MWC 2016 24.02.2016, 15:33 Uhr

Die Superstars der Handy-Messe

Einige der Highlights: das Infrarot-Handy S60, die 360-Grad-Panorama-Kamera für zuhause, ein G5-Netz-Geschwindigkeitsrekord und - endlich - preiswerte Smartwatches.
Der Mobile World Congress in Barcelona wird oft als Handy-Messe bezeichnet. Und das ist er, aber noch viel, viel mehr. Nahezu alle grossen Smartphone-Hersteller gehen in der katalanischen Metropole mit ihren neuesten Geräten an den Start. Samsung präsentierte sein neues Galaxy S7/S7 Edge, mit verbesserter Kameratechnik, und rüstet in Sachen Zubehör auf.
Zu sehen waren zum Beispiel zwei aufsetzbare Objektive (ein Weitwinkel und leichtes Tele-Objektiv mit 3x-Zoom), mit denen man die Optik der integrierten Kamera wie bei einer Spiegelreflex erweitern kann, und eine «echte» Tastatur im BlackBerry-Style. Aber sind Blackberry-Tastaturen mittlerweile nicht aus der Mode gekommen?  Bei uns stellte sich ein intensives Retro-Gefühl ein. Wer kauft denn so etwas noch? Offensichtlich will Samsung mit diesen Nischenangeboten auch noch das letzte Quäntchen Verkaufspotenzial ausschöpfen, nachdem die Südkoreaner in den letzten Quartalen mit Umsatz- und Gewinnrückgängen zu kämpfen hatten.

360-Grad-Panorama-Kamera

Der Superstar bei Samsung aber war die Rundum-Kamera Gear 360 mitsamt VR-Brille. Zwei 180-Grad-Fisheye-Objektive liefern einen 360-Grad-Blick und übertragen die Daten drahtlos aufs Samsung Galaxy, das der VR-Brille als Display dient und dort ein­gesteckt werden muss. Die Brille ist also ohne ein Samsung Galaxy nicht benutzbar, soll aber auch nur knapp 100 Euro kosten. Ein typischer Anwendungs-Case, den wir oft gehört haben: Wenn die Grossmutter die Geburtstagsparty ihres Enkels verpasst hat, schaut sie sich später eben den 360-Grad-Panoramafilm an.

Ökologisch: modulare Bauweise

Der neue Superstar von LG ist das neue G5 mit Weitwinkel (bis 136 mm) und der VR-Brille LG 360 (mit Kabel). Die Verkaufsstrategien der beiden Hersteller ähneln sich, beide setzen auf Virtuelle Realität. Wegen der modularen, ökologisch korrekten Bauweise gewann das LG G5 in­offiziell so eine Art Innovationspreis auf dem MWC. Sony ging mit seiner neuen Xperia-X-Serie an den Start, mit einer starken 23-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und einer 13-Megapixel-Knipse vorne. Wegen der guten, scharfen Frontkamera verpasste Sony seinem neuen Xperia den Spitznamen Selfi-Smartphone. Gutes Marketing ist extrem wichtig in Zeiten, wo sich die Angebote der Hersteller gar nicht so signifikant voneinander unterscheiden. Mittlerweile ist Kritik an der 25-Megapixel-Back-Kamera aufgetaucht. Der Autofokus soll nicht so schnell fokussieren, wie der Hersteller verspricht.

Innovativ: Infrarot-Handy S60

Definitiv eine Ausnahme ist die Cat S60 mit Wärmebildkamera von Cat Phone. Das  S60 mit Infrarotlinse ist der Superhero unter den Smartphone-Innovationen. Die wärmsten Stellen werden in Gelb, die kältesten in Bau angezeigt. Selbst Temperaturunterschiede von 0,1 Grad Celsius soll das S60 noch auseinanderhalten können. Damit lassen sich zum Beispiel defekte Stellen an Kühlschränken oder schlecht gedämmte, "undichte" Häuser erkennen - für Profi-Anwender sehr hilfreich.   Das Cat S60 ist robust gebaut und deshalb für den Outdoor-Einsatz besonders geeignet. Es soll sich auch mit nassen Händen oder mit Handschuhen bedienen lassen. Im Inneren werkelt ein Snapdragon 617 Achtkern-Prozessor und ein leistungsstarker Akku mit 3800 mAh. Standardmässig ist das S60 mit 32 GByte ROM und 3 GByte RAM ausgestattet und im Verlauf 2016 für 649 Euro zu haben. Nächste Seite: G5 - und die industrielle Nutzung

G5 – Superstar der Telkos

Viele Smartphone-Anbieter haben ihre neuen Modelle mit VR-Equipment ergänzt. Virtuelle Realität, remote und live, wird sicher der Gaming- Industrie einen riesigen Schub verpassen. Experten rechnen sich aber auch im Bereich Training und Ausbildung grosses Marktpotenzial aus. Mit der Konsequenz: Der Bandbreitenbedarf wird ins Gigantische wachsen. Telkos rund um die Welt bauen deshalb am G5-Netz, mit einer Standardübertragungsrate zwischen 1 und 10 Giga­bit pro Sekunde, und einer Latenz-/Wartezeit von maximal 1 Milli­sekunde. Das G5 wird ein Zero-Latency-Netz sein. Technologieanbieter wie Huawei und die Deutsche Telekom forschen bereits an noch schnelleren Übertragungsraten. In einem Pilotversuch erreichten beide Technologie-Ausrüster eine Geschwindigkeit von 70 Gigabit/s. Eine neue Multirichtstrahltechnologie spielt dabei die Schlüsselrolle.

Zauberwürfel lösen - in 20 Sekunden

Die Industrie erhofft sich jedoch weniger von virtueller, sondern von erweiterter Realität einen Effizienzschub. Ein in die Brille eingebautes Info-Display hilft zum Beispiel Technikern, Wartungsarbeiten schneller auszuführen. Erst melden Sensoren, wenn Maschinenteile auszufallen drohen (Predictive Maintenance). Steigende Betriebstemperaturen, längere Schliesszeiten bei Tramtüren oder Vibrationen können Indizien für einen baldigen Ausfall sein. Dann kommt der Wartungstechniker just-in-time und führt die Reparatur schnellstmöglich durch. Auf dem Stand von Accenture konnten Besucher, derart intelligent angeleitet, Rubiks Zauberwürfel in 40 Sekunden lösen. Der Weltrekord der Profis liegt zwar bei wenigen Sekunden. Anfänger sind mit der Lösung des vertrackten Würfels aber im Allgemeinen überfordert. Der Business Case "Zauberwürfel" zeigt eindrücklich, welche Zeiteinsparungen und Effizienzvorteile erweiterte Realität erzielen kann.

Preiswerte Schweizer Wearables

Der junge Schweizer Smart-Watch-Hersteller MyKronoz präsentierte in Barcelona seine neuen Modelle. Die alteingesessenen, berühmten Schweizer Uhrenmacher rüsten ihre klassische Kollektion mühsam auf "smart" um. MyKronoz macht nur Smartwatches und will bereits  1 Million Wearables in 40 Ländern weltweit verkauft haben. Überzeugend sind die kompetitiven Preise: Das neue Modell ZeRound etwa soll knapp 100 Euro kosten, der Fitness-Tracker ZeFit knapp 40 Euro. Die meisten der Smartwatches von MyKronoz sind mit Android ab Version 43, iOS 8 und Windows Phone 8.1 kompatibel.


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