Blockchain-Versprechen: Decentralized Finance

Fintech-Kooperationen

Eine weitere Studie von PwC unter der Leitung von Sven Meyer, Head of Digital Ecosystem FS bei PwC Deutschland, vom Februar 2020 untersucht das Blockchain-Engagement des deutschen Finanzsektors im Hinblick auf strategische Partnerschaften und kommt zu etwas anderen Erkenntnissen. 
Im Rahmen des «2. PwC FinTech-Kooperationsradars» haben die Analysten 2102 Kooperationen im Detail untersucht, darunter auch solche mit Blockchain-Bezug. Ihr Fazit: Die deutschen Banken geben sich mit ihren bisherigen Investitionen in technologiebasierte Finanz-Start-ups nicht zufrieden, sondern intensivieren sie eher. Und die Komplexität des Fintech-Kooperationsnetzwerks nehme «unaufhaltsam und mit grosser Geschwindigkeit» zu.
Compound, Aave, Balancer, Curve …: Der monatliche Web-Traffic über die führenden DeFi-Protokolle deutet steigendes Interesse an dieser Technologie an.
Quelle: Datenquelle: SimilarWeb/TheBlock, Datenvisualisierung Autoren / Datawrapper
In Zahlen heisst das: Operative Kooperationen (ohne eine Beteiligung der Bafin-regulierten Finanz- oder Versicherungsdienstleister am Technologie-Start-up) dominieren demnach die Branche mit einem Anteil von 63 Prozent an allen Partnerschaften. Finanzielle Kooperationen (mit Direktbeteiligung) machen 31 Prozent aller Partnerschaften aus; die übrigen 6 Prozent entfallen auf «Sonstige Kooperationen», das heisst auf die Zusammenarbeit mit Forschungsorganisationen, Start-up-Hubs, Acceleratoren und Venture-Capital-Gesellschaften mit dem Ziel des Transfers von Technologie oder Know-how. 
Die Studie berücksichtigt nicht nur Kooperationen mit Blockchain-Bezug, sondern beliebige Technologie-Innovationen in Fintechs und Insurtechs. Dennoch macht sie deutlich, dass sich das vermeintliche Fehlen eines Budgetrahmens für Blockchain-Initiativen im deutschen Finanzsektor möglicherweise darauf zurückführen lässt, dass die Unternehmen diese Aktivitäten im Sinn eines vorbildlichen Risikomanagements aus dem operativen Geschäft externalisieren. 
Das bedeutet: Blockchain-Start­ups, Spin-offs und andere Kooperationspartner schöpfen unter Umständen beachtliche Finanzmittel aus Bilanzposten ausserhalb des laufenden Betriebshaushalts führender Finanzinstitute. 
So verdankt etwa der preisgekrönte KMU-Kreditgeber Iwoca Deutschland seine Entstehung unter anderem der Unterstützung durch CommerzVentures, der Wagniskapitalsparte der Commerzbank. Und die Münchner Allianz-Gruppe hat ihrerseits beachtliche Investitionen in DeFi über den eigenen Wagniskapitalableger Allianz X getätigt. Direkte Finanzspritzen haben unter anderem auch die Entstehung von Europas erster «mobiler» Direktbank N26.com ermöglicht, die zwischendurch unter anderem mit Bitcoin Cash experimentiert hat.
Auch deutsche Fintechs haben so während der Corona-Krise eine bemerkenswerte Rolle gespielt. Beispielsweise konnte Iwoca mit seiner im März 2020 vorgestellten Open-Lending-Plattform (www.openlending.com) inmitten der Lockdown-Panik dank unbürokratischer Kreditvergabe zahlreichen Kleinunternehmen in Deutschland und Grossbritannien mit rund 100 Millionen Euro an zusätzlicher Liquidität schnell unter die Arme greifen.


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