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Bieterstreit um Gamma: Waterland will Epiris offenbar überbieten

Der Bieterwettstreit um Gamma Communications geht weiter. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der britische Telekommunikationsanbieter mit Epiris auf eine Übernahme verständigt. Nun soll Waterland ein höheres Angebot vorbereiten.
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© shutterstock / Funtap

Erst vor wenigen Tagen hatte sich das britische Telekommunikationsunternehmen mit der Private-Equity-Gesellschaft Epiris auf eine Übernahme verständigt. Nun bereitet die niederländische Beteiligungsgesellschaft Waterland laut einem Bericht der britischen «Sunday Times» offenbar ein höheres Angebot vor.

Epiris bietet den Gamma-Aktionären 1.120 Pence in bar je Aktie. Einschliesslich Schulden wird Gamma damit mit rund 1,08 Milliarden Pfund bewertet, umgerechnet etwa 1,25 Milliarden Euro. Der reine Eigenkapitalwert liegt bei rund 1,02 Milliarden Pfund. Das Angebot entspricht einem Aufschlag von 53 Prozent auf den Schlusskurs vom 7. April, dem Tag, an dem Gamma erstmals Übernahmegespräche bestätigt hatte.

Der Gamma-Vorstand empfiehlt den Aktionären die Offerte von Epiris einstimmig zur Annahme. Directors mit eigenem Aktienbesitz haben bereits unwiderruflich zugesagt, dafür zu stimmen. Der Deal steht noch unter den üblichen aufsichtsrechtlichen Vorbehalten.

Nun könnte Waterland Epiris allerdings noch überbieten. Nach Informationen der «Sunday Times», über die auch Reuters berichtet, plant der niederländische Finanzinvestor eine Offerte, die über dem bereits vereinbarten Epiris-Angebot liegen soll. Wie hoch das mögliche Gegenangebot ausfallen könnte, ist bislang nicht bekannt.

Waterland plant offenbar Verkauf von Gamma-Teilen

Der mögliche Waterland-Deal unterscheidet sich offenbar auch strukturell vom Angebot von Epiris. Nach einer Übernahme will Waterland dem Bericht zufolge zwei Geschäftsbereiche von Gamma an den britischen Telekommunikationsanbieter Giacom weiterverkaufen.

Die beiden Bereiche bedienen kleine und mittlere Unternehmen und standen im vergangenen Jahr für knapp 30 Prozent des Gamma-Umsatzes. Welche konkreten Gesellschaften oder Marken betroffen wären, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Gamma soll das Angebot von Epiris bislang als einfacher umsetzbar und mit einem geringeren Vollzugsrisiko eingeschätzt haben als die Waterland-Variante. Gamma und Epiris lehnten gegenüber Reuters eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Waterland reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Ein formelles neues Angebot von Waterland ist bislang nicht bekannt.

Mehrere Finanzinvestoren interessierten sich für Gamma

Gamma steht bereits seit mehreren Monaten im Fokus von Finanzinvestoren. Neben Epiris hatten auch der US-Finanzinvestor Providence Equity Partners sowie ein Konsortium aus Oakley Capital und Giacom Interesse an dem Unternehmen gezeigt. Providence und das Oakley-Giacom-Konsortium zogen sich im Juni aus dem Bieterprozess zurück.

Auch Waterland führte bereits im August erste Gespräche über eine mögliche Übernahme von Gamma. Mit der Einigung zwischen Gamma und Epiris schien sich der Bieterprozess zunächst zugunsten des britischen Finanzinvestors zu entwickeln.

Epiris begründet die geplante Übernahme unter anderem damit, dass ein Rückzug von der Börse Gamma mehr Spielraum für Investitionen verschaffen soll. Genannt werden dabei unter anderem KI-Funktionen und weiteres Wachstum im Kommunikationstechnologie-Geschäft.

Die deutsche Gamma-Gruppe

Für den deutschen Markt ist die Entwicklung besonders relevant. Gamma hatte sich hierzulande in den vergangenen Jahren durch mehrere Übernahmen eine starke Position im Cloud-Telefonie- und Unified-Communications-Markt aufgebaut.

Der Einstieg erfolgte 2020 mit der Übernahme des SIP-Trunk-Anbieters HFO Telecom, der heute als Gamma Communications Deutschland firmiert. 2024 kam der Cloud-PBX-Anbieter Placetel hinzu, im Februar 2025 schliesslich die Starface-Gruppe samt Estos für rund 165 Millionen Pfund.

Zusammengenommen kommt Gamma damit in Deutschland auf mehr als 500.000 verkaufte Cloud-PBX-Plätze. Das Unternehmen bezeichnet dies als eine der grössten Cloud-PBX-Installationsbasen im deutschen Markt.

Anfang 2026 wurden die Vertriebsorganisationen von Gamma, Starface und Estos in Deutschland zusammengelegt. Bestehende Herstellerverträge der Partner sollen dabei unverändert fortgeführt werden. Die neue Führungsstruktur unter Gerben Wijbenga als Managing Director Gamma Europe, mit dem früheren Starface-CEO Florian Buzin an der Spitze des deutschen Geschäfts, war erst wenige Monate im Amt, als die Übernahmegespräche mit Finanzinvestoren begannen.

Welche Folgen ein Eigentümerwechsel für die Partnerlandschaft in Deutschland hätte, ist weiterhin offen. Auch ist bislang nicht bekannt, welche Geschäftsbereiche Waterland im Falle einer erfolgreichen Übernahme an Giacom weiterverkaufen würde und ob davon Teile des deutschen Geschäfts betroffen wären.

Damit bleibt zunächst abzuwarten, ob Waterland tatsächlich ein formelles Gegenangebot vorlegt – und ob Gamma seine Empfehlung für die bereits vereinbarte Epiris-Offerte anschliessend neu bewerten müsste.

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