14.09.2004, 00:00 Uhr

Empörung der SIZ-Genossenschafter

Einige (ehemalige) SIZ-Genossenschafter (Schweizerisches Informatikzertifikat) reagieren mit Empörung auf die Vorgangsweise des alten und neuen SIZ-Geschäftsführers Bruno Gloor und seinen alten und neuen Partnern im Zuge der Substitution der vormaligen Genossenschaft durch die SIZ AG als neue Trägerschaft. Nachfolgend "ohne Kommentar" ein Exzerpt aus einem Schreiben der aufgebrachten (Ex-)Genossenschafter an die übrigen (Ex-)Genossenschafter.
"Mit Brief vom 17. August 2004 wurden wir über den Konkurs unserer Genossenschaft SIZ und die Neugründung einer Auffanggesellschaft durch den Schweizerischen Arbeitgeberverband, den Schweizerischen Gewerbeverband sowie den Swico informiert. Wir haben auf dem Konkursamt Zürich-Riesbach Einsicht in die Konkursakten erhalten und es ist uns einAnliegen, Ihnen mitzuteilen, wie dieser Konkurs wirklich herbeigeführt wurde.
Anfangs August, wenige Tage vor Einreichung der Überschuldungsanzeige beim zuständigen Konkursamt, wurden alle verwertbaren Aktiven an die in Gründung befindende Gesellschaft "SIZ AG" verkauft. Der Verkaufvertrag wurde seitens der Genossenschaft von Frau Davatz und Herrn Cantos unterzeichnet, seitens der SIZ AG (in Gründung) durch Herrn Gloor. Der Kaufvertrag beinhaltet im Wesentlichen folgende Positionen:Die SIZ AG übernimmt von der Genossenschaft SIZ folgende Aktiven und Passiven:?Mobiliar, Einrichtungen und IT-Infrastruktur (Hardware und Software) zum Preis von CHF 50'000.-.?Markenrechte, Genossenschaftsverzeichnis, Expertenverzeichnis, Adresskartei, Prüfungs-Know-How, Prüfungsvorbereitungen etc. zum Preis von CHF 200'000.-.?Die SIZ AG übernimmt Lohnforderungen fürdie festangestellten Mitarbeiter seit 1. Juni 2004, vereinnahmte Krankengelder sowie vorausbezahlte Kursgelder und Doppelzahlungen im Gesamtbetrage von CHF 282'864.80.
Somit besteht nach Abschluss dieser Transaktion eine Forderung der SIZ AG gegenüber der Genossenschaft SIZ von CHF 32'864.80 zu Buche. Der Versuch, die immateriellen Werte der SIZ in der heute schwierigen Situation zu sichern ist lobenswert,der gewählte Weg hingegen ist mehr als fragwürdig. An der Generalversammlung vom 3. Juni 2004 wurde den anwesenden Genossenschaftern seitens der Kontrollstelleversichert, dass die Bewertung der immateriellen Werte (wohlverstanden nur Informatik-Anwenderund Projektleiter) mit CHF 1.465 Mio. marktgerecht sei. Knapp zwei Monate später sind diese Positionen zusammen mit allen Markenrechten und Adressdaten offensichtlich nur noch 200'000 CHF wert. Wir habenam 27. August Herrn Auckenthaler, Leitender Revisor BDO-Visura, diesbezüglich angefragt. Er wusste nichts von diesem Vertrag, war nicht informiert, dass die Genossenschaft SIZ in Konkurs ist und war über den offensichtlich aufgetretenen "Wertverzehr" sehr erstaunt?Die SIZ AG verpflichtet sich, Lohnforderungen zu übernehmen, aber nur solche der festangestellten Mitarbeiter, nicht aber all jener, welche als Prüfungskommissionsmitglieder, Aufgabenautoren und Experten massgeblichzum Erfolg der SIZ-Produkte beigetragen haben. Anhand der im Vertrag genannten Salärzahlenmüssen wir annehmen, dass auch der ansehnliche Lohn des Geschäftsleiters Gloor von CHF 15'000.- für sein 40%-Pensum gesichert ist. Der Verkauf sämtlicher verwertbarer Aktiven der Genossenschaft kommt faktisch einer Liquidation der Gesellschaftgleich. Gemäss Statuten (Art. 37) obliegt dieser Beschluss ausschliesslich der Generalversammlung, also uns Genossenschaftern. Aber wie auch in der Vergangenheit haben wir nur zu nicken?Darf es sein, dass ein Vorstand alle Aktiven an eine eigene Firma "verschenkt" und dann die Bilanz deponiert, weil ja "offensichtlich" nur noch Schulden undkein Vermögen mehr vorhanden ist?
