Das Zeitalter der digitalen Archive
Gastbeitrag
Redewendungen rund um physische Archive gibt es in unserem Sprachgebrauch unzählige: Von Informationen, die in Akten schlummern, über Ordner, die ins Archiv wandern und dort verstauben oder unter Aktenbergen begraben werden bis hin zu Dokumenten, die in der Schublade «verschwinden». Auffallend ist, dass die meisten Metaphern rund um traditionelle Archive selten positiv, sondern mit Aufwand, Unübersichtlichkeit oder Staub verbunden werden. Ein starkes Indiz, dass sich das Zeitalter der physischen Archive dem Ende zuneigt. Dabei waren Papierarchive seit Jahrtausenden ein wichtiger Eckpfeiler von Gesellschaften: In Ägypten und Mesopotamien beinhalteten Archive Listen mit Angaben zu Steuern, Getreidevorräten oder Arbeitskräften. In religiösen Stätten wurden Texte kopiert und gesichert, wodurch Wissen über Generationen weitergegeben wurde. Und in der Neuzeit bildeten physische Archive die Grundlage für Bürokratie und moderne Staaten, wie wir sie heute kennen.
Das physische Archiv als überholtes Erfolgsmodell
Aus dieser Perspektive haben Archive in ihrer bisherigen Form einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des gegenwärtigen Informationszeitalters geleistet. Nur: Mit den technologischen Entwicklungen, die zu Beginn der 2000er mit dem Durchbruch des Internets und der Smartphone-Revolution vorangetrieben wurden, verlor das klassische Papierarchiv nicht nur an Relevanz, sondern konnte mit den neuen Rahmenbedingungen zunehmend nicht mehr Schritt halten. Exponentiell gewachsene Datenmengen, steigende Anforderungen an die Verfügbarkeit der archivierten Dokumente und die Erwartung eines orts- und zeitunabhängigen Zugriffs veränderten in den letzten zwei Jahrzehnten die Rolle, die Papierarchive in KMU, Unternehmen und Institutionen einnahmen – das einstige Zentrum der Dokumentenverwaltung entwickelte sich aufgrund der rasanten Entwicklungen zu einer strukturellen Hürde für effiziente digitale Geschäftsprozesse.
e-Archivsysteme als digitale Ablage mit weitreichenden Vorteilen
Die logische Schlussfolgerung: Archive werden elektronisch. Weil die rechtlichen Rahmenbedingungen jedoch auch im digitalen Raum eingehalten werden müssen, braucht es dafür zertifizierte Archivsysteme, die als revisionssichere digitale Ablage fungieren und zur Gewährleistung der Vorgaben der Geschäftsbücherverordnung (GeBüV) geeignet sind. Zu den Vorgaben gehört die Nachvollziehbarkeit sämtlicher Änderungen an den archivierten Dokumenten. Moderne e-Archivlösungen setzen hierfür auf fälschungssichere Zeitstempel und eine lückenlose Protokollierung sämtlicher Anpassungen bis hin zur Ablagestruktur.
Unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben bieten elektronische Archive so Vorteile, die weit über die Platzersparnis im physischen Archiv und den Wegfall dezentraler Archivbestände hinausgehen. So bieten e-Archivlösungen die Möglichkeit, gesetzlich relevante Aufbewahrungsfristen, die sich je nach Art des Dokuments unterscheiden, mit intelligenten Algorithmen automatisch zu hinterlegen. Das schafft – insbesondere im direkten Vergleich mit physischen Archiven – Ordnung und Übersicht.