Swiss IT Conference 06.04.2017, 17:06 Uhr

Die Digitalisierung meistern

An der Swiss IT Conference 2017 von IDC und Computerworld konnten CIO und Branchenvertreter den Stand der Dinge in Sachen digitale Transformation in der Schweiz in Erfahrung bringen.
Wie digital tickt die Schweiz bereits? Schon ziemlich digital, kann als Fazit der Swiss IT Conference 2017 konstatiert werden, die vom Marktforschungsunternehmen IDC und Computerworld in Zürich durchgeführt wurde. Und als wollte man den eigenen Digitalisierungsgrad unter Beweis stellen, konnten die Teilnehmer der Veranstaltung die Konferenz auch auf einer eigens entwickelten App verfolgen, über die unter anderem jeweils die aktuellen Slides der Vortragenden abrufbar waren.

Statistische Untermauerung

Wie es um die Digitalisierung in der Schweiz bestellt ist, hat sodann Matthias Zacher, Research und Consulting-Manager bei IDC, anhand der jngsten Swiss-IT-Studie den gut 120 teilnehmenden CIO und Branchenvertretern präsentiert. «Schweizer Unternehmen bewegen sich langsam aber sicher in Richtung Digitalisierung», konstatiert Zacher nach Auswertung der gut 600 befragten Schweizer IT- und Managementvertreter. Allerdings lehnen sie sich dabei auch nicht allzu weit aus dem Fenster. Denn, nur 35 Prozent der Befragten wollen mit Hilfe der Digitalisierung neue Business-Modelle entwickeln. Bei mehr als 70 Prozent der Befragten stehen dagegen die Steigerung der Effizienz und die Automatisierung der Geschäftsprozesse im Vordergrund. Und dennoch: Dass die Digitalisierung Schweizer Unternehmen künftig kräftig durchschütteln wird, ist den Befragten durchaus bewusst. Immerhin 40 Prozent glauben, dass der Trend schwerwiegende Auswirkungen auf das eigene Unternehmen haben wird. Trotzdem sind viele, nämlich 49 Prozent der Schweizer Firmenvertreter davon überzeugt, dass sie in der Lage sein werden, die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen. Doch eine beachtliche Zahl von 16 Prozent befürchtet, nicht fähig zu sein, die Digitalisierung zu meistern. Zacher zufolge hängt es bei jenen Firmen, die sich noch schwer tun mit der Digitalisierung, davon ab, wie sehr Mitarbeiter, IT-Verantwortliche und Geschäftsleitung bereits bereit sind zur Veränderung. Laut den Untersuchungsergebnissen tue sich die Belegschaft schwer mit den Umwälzungen und es mangle an der entsprechenden Firmenkultur, um die nötigen Schritte zur digitalen Transformation vorzunehmen. Viele Firmen seien daher noch vorsichtig und zögerlich, obwohl bereits das eine oder andere Unternehmen in der Schweiz über einen Chief Digital Officer (CDO) verfüge.

«Gehen Sie das Thema an, haben Sie keine Angst, es kann nicht viel passieren», lautete passend die Aufforderung des nächsten Redners, Frank Reinelt, der als COO Smart Services bei der in Saarbrücken beheimateten Eurodata tätig ist. Nächste Seite: Die Vernetzung macht's

Die Vernetzung macht's

Die Digitalisierung laufe nämlich schon länger, neu sei die Vernetzung der entsprechenden digitalisierten Ressourcen, welche schlussendlich zur vierten industriellen Revolution führen werde, so Reinelt. Dass mit kluger Vernetzung bereits bestehender Dienstleistungen richtig «gescheite» Lösungen entwickelt werden können, zeigte er sodann anhand eines Projektes von Eurodata, bei dem es um die Entwicklung eines digitalen Fahrtenbuches ging. Wie viele Gegenstände hat auch das Fahrtenbuch bereits diverse Digitalisierungsschritte hinter sich, vom Einscannen eines traditionellen Fahrtenbuchformulars über die Erstellung eines Excel-Sheets oder der Entwicklung einer speziellen Fahrtenbuch-Software bis hin zur Verwendung einer Cloud-Lösung samt App fürs Smartphone. Zwar sei das Fahrtenbuch dabei immer ein bisschen «digitaler» geworden, gibt Reinelt zu. «Der Paradigmenwechsel hat allerdings noch nicht stattgefunden», musste er konstatieren. Danach zeigte er anhand der geschickten Vernetzung bestehender Services auf, wie ein «Fahrtenbuch 4.0» auszusehen hat und machte dies gleich an der eigenen Lösung fest. Diese verwendet zum Beispiel Daten der Tankuhr des Autos, um die getankte Menge zu ermitteln, verwertet die GPS-Daten des Fahrzeugs, um den Ort der Tankstelle und die gefahrene Strecke zu ermitteln. Um den Nutzer des Fahrzeugs zu eruieren, wird auf die Ortungsdaten des Smartphones des Fahrers zurückgegriffen. Ob es sich um eine Dienstreise oder um eine private Nutzung des Fahrzeugs handelt, weiss das System anhand des Zeitpunkts und des Orts des gewählten Parkplatzes. «Sie sehen, ich musste nichts Eigenes entwickeln, um das Fahrtenbuch bis hierher zu realisieren, sondern konnte das bestehende digitale Ökosystem nutzen», so Reinelt. Wichtig beim Aufbau von smarten Digitalisierungslösungen sei somit, dass der Nutzer ins Zentrum gestellt werde. Zudem verlören die einzelnen Produkte an Bedeutung und Dienstleistungen ? mit Vorteil aus der Cloud bezogen ? würden wichtiger. «So werden wir in Zukunft weniger Autos kaufen, sondern eher Mobilität als Dienstleistung beziehen», ist Reinelt überzeugt und sieht analog die digitale Zukunft als geschickte Nutzung von sogenannten Smart Services.

Die Cloud zuerst

Die Nutzung der Cloud als treibende Kraft der Digitalisierung war immer wieder Thema an der Swiss IT Conference. Dies zeigte auch das Praxisbeispiel, das Christoph Heidler, Group CIO von SGS, quasi als krönenden Abschluss der Veranstaltung präsentierte. Das weltweit tätige Warenprüf- und Zertifizierungsunternehmen will nämlich im Rahmen seiner «Cloud First»-Strategie ein regelrechtes Cloud-Ökosystem aufbauen, bei dem jeder IT-Dienst, der sich in der Cloud berteiben lässt, auch dort hinwandern soll.


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