An der Generalversammlung wurden die Vertreter von Swico, Herr Stutz, und Arbeitgeberverband, HerrMeyer, durch die anwesenden Genossenschafter nicht wieder gewählt. Nun sind es exakt diejenigen Personenund Kreise, welchen wir unser Vertrauen entzogen haben, die sich die Werte unserer Genossenschaft sichern. Die kommenden Herbstprüfungen werden Einnahmen in der Höhe von knapp CHF 2.0 Mio. (vgl. Budget 2004) in die Kassen der SIZ AG spülen und damit der SIZ AG auf Kosten zahlreicher Genossenschaftsgläubiger sichere Gewinne einbringen. Bezeichnend ist, dass im Vorstandsprotokoll Nr. 82 vom 2. Juli 2004 explizit aufgeführt ist, dass der Swico bei dieser "Sanierung" nur mitmache, wenn sichergestelltist, dass auf die Prüfungsgebühren dieses Herbstes zugegriffen werden könne.
Die neue SIZ AG ist eine privat kontrollierte Gesellschaft, geführt von jenen Kreisen, welche ihren Pflichten in der Vergangenheit nicht nachgekommen sind und unser Vertrauen nach all den bekannten Vorfällen nicht mehr geniessen. Die SIZ AG ist eine privat kontrollierte Gesellschaft, bei welcher wir als Genossenschafter kein Mitspracherecht haben. Mit leeren Worthülsen wird uns seit vergangenem Frühjahr verstärkte Einbindungund Mitsprache versprochen, zuerst im Rahmen der Genossenschaft, dann im Rahmen der AG. Bei der uns statutarisch zustehenden, tragenden Entscheidungen, der Liquidation unserer Genossenschaft, wurden wir nicht einmal vorgängig informiert. Wir kommen nicht umhin, anzunehmen, dass es dem Vorstand und primär den involvierten Verbänden nie darum gegangen ist, die SIZ Genossenschaft zu retten, so wie uns dies anlässlich der Generalversammlungvom 3. Juni weiss gemacht wurde, sondern dass es geplantes Kalkül war, die erschaffenen Werte der Genossenschaft SIZ auszulösen und dies zu Lasten einer Grosszahl von Gläubigern, meist Kleinunternehmen und Privatpersonen, welche seit Jahren ihre Leistungen an die Genossenschaft tadellos erbracht haben.Unsere Annahme wird durch uns vorliegende Dokumente gestützt, nach denen dem SIZ-Vorstand Ende Juli von dritter Seite ein sofort verfügbares, auf zwei Jahre befristetes Überbrückungsdarlehen überCHF 300'000.- offeriert wurde, um den aktuellen Liquiditätsengpass bis zu den Einnahmen der Prüfungsgebühren Herbst 04 zu überbrücken. Der SIZ-Vorstand hat es nicht einmal für notwendig erachtet, dieses Angebot zu prüfen!
Wir alle möchten, dass die SIZ-Prüfungen weitergeführt werden können, hegen aber grosse Zweifel, ob die heutige Führung der SIZ AG in der Lage ist, diesem Auftrag gerecht zu werden. Bis heute haben wir seitens der Geschäftsleitung lediglich Versprechen und keine Strategien erhalten, welche die Positionierung der SIZ auf dem schwierigen und dynamischen Bildungsmarkt nachhaltig sichert."
Gezeichnet ist dieses Schreiben von Thomas Schmitt, Sven Wenger sowie Jürg Sulger.


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