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Lesedauer 4 Min.

Ein Drittel zahlt für KI im Smartphone

38 Prozent nutzen regelmässig KI-Funktionen auf ihrem Smartphone. 33 Prozent wären bereit, dafür mehr zu zahlen. Gleichzeitig steigen die Durchschnittspreise und die Geräte bleiben länger im Einsatz.
KI und Smartphone

KI-Funktionen wie Fotobearbeitung, Textvorschläge oder Chatbots gehören für viele Smartphone-Nutzer inzwischen zum Alltag.

© shutterstock / Rido

Künstliche Intelligenz entwickelt sich im Smartphone-Markt vom Zusatzfeature zum kaufentscheidenden Argument. Laut einer aktuellen Erhebung des Bitkom nutzt mehr als ein Drittel der Smartphone-Anwender in Deutschland regelmässig KI-Funktionen auf dem eigenen Gerät. Besonders ausgeprägt ist die Nutzung bei den unter 30-Jährigen: Hier liegt der Anteil bei 54 Prozent.

Noch relevanter für Hersteller, Netzbetreiber und Handel ist die Zahlungsbereitschaft. 33 Prozent der Befragten geben an, für umfangreiche KI-Funktionen einen Aufpreis zahlen zu wollen. KI wird damit nicht nur zum Image-Thema, sondern zum möglichen Erlöshebel.

KI wird zum Verkaufsargument

KI-Anwendungen sind auf modernen Smartphones längst in verschiedenen Bereichen integriert. 64 Prozent der Nutzer haben bereits Sprachassistenten verwendet, 56 Prozent nutzen Chatbots auf dem Gerät. 42 Prozent greifen auf KI-gestützte Fotobearbeitung zurück, etwa um störende Objekte aus Bildern zu entfernen. Auch automatische Textvorschläge oder Zusammenfassungen gehören für viele inzwischen zum Alltag.

Auffällig ist allerdings: 53 Prozent wissen nicht genau, an welchen Stellen KI konkret im Smartphone arbeitet. Viele Funktionen laufen im Hintergrund und werden nicht als eigenständige Innovation wahrgenommen. Für den Handel bedeutet das, dass der Mehrwert erklärungsbedürftig bleibt. KI muss im Verkaufsgespräch greifbar gemacht werden, etwa über konkrete Anwendungsszenarien.

© Bitkom

Durchschnittspreise steigen – Erwartungen auch

Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Smartphone steigt 2026 auf 646 Euro, nach 627 Euro im Vorjahr. Gleichzeitig geben Verbraucher an, für ihr nächstes Gerät im Schnitt rund 300 Euro ausgeben zu wollen. Die Diskrepanz zeigt, dass höherwertige Modelle weiterhin stark nachgefragt werden, insbesondere in Kombination mit Mobilfunkverträgen.

Neben dem Preis spielen funktionale Kriterien eine zentrale Rolle. 97 Prozent halten ein robustes Display für wichtig, 92 Prozent achten auf Nachhaltigkeit, 82 Prozent auf Reparierbarkeit. Akkulaufzeit und Speicherplatz werden von jeweils 92 Prozent als kaufrelevant genannt, die Kameraqualität von 88 Prozent. KI-Funktionen sind für 68 Prozent ein relevantes Kaufkriterium – sie rücken damit in die Nähe klassischer Leistungsmerkmale.

Austauschzyklen verlängern sich

Parallel dazu verlängert sich die Nutzungsdauer deutlich. Nur noch 32 Prozent verwenden ein Smartphone, das höchstens ein Jahr alt ist. Im Durchschnitt ist ein privat genutztes Gerät inzwischen 25 Monate im Einsatz. 45 Prozent nutzen ihr Smartphone länger als zwei Jahre.

Für den Handel bedeutet das eine strukturelle Veränderung. Der schnelle Gerätewechsel wird seltener, Ersatzkäufe orientieren sich stärker an Defekten, Akkuverschleiss oder auslaufendem Software-Support. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Serviceleistungen wie Reparatur, Garantieverlängerung oder Datentransfer.

Robustheit und Update-Fähigkeit werden damit nicht nur technische Eigenschaften, sondern verkaufsrelevante Argumente.

Markt stabil, Ökosystem wächst

Das gesamte Smartphone-Ökosystem – bestehend aus Geräten, Apps, Mobilfunkdiensten und Netzinfrastruktur – wächst 2026 leicht auf 40,6 Milliarden Euro. Während der Umsatz mit Smartphones selbst leicht rückläufig ist, legen Apps sowie Investitionen in die Netzinfrastruktur zu. Daten- und Sprachdienste bleiben der grösste Umsatzposten.

Bei der Wahl des Mobilfunkanbieters steht weiterhin die Netzqualität im Vordergrund. 96 Prozent legen Wert auf guten Empfang am Wohnort, 94 Prozent auf hohe Netzabdeckung, 91 Prozent auf schnelle Datenverbindungen. Preis und Marke spielen zwar eine Rolle, rangieren aber hinter der wahrgenommenen Netzleistung.

Zwischen Komfort und Abhängigkeit

Die hohe Verbreitung zeigt, dass das Smartphone für viele Menschen zur zentralen digitalen Schnittstelle geworden ist. 87 Prozent können sich ein Leben ohne das Gerät nicht mehr vorstellen. Gleichzeitig berichten 60 Prozent von Unruhe, wenn sie längere Zeit keinen Zugriff haben. Der technologische Fortschritt geht also mit einer wachsenden Abhängigkeit einher.

Für Hersteller und Handel bleibt entscheidend, ob KI-Funktionen dauerhaft als klarer Mehrwert wahrgenommen werden oder lediglich als selbstverständlich integrierte Softwarebestandteile gelten. Die Zahlungsbereitschaft von einem Drittel der Nutzer deutet darauf hin, dass hier Potenzial vorhanden ist. Ob es ausgeschöpft wird, hängt von der konkreten Ausgestaltung und Vermarktung ab.

Die vollständige Präsentation des Bitkom zum deutschen Smartphone-Markt 2026 mit allen Charts steht hier zum Download bereit.

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