Pflegeroboter versteht Schweizerdeutsch

Der Roboter und das Personal

Der Aarauer Hersteller hat seinen Roboter nicht nur hinsichtlich der Sprachtechnologie offen konzipiert. Die Droiden sind dank Paketen wie OpenCV für die Bildverarbeitung, Keras und PyTorch sowie TensorFlow für Deep Learning und Scipy für die Visualisierung flexibel programmierbar. Und auch die Hardware ist variabel, wie Seeberger sagt. Die Herstellung der Roboter geschieht im 3D-Druckverfahren in Mikrofabriken in der Nähe des jeweiligen Kunden. Dieses Verfahren drücke nach Aussage des Entwicklers den Preis und erlaube kundenspezifische Anpassungen.
“Pflegeroboter setzen sich nur durch, wenn sie Schweizerdeutsch verstehen„
Roger Seeberger, Jinn-Bot
Im aktuellen Projekt ist «Joey» nicht für die Erledigung der eigentlichen Pflegetätigkeiten ausgelegt. Vielmehr soll der Roboter das Pflegepersonal entlasten durch die Erledigung von Handreichungen wie Getränkeservice, Botengänge oder die Erinnerung der Patienten an bevorstehende Termine. Dabei seien die Kenntnisse der schweizerdeutschen Dialekte von grosser Bedeutung. Vor allem ältere Patienten wollen oder können ihre Bedürfnisse nicht in Hochdeutsch formulieren oder sprechen schlicht lieber Schweizerdeutsch. Die Möglichkeit, mit «Joey» in Mundart zu kommunizieren, erhöhe nach den Worten Seebergers ausserdem die Akzeptanz des technischen Helfers.

Roboter im einjährigen Praxistest

Eine erste Bewährungsprobe im Pflegealltag wird «Joey» demnächst in einem einjährigen Praxistest in einem Alters- und Pflegeheim zu bestehen haben. Die Gruppe von Professorin Schmiedel wird den Feldversuch mit einer wissenschaftlichen Studie begleiten. Parallel will Jinn-Bot den Roboter in verschiedenen Situationen testen. Nach den Worten von Geschäftsführer Seeberger ist weiter geplant, unterschiedliche Applikationen für den Pflegebereich zu entwickeln, die dann als Open-Source-Projekt anderen Kunden zur Verfügung gestellt werden können.
Bis anhin lief nicht alles nach Plan. Denn die Covid-19-Pandemie durchkreuzte auch Seebergers Vorhaben, den Feldtest schon im Frühjahr oder spätestens Sommer dieses Jahres zu lancieren. Er hat die Zeit genutzt, den Roboter über einige Monate persönlich in Mundart zu trainieren. Das Resultat kann sich nach seiner Aussage durchaus hören lassen. Nun ist der Droiden-Spezialist aber guter Dinge, das Projekt im ersten Quartal des nächsten Jahres starten zu können.



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