Gastbeitrag 15.09.2023, 09:30 Uhr

Die digitale Disruption bewältigen

Die digitale Transformation verändert Geschäftsmodelle und Kundenbeziehungen tiefgreifend. Mit einem Transformations-Framework und emotionaler Führung bekommen die Unternehmen die Dynamik und Komplexität dieser Entwicklungen in den Griff.
Das Transformations-Framework zeigt die sechs zukunftsweisenden Themenfelder, die Unternehmen systematisch angehen müssen – von Digital-Strategie bis Digital-Funktionen.
(Quelle: swissICT)
Die digitale Disruption transformiert Unternehmen und Branchen, indem innovative Technologien neue Kundenverhalten und Bedürfnisse erzeugen und alte Geschäftsmuster verdrängen. Künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Blockchain, Cloud- und Quantum-Computing verbinden sich und eröffnen neue Möglichkeiten mit exponentieller Wirkung. Um die Konvergenz und zunehmende Dynamik, Komplexität und Unsicherheit in den Griff zu bekommen, brauchen Unternehmen ein Transformations-Framework und emotionale Führung.
Seit über einem Jahrzehnt werden im Rahmen der digitalen Transformation Artefakte wie Rechnungen oder Bedienungsanleitungen digitalisiert, Prozesse optimiert und neue Geschäftsmodelle entwickelt. Es geht darum, digitale Lösungen zu nutzen, um Effizienz, Agilität und Kundenerfahrung zu verbessern und neue Wachstumschancen zu erschliessen. Die digitale Disruption geht noch einen Schritt weiter – sie verbessert nicht nur Bestehendes, sondern ersetzt Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle oder sogar ganze Unternehmen. Der Harvard-Professor Clayton Christensen prägte 1995 den Begriff digitale Disruption und meinte damit eine Innovation, die den Markt durch den Einsatz neuer Technologien, Produkte oder Dienstleistungen grundlegend verändert und etablierte Unternehmen sowie deren Geschäftsmodelle ablösen kann.

Treiber für Wandel und Wachstum

Eine effiziente Datenanalyse durch Nutzung von KI, Open Innovation für die organisationsübergreifende Entwicklung von Produkten und digitale Ökosysteme für die branchenübergreifende Integration von Services sind eminent wichtig für den Erfolg im digitalen Paradigma. Etliche Unternehmen haben das verstanden und befinden sich im Anpassungsprozess, der oft eine Neuausrichtung der Unternehmenskultur und die Schaffung einer agilen, innovationsfreundlichen Umgebung erfordert. Diese Adaption betrifft nicht nur grosse und international vernetzte Unternehmen, sondern auch KMU. Mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen haben sie die Möglichkeit, neue Geschäftsbereiche zu erschliessen und ihre Wertschöpfung zu steigern. So bleiben Schweizer Unternehmen Innovationsweltmeister und international konkurrenzfähig.
Dieser Wandel betrifft auch die Gesellschaft. Digitale Disruption verändert, wie wir arbeiten, konsumieren und leben. Auswirkungen auf das Bildungswesen, die Gesundheitsversorgung oder auch die Energiewirtschaft sind vielschichtig und tiefgreifend. Neue Arbeitsmodelle wie Remote-Arbeit und Gig-Economy sind bereits Realität. Es ist von entscheidender Bedeutung, sich den Veränderungen anzupassen und die Chancen zu nutzen. Eine der grössten Herausforderungen dabei ist es, die zunehmende Dynamik, Komplexität und Unsicherheit zu bewältigen. Dazu braucht es Modelle und neue Führungskompetenzen.
“Digitale Disruption beinhaltet die Ablösung traditioneller Ansätze, Prozesse und Produkte durch innovative digitale Lösungen und führt zu einer Neuausrichtung der Wertschöpfung und einem veränderten Kundenverhalten.„
Daniel Fasnacht

