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Lesedauer 4 Min.

ICT-Löhne stagnieren - Spezialisten bleiben gefragt

Der Schweizer ICT-Arbeitsmarkt tritt bei den Löhnen weitgehend auf der Stelle. Der Gesamtmedian steigt 2026 nur noch um 0,2 Prozent. Deutlich besser entwickeln sich die Saläre hoch spezialisierter Fachkräfte. Besonders gefragt sind Kompetenzen rund um KI, Cloud, Cybersecurity und Daten.
© swissICT Salärstudie 2026

Die Zeit kräftiger Lohnsteigerungen im Schweizer ICT-Sektor ist vorerst vorbei. Gemäss der ICT-Salärstudie 2026 von swissICT steigt der Gesamtmedian der Saläre gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,2 Prozent. Bereits 2025 hatte das Plus nur noch 0,4 Prozent betragen. Zum Vergleich: 2023 und 2024 waren die ICT-Löhne noch um 1,8 beziehungsweise 1,7 Prozent gestiegen.

In absoluten Zahlen erreicht der Gesamtmedian 2026 rund 130'200 Franken. 2025 waren es 130'000 Franken und 2024 129'472 Franken. Damit hat sich die Lohnkurve nach den deutlicheren Steigerungen der vergangenen Jahre sichtbar abgeflacht.

swissICT sieht darin einen Wechsel der Marktdynamik. Während nach der Pandemie eine breite Nachfrage nach ICT-Fachkräften die Saläre über zahlreiche Funktionen und Hierarchiestufen hinweg nach oben trieb, profitieren heute vor allem einzelne Rollen und besonders gefragte Kompetenzprofile.

Fachspezialisten gewinnen an Bedeutung

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Senior Experts. Sie kommen 2026 auf ein Mediansalär von 177'938 Franken. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 2,8 Prozent, seit 2020 sogar einem Zuwachs von 16,2 Prozent.

Damit verdienen ausgewiesene Spezialistinnen und Spezialisten inzwischen deutlich mehr als das mittlere Management, dessen Median bei rund 156'000 Franken liegt. Auch das obere Management konnte seine Saläre seit 2020 deutlich steigern. Das untere Management liegt dagegen nominal leicht unter dem damaligen Niveau.

«Wo früher breites Wachstum herrschte, zählen heute vor allem die jeweiligen Skills beziehungsweise Kompetenzen», erklärt Studienleiterin Cornelia Ammon.

Besonders knapp seien Fachkräfte in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Cloud, Cybersecurity und Daten, ergänzt Urs Gurtner-Oesch, Leiter der Arbeitsgruppe ICT-Saläre bei swissICT. Unternehmen müssten deshalb bei der Lohnentwicklung stärker differenzieren. Erfahrung und hierarchische Position allein seien nicht mehr automatisch ausschlaggebend für die höchsten Gehälter.

Für Arbeitgeber birgt diese Entwicklung Risiken. Ein insgesamt stabiler Lohnmarkt könne leicht darüber hinwegtäuschen, dass bei besonders gesuchten Spezialisten weiterhin erheblicher Lohndruck besteht. Wer die jeweiligen Teilmärkte nicht im Auge behalte, riskiere laut swissICT, gerade jene Mitarbeitenden zu verlieren, die besonders schwer zu ersetzen sind.

Wettbewerb um Nachwuchskräfte bleibt bestehen

Auch bei Berufseinsteigern zeigt sich Bewegung. Neu eingestellte Junior-Fachkräfte verdienen 2026 im Median 80'000 Franken. Das entspricht einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit bleibt der Wettbewerb um Nachwuchskräfte bestehen. Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz die Anforderungen an Berufseinsteiger. KI-Werkzeuge könnten insbesondere einfachere Tätigkeiten übernehmen und damit die Einstiegshürde für bestimmte ICT-Rollen erhöhen.

Über einen längeren Zeitraum entwickeln sich die Junior- und Professional-Saläre allerdings deutlich zurückhaltender als jene der Top-Spezialisten. Seit 2020 stiegen die Junior-Löhne gemäss swissICT insgesamt um 1,3 Prozent, bei Professionals waren es 1,9 Prozent.

Homeoffice ist fast überall möglich

Neben den Salären hat swissICT auch die Anstellungsbedingungen untersucht. Der begleitende Employment Conditions Report zeigt, wie stark sich hybride Arbeitsmodelle inzwischen etabliert haben.

94 Prozent der untersuchten Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeitenden Homeoffice. Lediglich 6 Prozent verlangen eine vollständige Präsenz im Büro. Wo Vorgaben zur Büroanwesenheit bestehen, sind drei Präsenztage pro Woche besonders verbreitet.

Die Kosten des mobilen Arbeitens tragen die Mitarbeitenden allerdings weitgehend selbst. 83 Prozent der Unternehmen leisten laut Studie keine finanzielle Entschädigung für Homeoffice. 92 Prozent stellen zudem keine zusätzliche materielle Ausstattung für das Arbeiten zu Hause zur Verfügung.

«Homeoffice ist in der ICT-Branche längst kein Verhandlungspunkt mehr, sondern Grundausstattung», sagt Ammon. Die Flexibilität habe sich durchgesetzt, die Kostenfrage bleibe dagegen überwiegend bei den Beschäftigten.

Interessant ist zudem ein weiterer Befund: Die Anstellungsbedingungen unterscheiden sich laut swissICT stärker zwischen einzelnen Branchen als zwischen den verschiedenen Regionen der Schweiz.

ICT-Salärstudie 2026

Für die ICT-Salärstudie 2026 hat swissICT insgesamt 37'112 Saläre aus 214 Unternehmen ausgewertet. Die Teilnehmer reichen von KMU bis zu Grossunternehmen. Der Verband führt die Erhebung seit 1981 durch und bezeichnet sie als umfassendste Untersuchung dieser Art für den Schweizer ICT-Arbeitsmarkt.

Die aktuellen Zahlen deuten damit auf eine zunehmende Ausdifferenzierung des Arbeitsmarkts hin: Während sich die Lohnentwicklung über die gesamte Branche hinweg weitgehend stabilisiert, können Spezialisten mit besonders gefragten Kompetenzen weiterhin deutlich überdurchschnittliche Lohnzuwächse erzielen.

Link zur aktuellen ICT-Salärstudie von swissICT

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