Physik 22.12.2023, 10:24 Uhr

Schweizer Nobelpreisträger Queloz will Leben im Labor erschaffen

Noch in diesem Jahrhundert wird nach Ansicht des Schweizer Nobelpreisträgers Didier Queloz Leben im Labor geschaffen werden können. "Meiner Ansicht nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns das gelingen wird", sagte der Physiker gegenüber Tamedia-Titeln.
(Quelle: ETH)
"Wir werden also eine Art göttliche Macht erlangen", so Queloz im Tamedia-Interview vom Freitag weiter. "Die Macht der Zerstörung besitzen wir, seit wir Atomwaffen haben. In diesem Jahrhundert werden wir die göttliche Macht der Schöpfung erlangen, indem wir künstliches Leben von Grund auf erschaffen."
Die Entstehung von Leben sei letztlich ein chemischer Prozess, so Queloz. "Wenn die Bedingungen stimmen, wird Leben entstehen. Ich sehe keine Notwendigkeit für ein anfängliches Anschubsen durch einen Schöpfergott", gab sich der Nobelpreisträger überzeugt.

Forschungszentrum

Der 57-jährige Astrophysiker wurde 2019 gemeinsam mit seinem Kollegen Michel Mayor für die Entdeckung des ersten Planeten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Seit 2021 baut er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich ein Zentrum auf, das die Entstehung des Lebens erforscht. Dazu gehört laut Queloz sowohl die Erforschung des Sonnensystems und die Analyse von Exoplaneten, als auch der Versuch, die Entstehung von Leben in Laborexperimenten zu simulieren.

Nobelpreis hat das Leben verändert

Queloz ist überzeugt, dass erst sein Nobelpreis die Entstehung dieses Zentrums möglich gemacht hat. Viele Kollegen aus der Physik würden die Suche nach dem Ursprung des Lebens für keine echte Wissenschaft halten, sagte Queloz. Die Chemiker kümmerten sich nicht um das Thema, denn für sie sei es offensichtlich attraktiver, in der Pharmabranche zu arbeiten. "Mit dem Nobelpreis im Rücken hörten mir die Leute aber plötzlich zu, und ich begann, ihnen die Sache zu erklären", sagte Queloz weiter.
Auch sonst habe der Nobelpreis sein Leben verändert, meinte der Physiker. Auch Leute ausserhalb der Astrophysik hätten ihm plötzlich zugehört, so der Astrophysiker, er sei zu einer Art Wissenschaftsdiplomat geworden.
Zudem erhalte er fast jeden Tag "Unsinn per E-Mail", sagte Queloz: "Einer hat die Geschichte des Universums neu erfunden, ein Zweiter meint, die Lösung aller Probleme der Menschheit zu kennen, ein Dritter behauptet, er könne die Existenz Gottes beweisen."



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