Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Wirtschaftsverbände reagieren besonnen auf US-Zölle

Mit pauschalen Importzöllen von 31 Prozent auf fast alle Produkte aus der Schweiz hat US-Präsident Donald Trump die Schweizer Wirtschaft und auch deren Branchenverbände aufgerüttelt.
© (Quelle: shutterstock.com/ JStone)

Diese fordern nun Nachverhandlungen durch den Bundesrat, sprechen sich aber klar gegen Vergeltungsmassnahmen aus.

Besonders stark wird die exportorientierte Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) von den Zöllen betroffen sein. Der Verband Swissmem bezeichnete die Höhe der Zölle als «unverständlich» und kann auch die Berechnung «nicht nachvollziehen».

Die Auswirkungen für die MEM-Industrie könnten gross sein, denn immerhin gehen jährlich Waren im Gesamtwert von rund 10 Milliarden Franken in die USA. Diese Exporte könnten im zweistelligen Bereich zurückgehen, sollten die Zölle auf diesem Niveau bleiben, sagte Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor und Leiter Wirtschaftspolitik von Swissmem, gegenüber Medien.

Wettbewerbsnachteil gegenüber der EU

Eine Verlagerung der Produktion in die USA, wie von Trump gefordert, sei für viele Firmen kein Option, sagte Kohl weiter. Vor allem viele kleine KMUs würden den Weltmarkt einzig mit einer Fertigung aus der Schweiz heraus bedienen und könnten nicht einfach ausweichen.

Da die Zölle gegen die EU nur bei 20 Prozent liegen, ergebe sich für Schweizer Unternehmen auch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Dies sei insbesondere der Fall, weil viel der grössten Wettbewerber in der Industrie in der EU ansässig sind.

Kühler Kopf gefragt

«Unseren Mitgliedsfirmen empfehlen wir, eine gewisse Nüchternheit zu bewahren», sagte Kohl weiter. Die Firmen sollten zunächst die Zölle genau analysieren und auch das Gespräch mit den Kunden in den USA suchen. Da die Entscheidungen der US-Regierung oft «volatil» seien, sei Aktivismus fehl am Platz.

Auch die Uhrenbranche rechnet mit deutlichen Auswirkungen. Der Uhrenverbandspräsident Yves Bugmann bezeichnete die Zölle gegenüber AWP als «ungerechtfertigt.» Die Schweizer Uhrenindustrie sei es sich als sehr exportorientierte Branche allerdings gewohnt, auf den verschiedenen Märkten immer wieder «solchen Schwierigkeiten» ausgesetzt zu sein, zeigte er sich optimistisch.

Pharma bisher noch ausgenommen

Etwas differenzierter ist die Situation der Firmen des Branchenverbandes Scienceindustries. Die Pharma-Industrie als wichtigste Exportbranche der Schweiz ist zumindest vorerst nicht von Zöllen betroffen, entsprechend geben sich die Firmen (noch) gelassen.

Andere Bereiche wie Chemie und Diagnostika seien hingegen direkt von den neuen Massnahmen erfasst, schreibt der Verband und warnt dabei vor möglichen Auswirkungen auf internationale Lieferketten, Handelsströme und den Zugang zu essenziellen medizinischen Produkten.

Keine grossen Auswirkungen erwartet dagegen der ICT-Sektor. «Der IT-Markt in der Schweiz ist grossmehrheitlich ein Binnenmarkt, der nicht auf den Export fokussiert ist», teilte der Verband SwissICT auf Anfrage mit. Und auch für den Bauernverband wäre ein Verlust des US-Markts zwar «schmerzhaft, aber nicht existenzbedrohend», wie er in einer Mitteilung schreibt.

Bundesrat soll direkt verhandeln

Die Verbände fordern den Bundesrat nun zum Handeln auf. Jetzt sei «Handelsdiplomatie statt Wehklagen» gefragt, scheibt der Gewerbeverband. Laut Swissmem soll die Landesregierung direkte Gespräche auf höchster Ebene in den USA führen, um die Zölle noch abzuwenden oder zumindest abzuschwächen.

Sowohl Gewerbeverband wie auch Swissmem sprachen sich aber dezidiert gegen handelspolitische Vergeltungsmassnahmen aus, wie sie etwa in China oder der EU diskutiert werden. Durch ein Anheizen des Zollkonflikts würde die Schweiz sich nur selber schaden und den Standort weiter schwächen, so die Verbände.

Swissmem fordert vom Bundesrat zudem, dass die Höchstbezugsdauer der Kurzarbeit auf 24 Monate verlängert wird. Ins gleiche Horn bläst auch der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz. «Nur so können Entlassungen vermieden und Fachkräfte im Land gehalten werden», sagte Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz, in einer Mitteilung. Daher soll der Handelskonflikt auch als «wirtschaftlicher Härtefall» anerkannt werden, so die beiden Verbände einhellig.

Sowohl Swissmem, Scienceindustries als auch der Gewerbeverband fordern darüber hinaus eine Intensivierung der Verhandlungen zu weiteren Freihandelsabkommen, etwa mit den Staaten in Lateinamerika oder auch China. Auch die Beziehungen zur EU sollten weiter intensiviert werden.

USA Politik Schweiz
Anzeige

Neueste Beiträge

Emporia bringt das Smart.8 mit Display-Garantie
Mit dem Smart.8 bringt Emporia ein Smartphone für die ältere Generation, bei dem ein Schwerpunkt auf dem Schutz des Gehäuses und des Displays liegt, für das es auch eine besondere Garantie gibt.
3 Minuten
23. Jul 2026
Kurze Newsletter-Sommerpause - In eigener Sache
Vom 27. Juli bis zum 9. August macht die Computerworld-Redaktion eine kurze Newsletter-Sommerpause. Sie bekommen in diesem Zeitraum keinen Newsletter. Den nächsten Newsletter erhalten Sie dann wieder am 10. August.
2 Minuten
26. Jul 2026
«Wir sind ein internationaler Anbieter mit einer lokalen Seele»
Der Schweizer Markt für IT-Dienstleistungen gilt als anspruchsvoll und stark umkämpft. Dennoch sieht die Var Group erhebliches Wachstumspotenzial. Im Interview erklären Massimo Fumagalli und Sladjana Timotijevic, weshalb sie auf lokale Verankerung statt auf reine Grösse setzen und welche Rolle weitere Akquisitionen bei der Expansion in der Schweiz spielen sollen.
5 Minuten

Das könnte Sie auch interessieren

Darum lohnt sich eine Weiterbildung - Karriere-Tipps
Ihre berufliche Karriere stockt? Sie fühlen sich unterfordert und auch finanziell soll es aufwärtsgehen? Dann verlieren Sie keine Zeit. Computerworld nennt fünf Gründe für eine Weiterbildung und zeigt, wie Sie erfolgreich durchstarten.
5 Minuten
25. Okt 2024
«KI wird ein Treiber für Wachstum» - Interview Corinna Schumacher, ServiceNow
KI-Agenten übernehmen immer mehr Routineaufgaben. ServiceNow sieht darin keine Bedrohung für Mitarbeitende, sondern eine neue Arbeitsteilung, erklärt Corinna Schumacher im Interview.
7 Minuten
Streik abgewendet: Deutsche Telekom einigt sich mit Ver.di
Die Telekom und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Für die rund 60'000 Tarifbeschäftigten des Netzbetreibers gilt unter anderem bis Ende 2028 ein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen.
3 Minuten
31. Mai 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige