20.08.2013, 16:06 Uhr

Visuelle BI-Designer von SAP und Oracle

IT-Anwender wollen benutzerfreundliche Werkzeuge. Endlich reagieren auch die grossen Konzerne: Alles Wichtige über SAPs superfreundliche Designsprache Lava und Oracles mobilen App-Designer.
Die IT-Anwender übernehmen die Macht und sagen den grossen Konzernen, wie ihre Programme auszusehen haben. Auch das ist eine Folge des Mega-Trends Konsumerisierung: Grosse Software-Konzerne wie SAP und Oracle bringen benutzerfreundliche Business-Intelligence-Tools auf den Markt, oder arbeiten daran. Darauf haben wir lange gewartet. Business Intelligence etwa, die entscheidungsunterstützende Analyse von Daten und Fakten, soll nicht mehr nur den IT-Experten vorbehalten bleiben. Auch die Mitarbeiter in den Fachabteilungen sollen damit, ohne den Umweg über die IT, bessere Entscheidungen fällen. SAP zum Beispiel ist dabei, seiner BI-Suite Business Objects ein visuelles Facelifting zu verpassen. Kernbestandteil ist die neue Design-Sprache Lava (für: lightweighed applied visual analytics), die SAP-Co-Gründer Hasso Plattner in Palo Alto ausgebrütet hat. Einge der Neuerungen, an denen SAP gerade arbeitet, klingen sehr spannend. BI-Director Anita Gibbings spricht in ihrem Blog von "analytischen Applikationen mit klarem, minimalistischen Display, die auf überflüssigen Schnickschnack verzichten und sich klar auf die Daten konzentrieren". Solche Apps sind wie geschaffen für den Einsatz auf mobilen Geräten.

SAPs Design-Sprache Lava

Die Design-Sprache Lava besteht laut Gibbings aus fünf Elementen. Lava führt zum Beispiel sogenannte "Mini-Charts" in die mobile Business Analytics ein. "Stellen Sie sich das als Chart Tweeds vor", schreibt Gibbings in ihrem Blog. Ein weiteres Konzept nennt sich "channels", einfache Container für etwas anspruchsvollere Punkt- und Balkengrafiken. Noch ein wenig komplexer sind die sogenannten "lattices" (dt. Gitter), das sind Grafiken, die der Anwender filtern und manipulieren kann. Mit der Komponente "Sn@p Navigation" schliesslich sollen die BI-Anwender mithilfe visueller Werkzeuge komplexe "analytische Kollektionen" (fluid creation and curation of visual analytics environments and collections) erarbeiten können, so Gibbings.

Schwächen bei Big Data

Die Frage ist natürlich, wie sich die Lava-Komponenten in der Praxis bewähren und wann SAP sie in seine BI-Suite Business Objects integriert. SAP habe sich für seine Analytics-Werkzeuge ein schlankes Design (lean appearance) zum Prinzip gemacht, bekräftigt Gibbings. Weitere Details würden in etwa einem Monat, unter anderem auf SAPs Business Objects User Group Conference, folgen. "Business Objects ist sehr mächtig im Visualisieren von Daten", sagt SAP-Mentor Greg Myers. "Noch nicht so gut sind wir im Visualisieren von sehr grossen Datenmengen", gibt er zu. An dieser Stelle kämen SAPs In-Memory-Appliance Hana und die Design-Sprache Lava ins Spiel. Nächste Seite: Oracles neuer mobile App Designer

Oracles mobile App Designer/HTML 5

SAP geht punkto Business Intelligence in die Offensive. Aber auch Konkurrent Oracle legt sich nicht auf die faule Haut und machte Anfang der Woche mit einem neuen Self-Service-BI-Werkzeug auf sich aufmerksam. Konkret handelt es sich um einen sogenannten "BI Mobile App Designer", der im Browser läuft und per Click&Drag& Drop bedient werden kann. Anwender bauen damit mobile analytische Apps, die Grafiken, Tabellen und weitere Datenobjekte enthalten. Da der App Designer HTML-5-Code generiert. laufen die entwickelten Apps auf Apple iOS, Android und Windows mobile. Anwender können ihre Apps über eine App-Katalog miteinander teilen. Oracle positioniert das neue Werkzeug als Self-Service-Tool, das heisst sehr benutzerfreundlich und intuitiv bedienbar.

Kein Schwarz-Weiss-Problem

Unter "benutzerfreundlich" und "intuitiv bedienbar" verstehe jeder etwas anderes, das seien sehr subjektive Eigenschaften, warnt jedoch Forrester-Analyst Boris Evelson in seinem Report über Self-Service-BI. Self-Service sei keine Schwarz-oder-Weiss-Sache, es gebe viele Graustufen dazwischen, meint Evelson und führt weiter aus: Eine Drag&Drop-Oberfläche sei das Paradies für einen IT-Professional, der seine Karriere mit Lochkarten und grün leuchtenden Befehlsprompt-Terminals begonnen habe. Ein jüngerer IT-Anwender aber, der an die Bedienung von Google und Facebook gewöhnt sei, stelle sich unter Benutzerfreundlichkeit etwas ganz anderes vor und habe viel höhere Ansprüche. Oracles mobiler App Designer ist Bestandteil der Oracle Business Intelligence Foundation Suite, die stolze 300.000 US-Dollar pro Prozessor-Lizenz kostet. Der Designer ist ausserdem, laut Oracle, in der BI mobile Option der BI BUsiness Enterprise Edition enthalten.


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