpunkte sind das Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie Security-Beratung. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus den Bereichen ­Finanzdienstleistungen, Behörden und der Logistikbranche. Adnovum beschäftigt heute rund 650 Angestellte am Hauptsitz in Zürich und in den Büros in Bern, Budapest, Ho Chi Minh City, Lausanne, Lissabon und Singapur. www.adnovum.com




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