Das Transformations-Framework

Eine steigende Vielfalt und Komplexität von Einflüssen – seien es Kundenbedürfnisse, politische und soziale Krisen oder auch makro-ökonomische Entwicklungen – stehen zunehmenden Möglichkeiten zur Gestaltung eines digitalen Zielbildes gegenüber. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld. Um den Überblick zu behalten, Risiken zu eliminieren und Chancen nicht zu verpassen, empfehlen wir Organisationen, die digitale Disruption mit einem kybernetischen Lösungsansatz anzugehen. Das Transformations-Framework (siehe Abbildung) gibt eine strategische Übersicht und kann individuell angepasst werden.
Für eine zukunftsweisende Geschäftsentwicklung gilt es, innerbetrieblich sechs Themenfelder systematisch anzugehen. Wechselwirkungen und Synergien zwischen ihnen müssen erkannt und gezielt genutzt werden. Neben der inhaltlichen Ausgestaltung ist die Wahl einer effektiven, agilen Zielerreichungsmethode besonders wichtig.

Fit für die Zukunft

Das Transformations-Framework fördert eine positive und unterstützende Innovations- und Arbeitskultur und gibt eine Struktur vor, ohne die Unternehmen die digitale Disruption nicht verorten können. Je technologischer Arbeit wird, desto mehr sollte bewusst auf soziale Aspekte eingegangen werden. Führungskräfte, die empathisch sind, verstehen die Bedürfnisse, Sorgen und Perspektiven ihrer Mitarbeitenden zu Veränderung und Disruption besser. Das ermöglicht es ihnen, angemessen zu reagieren, Unterstützung zu bieten und motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Empathie trägt auch zur Förderung von Vertrauen und Zusammenarbeit bei, was die Produktivität und das Engagement der Mitarbeitenden steigern.
Emotionale Intelligenz ist wichtig, um effektiv mit Kunden und anderen externen Interessengruppen zu interagieren. Kunden erwarten zunehmend personalisierte und emotional ansprechende Erlebnisse. Eine Führungskultur, die sich durch hohe emotionale Intelligenz auszeichnet, kann diese Erwartungen besser erfüllen. Denn nur wer auf Kundenbedürfnisse eingeht und empathisch reagiert, wird in einer hyperindividualisierten Welt das Rennen machen. Unternehmen, die ausschliesslich auf die Digitalisierung fokussieren, werden nicht in der Lage sein, nachhaltige Kundenerlebnisse zu schaffen.

Fazit und Ausblick

In einer Welt der ständigen Veränderung braucht es Werkzeuge, um den Herausforderungen der digitalen Disruption gerecht zu werden. Das Transformations-Framework dient als Orientierungsrahmen, indem es externe Einflüsse mit den entscheidenden internen Unternehmensbereichen verknüpft. Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Wirksamkeit des Frameworks ist die Etablierung einer emotionalen Führungskultur. Dies fördert nicht nur Produktivität, Engagement und Zufriedenheit der Mitarbeiter, sondern spiegelt sich auch in einem erstklassigen Kundendienst wider. Innovation und Mehrwert für den Kunden sind unzertrennlich und gedeihen am besten in einem positiven Arbeitsklima, in dem über Organisationsgrenzen hinweg systematisch zusammengearbeitet wird. Unternehmen können so die Chancen der digitalen Disruption ausschöpfen und sich optimal auf die Zukunft vorbereiten.
Die Autoren
v.o.n.u., Dr. Daniel Fasnacht, Andri Fabig
swissICT
Dr. Daniel Fasnacht ist Fellow und Program Director an der Universität Zürich und Dozent der Kalaidos Fachhochschule. Er ist CEO von EcosystemPartners AG und beschäftigt sich mit dem Einfluss von Trends auf Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
Andri Fabig leitet das Sales Consulting des Cloud-Unternehmens UMB, ist Innovations­exper­te beim Verband SwissICT und Mentor bei der Kader-Organisation Swiss Leaders.



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