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Lage am Schweizer Arbeitsmarkt trübt sich ein

Die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt ist weniger rosig als auch schon. Experten befürchten wegen der zahlreichengeopolitischen Krisen eine weitere Eintrübung.
© (Quelle: shutterstock.com/kavalenkava)

In den vergangenen Wochen haben der Verlag TX Group, der Westschweizer Energieversorger Groupe E, der Gütertransporteur SBB Cargo, die Post oder ihre Finanztochter Postfinance angekündigt, Stellen zu streichen. Und auch im öffentlichen Sektor gehen Arbeitsplätze verloren, etwa beim Bundesamt für Statistik.

Dramatisch ist die Lage noch nicht, wie die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erfassten Arbeitslosenzahlen zeigen. Im Mai lag die Arbeitslosenquote zum Vormonat bei unverändert 2,8 Prozent und damit im historischen Vergleich auf einem durchschnittlichen Niveau.

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP erwarten die Experten für den Juni, für den die Zahlen am Freitag publiziert werden, nun sogar einen Rückgang auf 2,7 Prozent. Dieser Rückgang ist aber lediglich auf saisonale Effekte zurückzuführen. Die saisonbereinigte Quote wird unverändert bei 2,9 Prozent gesehen.

Klar höher als im Vorjahr

Verglichen mit dem sehr tiefen Niveau aus dem Vorjahr notiert die Arbeitslosenquote damit denn auch deutlich höher. Im Mai betrug die Zahl der Arbeitslosen knapp 128'000, was gut ein Fünftel mehr war als im Vorjahresmonat.

Das Seco rechnet in seinen jüngst publizierten Konjunkturprognosen damit, dass die Arbeitslosenquote nach 2,4 Prozent 2024 im Jahresdurchschnitt 2025 auf 2,9 Prozent und 2026 auf 3,2 Prozent ansteigen wird. Vor gut zwei Wochen wurden diese Prognosen von den Bundesökonomen angehoben.

Mehr als 3,5 Prozent möglich

Experten sehen das ähnlich. Der Einstellungsboom, der bis 2024 zu beobachten war, habe sich stark verlangsamt, sagt Arbeitsmarktexperte Michael Siegenthaler von der Konjunkturforschungsstelle KOF. «Die Zeiten des starken Wachstums nach der Covid-Pandemie sind vorbei und es ziehen Wolken am Konjunkturhimmel auf».

«Die von der Trump-Regierung verursachten Unsicherheiten belasten die Weltwirtschaft. Davon ist auch die Schweiz betroffen», so Siegenthaler gegenüber der Nachrichtenagentur AWP weiter. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt hänge nun stark davon ab, ob und in welcher Höhe die von US-Präsident Trump am «Liberation Day» Anfang April angekündigten Zölle eingeführt werden.

Würden die US-Zölle auf Schweizer Produkte auf «moderater Höhe» angesetzt, dann dürften das die Schweizer Konjunktur und der hiesige Arbeitsmarkt gut verkraften, sagt Siegenthaler. Sollten die Zölle aber auf ein hohes Niveau gesetzt werden, könne die Arbeitslosenquote auf über 3,5 Prozent ansteigen, warnt er.

Vielerorts Einstellungsstopps

Nicht nur die Zollpolitik in den USA, auch der Konflikt im Nahen Osten oder die erwartete Wirtschaftsflaute in Europa bremse die Investitionsaktivität der Unternehmen, erklärt Anne Donou, Westschweiz-Chefin des Personaldienstleisters Von Rundstedt. Das schlage auch auf den Arbeitsmarkt durch.

«Die Firmen haben eine abwartende Haltung eingenommen, was Neueinstellungen als auch Entlassungen betrifft», so Donou. Die Unternehmen bevorzugten derzeit bei der Besetzung von Stellen betriebsinterne Lösungen oder das Angebot der Temporärarbeit. Neueinstellungen seien vielerorts gestoppt worden.

Von der Verlangsamung am Arbeitsmarkt sind laut Donou mehrere Sektoren betroffen. Besonders ausgeprägt sei dies in der Industrie, im Hotelgewerbe, bei Exportfirmen oder in der IT-Branche zu beobachten.

Immerhin könnte sich die Lage für die Schweizer Wirtschaft zum Jahresende hin entspannen, wie KOF-Experte Siegenthaler meint. Deutschland, andere europäische Länder oder auch die USA hätten milliardenschwere Investitionen in die Verteidigung und die Infrastruktur angekündigt, wovon auch die Schweiz profitiere.

Fachkräftemangel bleibt ein Thema

Trotz steigender Arbeitslosigkeit fehlen am Schweizer Arbeitsmarkt weiterhin vielerorts qualifizierte Arbeitskräfte. «Der Fachkräftemangel ist derzeit ähnlich stark ausgeprägt wie 2019, als er bereits gross war», sagt Siegenthaler. Vor allem der Bau, das Gesundheitswesen und soziale Berufe seien davon betroffen.

Bei der Suche nach geeignetem Fachpersonal gebe es derzeit eine grosse Kluft zwischen den von Firmen benötigten Fachkompetenzen und den am Arbeitsmarkt vorhandenen, ergänzt Donou. «Das veranlasst viele Firmen, im Ausland nach dem benötigen Know-how zu suchen.»

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