Blendle 14.09.2015, 11:59 Uhr

«iTunes für den Journalismus» in der Schweiz gestartet

Eine App will einige der Probleme, welche die Medienbranche seit der Digitalisierung hat, lösen. Seit heute gibt es Blendle auch in der Schweiz, die Verleger scheinen Angst zu haben.
Zeitungen werden heute oft im Internet gelesen, News holt man sich per Whats-App-Push. Die Medienbranche war früher als viele andere Bereiche von der Digitalisierung betroffen und hat es trotzdem nicht geschafft, ihr bisheriges System der Moderne anzupassen. Fast alle Publikationen verloren deshalb in den letzten Jahren massiv an Lesern, die Anzeigekunden sprangen ab. Es gab schon verschiedene Versuche, der Medienbranche einen neuen Anstrich zu verpassen, die meisten erfolglos. Seit heute ist im deutschsprachigen Raum ein Unternehmen am Start, das eine Lösung bieten könnte: Das holländische Start-up Blendle bietet eine App an, in der Geschichten mit einem Mausklick gekauft werden können. Die Idee dahinter ist simpel: Menschen wollen nicht sämtliche Inhalte aus einem Medium beziehen, sondern nur die besten. Beispielsweise eine Reisereportage aus dem Magazin, einen Sportartikel aus der Aargauer Zeitung und eine Finanzanalyse aus der NZZ.  Damit man sich nicht wie bis anhin für diese drei Artikel drei Zeitungen kaufen muss, kann bei Blendle der Artikel einzeln bezahlt werden. Die Artikel kosten zwischen 0.15 Cent und 2 Euro, abhängig von Länge und Qualität. Gefällt der Artikel nicht, erhält der Kunde sein Geld zurück. Hält ein Artikel nicht, was Titel und Lead versprechen, kann der Autor durch den Leser abgemahnt werden. Gibt der Leser pro Ausgabe mehr aus, als die gesamte Ausgabe kosten würde, berechnet Blendle nur den Preis für die Einzelausgabe. Zum Start erhält jeder Nutzer ein Guthaben von 2,50 Euro. Ein Problem löst Blendle aber nicht: Falls der Artikel online ein paar Tage später verfügbar gemacht wird, nervt sich der Leser über jeden Cent, den er investiert hat. Dass Medienhäuser angeben, welche Artikel Paid-Content sind wäre deshalb wünschenswert.
Blendle, das gerne als «iTunes für den Journalismus bezeichnet wird» startete im April 2014 in Holland, ein Jahr später verzeichnete die Plattform 250 000 Mitglieder. Der deutsche Markt ist der erste Expanionsversuch. Blendle hat rund 100 Titel überreden können, beim Start dabei zu sein. Darunter FAZ, SZ, Welt, Spiegel, Stern, 11 Freunde und Neon. Aus der Schweiz sind bisher lediglich die NZZ und das Magazin Reportagen vertreten.  Während sich deutsche Verleger von der neuen App viel erhoffen, scheint in der Schweiz die Skepsis zu berwiegen. Man hat Angst, dass Blendle dereinst an Facebook oder Google verkauft werden könnte, deren Konkurrenz man bereits heute spürt und fürchtet. Fakt ist dennoch, dass auch die Schweizer Medienhäuser sehr unter der Digitalisierung leiden. Verschliessen sie die Augen weiterhin vor Innovationen, werden ihre Probleme kaum kleiner.


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