26.07.2016, 02:00 Uhr

ERP-Anbieter Sage bastelt an 'Killer-Migrationstool' - partnert mit Salesforce und AWS

Ein automatisiertes Killer-Migrationstool soll der Konkurrenz das Fürchten lehren. Das Softwarehaus Sage verstärkt zusammen mit Salesforce und AWS sein Cloud-Offering. Das ist die Roadmap 2016/17.
Das britische Softwarehaus Sage ist der drittgrösste ERP-Anbieter weltweit - hinter SAP und Oracle. Sage bastelt gerade an einem Killer-Migrationstool, das Kunden den Umstieg von Konkurrenzprodukten auf die Sage-Platform erleichtern soll, liess Jennifer Warawa auf dem Sage Summit in Chicago in einer Nebenbemerkung fallen. Gleichzeitig erweitert der Software-Anbieter sein Partnerprogramm. Der Anteil des Partnergeschäfts soll von aktuell 38 Prozent auf 45 Prozent steigen.
Als der amtierende CEO Stephen Kelly im November 2014 das Steuerruder übernahm, sah es um Sage nicht gut aus. Seit 2010 gingen die Umsätze zurück - von 1,435 auf 1,307 Milliarden (2014) britische Pfund. Der Ökosystem-Experte Kelly begann, seiner Mannschaft konsequent Kundenzentriertheit einzuimpfen, und die Partner zu stärken. "Das war schon immer Teil meiner DNA", so Kelly. Mit Erfolg, 2015 ist der Turnaround geschafft. Sage wächst wieder.

Sage - bei kleinen Kunden gross

Im Gegensatz zu den Platzhirschen SAP und Oracle, denen oft eine gewisse Arroganz gegenüber kleinen Kunden nachgesagt wird, verdient Sage sein Geld mit KMU. Auch in der Schweiz. Der Biz-Anbieter bedient 6,1 Millionen Kunden weltweit, überwiegend mit Lohn-, Gehalts- und Buchhaltungssoftware. Plus ein wenig HR. Bei der Produktentwicklung werden Partner gross geschrieben. Das Cloud-ERP Sage Live haben die Briten vollständig auf der Plattform des Cloud-Pioniers Salesforce gebaut. "Die Mehrheit der Startups sucht nach Lösungen, die zu 100 Prozent aus der Cloud kommen", ist Kelly überzeugt. Auf dem Summit zog er den Vorhang zur Seite und verriet, welche Innovationen für seine Lösungen 2016 und 2017 anstehen.

Smarte Agenten helfen bei Buchhaltung

Sage Live, das sich an die 'K' der KMU wendet, wird mit dem BI- und Reporting-Tool Sage Intelligence (Q1 2017) und mit Salesforce Wave (Q2 2017) komplettiert. Smarte Agenten, so der Ausblick auf die Zukunft, werden die Buchhaltung so einfach machen, wie eine Textnachricht zu versenden. Für kleine Kunden mit knapper Personaldecke, die nicht für alles einen Experten haben, ist das eine wichtige Hilfe.  Nächste Seite: branchenspezifische Templates, Docker, PaaS Sage Live sei ideal für den Handel und Dienstleister geeignet und laufe auf Tablets und Smartphones (iOS und Android), betonte Kelly. Im Laufe des Jahres sollen branchenspezifische Templates für den eCommerce, für Dienstleister und für den Handel (Retail) hinzukommen. Mitarbeiter eines Unternehmens werden im Self-Service-Verfahren auf ihrem Mobile zum Beispiel ihre Gehaltsabrechnung abrufen können. Beim grösseren Sage X3 für den gehobenen Mittelstand stehen 2017 die Integration von Docker-Containern und Salesforce Lightening auf der Agenda. Die Zeichen stehen auf Cloud. Salesforce Lightening ist eine App-Entwicklungsplattform aus der Cloud (PaaS), mit der Kunden ihr ERP 'individualisieren' können.

Enge Partnerschaft mit AWS und Salesforce

In Sachen Docker-Containern setzt Sage auf das Container-Management des Cloud-Partners Amazon Web Services (AWS). Container gelten als App-Schlüsseltechnologie, mit der sich neue Services sehr schnell provisionieren lassen. Beide Angebote sind ein Indiz dafür, wie eng die Zusammenarbeit mit den Partnern Salesforce und AWS mittlerweile gediehen ist. Nächste Seite: Neue Preismodelle für Cloud-Software

Neue Preismodelle für die Cloud

AWS und Sage bieten auf ihren Cloud-Marktplätzen Business-Software im Mietmodell an. Die Kosten orientieren sich am Verbrauch, in der Regel am Nutzungszeitraum und der Anzahl der Anwender. AWS stellte in einer Partner-Keynote auf dem Sage Summit einen neuen 'Metering Service' vor, der das Beschaffungsmodell Cloud verfeinert, der den Verbrauch von Software genauer misst: nach Anzahl User, Bandbreite, Hosts, Daten-Anfragen und Zeit. Damit werden sich für Cloud-Software-Anbieter ganz neue Preismodelle eröffnen, glaubt AWS.

Ja - die 'Integration Cloud'

In Aussicht stellte Sage ausserdem seine neue 'Integration Cloud'. Die Plattform schlägt die Brücke zwischen unterschiedlichen Cloud-Lösungen, und deren Kern-Applikationen. Die Integrationscloud soll sehr schnell Lohn-/Gehalts-Apps und Zahlungen der ERPs Sage One, Sage X3, Sage Live und Sage 50 miteinander verbinden können. Eine Entwickler-Website für anspruchsvollere Projekte soll die Integration Cloud noch in diesem Jahr komplettieren.  Sage wolle seine Kunden zu keiner Migration zwingen, betonte CEO Kelly. Wächst ein Kunde, dann könnte die 'Integration Cloud' das Mittel der Wahl sein, das eigene ERP durch 'fremde' Komponenten anderer Lösungen zweckentsprechend zu ergänzen. Wünschenswert wäre eine solche Integrationsoption auch für die Lösungskomponenten anderer Hersteller.


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