Verschlankung beim Konzern 01.04.2019, 11:17 Uhr

Ruag zieht sich aus dem Cybersecurity-Business zurück

Bei der Ruag kommt es zu grossen Veränderungen. Der Rüstungskonzern soll entflechtet und teilweise privatisiert werden. Dabei wird sich die Firma auch vom Cybersecurity-Geschäft trennen, das in der Vergangenheit viel kostete aber nur wenig Geld einbrachte.
(Quelle: Ruag )
Beim Rüstungskonzern Ruag werden die Geschäfte neu sortiert. So hat der Bundesrat beschlossen, die für die Schweizer Armee tätigen Geschäftseinheiten von den internationalen Bereichen zu trennen. Letztere sollen mittelfristig privatisiert werden. Mit der Entflechtung werden bei der Ruag auch die Informatiksysteme der beiden Einheiten aufgeteilt.
Nun zeichnet sich ab, dass sich der Rüstungskonzern im Zuge der Umstrukturierungen aus dem Cybersecurity-Business zurückziehen will, in das die Ruag vor einigen Jahren eingestiegen ist. Wie CEO Urs Breitmeier an der Bilanzmedienkonferenz von vergangener Woche erklärte, investierte die Ruag insgesamt rund 100 Millionen Franken in die Cyber-Strategie – inklusive der Übernahme der britischen Cybersecurity-Firma Clearswift.

Missglückte Projekte

Das Unternehmen habe ursprünglich damit gerechnet, dass man durch das Engagement im boomenden Security-Markt bis 2020 die 100 Millionen wieder in die Firmenkasse zurückholen könne, berichtete der «Tages Anzeiger». Der Ertrag aus dem Geschäft lag im Jahr 2017 aber offenbar lediglich bei 7,5 Millionen Franken. Die Zeitung schreibt in diesem Zusammenhang von «einer chaotischen Organisation der Cyberabteilung und unrealistischen Zielvorgaben».
Seinen Beitrag dazu geleistet habe der «Ruag Traffic Analyzer» (RTA), eine Lösung zur automatischen Erkennung Hackern, die sich in Firmennetzen einnisteten. Der RTA stellte sich in der Praxis dem Bericht zufolge als Flop heraus. Die Swisscom habe die Lösung zwar getestet, die Übung dann allerdings abgebrochen, weil die Lösung «zu komplex» gewesen sei. Sogar im eigenen Netzwerk der Ruag versagte der RTA. Denn die Lösung sei zumindest teilweise während dieser Zeit beim Konzern eingesetzt worden, als man selbst Opfer eines Hackerangriffs wurde und dies längere Zeit nicht bemerkte.
Wenig erfolgreich sei auch die «Cyber Training Range» der Ruag gewesen, die etwa für Banken oder Energiekonzerne als Schulungszentrum für die Abwehr von Cyberangriffen hätte dienen sollen. Aufgrund der ausbleibenden Nachfrage habe die Ruag für dieses Projekt 2017 über eine Million Franken abgeschrieben.

Ruag will Clearswift abstossen

Wie Remo Lütolf, Verwaltungsratspräsident der Ruag Holding, in einem Interview mit der «NZZ» erklärte, peilt der Konzern als Termin zur erfolgreichen Entflechtung den ersten Januar 2020 an. Später solle dann die Ruag International zur Privatisierung aufgefrischt werden. «Wir müssen vom heutigen Konglomerat zu einem schlanken, fokussierten Konzern kommen», sagte er hierzu. Clearswift soll nun vorübergehend bei Ruag International untergebracht werden. Die Firma will man dann jedoch so schnell wie möglich loswerden. Denn sie passe nicht mehr zur Subholding, die sich neu als Aerospace-Konzern positionieren wolle, heisst es. Gemäss Lütolf könnte der Verkauf noch dieses Jahr über die Bühne gehen. Dadurch würde zumindest ein Teil der ursprünglichen Investitionen wieder in die Kassen der Ruag zurückfliessen.


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