«Cern ist auch ein ‹Stresstest› für IT-Systeme»

Vorzüge der Cloud-Technologie

CW: War Cern an der Entwicklung von kommerziellen Produkten oder Features von Oracle beteiligt?
Grancher: Nur in Einzelfällen war das Cern an der Entwicklung von neuen Produkten beteiligt. Teilweise bekamen wir neue Funktionen sehr früh zu sehen und konnten sie in unseren Umgebungen testen. Anhand unserer Rückmeldung wurden dann Fehler identifiziert und Verbesserungen eingepflegt. Ein Beispiel ist Oracle RAC (Real Application Clusters), eine Clustering-Lösung für Datenbanken. Ein anderes ist Oracle ASM (Automatic Storage Management) für das Verwalten von verteilten Speicherressourcen.
CW: War Cern an der Entwicklung der Autonomous Database beteiligt? Oder haben Sie einen Anwendungsfall für die Technologie?
Grancher: An der Entwicklung der Autonomous Database waren wir nicht beteiligt. Aber im Herbst vergangenen Jahres haben wir auf der Grundlage der Technologie eine Anwendung realisiert: Am «Open Day» besuchen rund 75'000 Menschen die verschiedenen Einrichtungen des Cern. An dem Tag bieten wir Demonstrationen, Führungen sowie Vorträge für Gross und Klein an.
In den Vorjahren wurde die Koordination dieses Anlasses mit verschiedenen Tools gemanaged. Eine Anwendung gab es für die Registrierung und Verteilung der Besucher, eine zweite regelte den Zutritt der Interessierten zu den Laboratorien.
CW: Hat die Autonomous Database den Gästestrom ganz alleine gelenkt?
Grancher: So weit ging die Anwendung dann auch nicht [schmunzelt]. Die Planung war recht kurzfristig, so dass den Kollegen nicht viel Zeit blieb für die Programmierung. Sie entschieden sich für die Cloud, damit die Anwendung skalierbar ist für die grosse Zahl der Besucher. Sie sollte bei geringer Last genau so performant funktionieren wie bei vielen Zugriffen zur gleichen Zeit, wenn sich die Interessenten beispielsweise vor dem Anlass noch kurzfristig registrieren.
Für das Frontend mit einer Java-Applikation in Docker-Containern wurden ebenfalls Cloud-Instanzen gebucht, so dass es ebenfalls skalierbar war. Alle Applikationen wurden im Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt installiert.
Unter dem Strich mussten wir so nur die Zeit für die Entwicklung der Applikationen aufbringen. Der Aufwand für das Deployment von Datenbanken, Patches und Updates blieb uns erspart. Für jemanden wie mich, der typischerweise On-Premises installiert, war das auch eine neue – und gute – Erfahrung.


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