Blockchain-Versprechen: Decentralized Finance

Fazit & Ausblick

Decentralized Finance stellt bewährte Geschäftsmodelle und -praktiken auf die Probe. Das beachtliche disruptive Potenzial der Blockchain könnte in der Finanzbranche ein massives Stühlerücken auslösen. 
Die DeFi-Gemeinde will ein alternatives Finanzsystem schaffen, das «von unten nach oben» und vollständig dezen­tralisiert aufkeimt: frei von Zensur, mit niedrigen und überschaubaren Gebühren, vollautomatisierungsfähig und ohne Kontrahentenrisiko. Inwiefern dies gelingt, dürfte auch vom Handeln der - wohlgemerkt zentralen - Regulierungsbehörden abhängen.
Beispiele für DeFi-Anwendungen
In der DeFi-Szene wimmelt es von Ideen für innovative Dienstleistungen, die auf völlig neuartigen Geschäftsmodellen auf­bauen. Einige Beispiele:
  • Kreditaufnahme und -vergabe: Plattformen wie Aave unterstützen die direkte P2P-Kreditvergabe ohne institutionelle Intermediäre; mit Features wie Credit Delegation können Aave-Nutzer die eigene Kreditlinie an andere Wirtschaftakteure mit oder ohne hinterlegte Sicherheit ausleihen.
  • Schutz vor Spekulationen: Auf der Kreditplattform Compound, die nach dem Stabelcoin-Prinzip arbeitet, erhalten Teilnehmer algorithmisch festgesetzte Zinsen für ihre hinterlegten Ethereum-Token, während die Plattform eben diese Krypto-Münzen interessierten Kreditnehmern ausleiht, um ihnen die Nutzung der zugehörigen DeFi-Dienste zu ermöglichen.
  • Liquidität: DeFi-Lösungen können aus zuvor ungenutzten, brachliegenden Vermögenswerten die darin «versenkte» Liquidität freisetzen, bedeuten jedoch für die Unternehmen unter Umständen einen Verlust an Kontrolle.
  • Wertschöpfungsquellen: Das Projekt Maker will aus alternativen Vermögensarten neue Werte schöpfen, indem es unter anderem Darlehen durch die Urheberrechte an Musiktiteln absichert.
  • Tokenisierung von Vermögenswerten: Die Verbriefung «blockchainerisierter» Vermögenswerte verspricht die Erschaffung neuer handelsfähiger Finanzinstrumente. Das Berliner Start-up Centrifuge ermöglicht es Unternehmen, Rechnungen oder Lieferscheine zu tokenisieren.
  • KI-gestützte Vermögensverwaltung: Die Tokenisierung von Vermögenswerten erlaubt die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Echtzeitverwaltung der Teilrechte in Blockchain-Ökosystemen.
  • Kunden- und Identitätsmanagement: Das Münchner Start-up IDnow bietet eine Identity-as-a-Service-Plattform zum Überprüfen der Identität von potenziell mehr als 7 Milliarden Menschen in 193 Ländern in Echtzeit. TrueProfile.io hat auf der Basis der AutoIdent-Technologie von IDnow einen Dienst namens True­Identity vorgestellt, der globales Bewerbungsmanagement erleichtern soll.
  • Bezahlsysteme: DeFi-Start-ups haben die Umsetzung von Micropayments und automatischen Zahlungsläufen längst schon gemeistert und können beim Auftreten vorab festgelegter Bedingungen Zahlungsflüsse automatisch auslösen; die optionale Anknüpfung an IoT-Systeme erweitert diese Automatisierung auf Abläufe in der realen Wirtschaft.


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