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Widerstand gegen neuen Teilchenbeschleuniger in Genf wächst

Gegen die Pläne für einen neuen Teilchenbeschleuniger am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf formiert sich Widerstand. Während die Machbarkeitsstudie für die Anlage noch läuft, warnen Umweltverbände vor den Auswirkungen des gigantischen Bauwerks.
© (Quelle: CERN)

«Der Bau des Tunnels wird den Aushub einer Menge an Schutt erfordern, die dem Volumen von drei Cheops-Pyramiden entspricht, für die es keine Verwendung gibt», sagte Jean-Bernard Billeter von der Nichtregierungsorganisation Noé21 an einer öffentlichen Debatte zum neuen Teilchenbeschleuniger. Dies werde auch den Verkehr von Tausenden von Lastwagen verursachen. Die Debatte am Samstagabend in Collonge-Bellerive GE wurde von CO-CERNés Schweiz organisiert, einem Kollektiv von Umweltverbänden.

Der «Future Circular Collider» genannte Teilchenbeschleuniger soll den bisher grössten Teilchenbeschleuniger, den Large Hadron Collider (LHC), ersetzen, der 2008 in Betrieb genommen wurde. Das 2014 lancierte Projekt sieht den Bau eines 91,5 Kilometer langen Rings in 200 Metern Tiefe unter der Schweiz und Frankreich vor. Damit würde die Grösse der bisherigen Anlage verdreifacht.

Forscherinnen und Forscher wollen damit die Bedingungen wiederherstellen, die unmittelbar nach dem Urknall herrschten, wie der Cern-Sprecher Arnaud Marsollier erklärte. Das Cern macht dem Sprecher zufolge damit Grundlagenforschung, die Innovationen im Dienste der Gesellschaft ermöglichen.

Viel Stromverbrauch

Um den Vor-Urknall-Zustand zu erreichen, werde der Teilchenbeschleuniger aber langfristig so viel Strom verbrauchen wie eine Stadt mit 700'000 Einwohnern, kritisierte Billeter. Auch mögliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Natur wurden angeprangert. So werde die geplante Ausfahrt in Genf zwei landwirtschaftliche Flächen sowie Waldgebiete in der Nähe eines Naturschutzgebiets von nationaler Bedeutung beanspruchen.

Zudem zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der öffentlichen Debatte besorgt über ein mögliches Erdbebenrisiko oder eine Beeinträchtigung des Grundwassers. Auf beiden Seiten der Grenze werden derzeit Sondierungsbohrungen durchgeführt, um den Untergrund zu kartieren.

Entscheidung im Jahr 2028

Die laufende Machbarkeitsstudie für den Teilchenbeschleuniger soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Darin sollen die Kosten und Risiken des Projekts aufgezeigt werden. Eine Entscheidung über den Bau der neuen Anlage ist frühstens für das Jahr 2028 zu erwarten. Fällen wird den Entscheid der Cern-Rat, in dem Vertreter der 23 Mitgliedsstaaten des Cern vertreten sind.

Die Einwohnerinnen und Einwohner in der Schweiz und in Frankreich werden hingegen kein Mitspracherecht haben. In der Schweiz ist der Bund auf Antrag der Genfer Regierung allein für den Genehmigungsprozess verantwortlich.

Die Rettung der Gegner könnte von den Mitgliedstaaten kommen. So hat das deutsche Forschungsministerium etwa bereits erklärt, es könne keine zusätzlichen Mittel für den FCC aufbringen.

 Ausserdem will auch China einen ähnlichen Beschleuniger bauen. «Wenn die Chinesen voranschreiten, glaubt niemand, dass es zwei solche Projekte geben wird», sagte Cern-Sprecher Marsollier dazu.

Forschung Politik Wissenschaft
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