Konferenz Build 08.05.2018, 11:17 Uhr

Microsoft will den «Welt-Computer» bauen

An der Konferenz «Build» hat Microsoft neue Technologie für Entwickler lanciert. Anstatt für Windows sollen die Programmierer neu Code für die weltweite Azure-Cloud schreiben.
Microsofts Satya Nadella will mit der Azure-Cloud den «Welt-Computer» bauen
(Quelle: Microsoft)
Mit dem Windows-Betriebssystem dominierte Microsoft jahrzehntelang den Computermarkt. Diese Zeiten sind vorbei. Längst läuft mehr Hardware mit dem Android-Betriebssystem. Und Microsoft hat die Zeichen der Zeit erkannt. Der weltweit grösste Software-Hersteller wandelt sich zu einer Cloud-Firma. Recht erfolgreich, wenn man auf die jüngsten Quartalszahlen blickt. Das Unternehmen konnte unter anderem den Umsatz mit Cloud-Technologie binnen Jahresfrist verdoppeln.
Dagegen hat Microsoft sein Ziel, Windows 10 bis 2018 auf mehr als einer Milliarden Geräte zu installieren, deutlich verfehlt. Diese Vorgabe hatte CEO Satya Nadella vor drei Jahren gemacht. An der Entwicklerkonferenz «Build» in Seattle erklärte Microsoft nun, «nur» rund 700 Millionen Geräte würden unter Windows 10 laufen.
Während der Eröffnungsrede zur «Build» gab Nadella das Ziel vor, mit der Azure-Cloud den «Welt-Computer» bauen zu wollen. Die globale Infrastruktur und die auf Azure vorhandenen Tools seien eine leistungsfähige Plattform für Computing-Anwendungen der Zukunft, sagte der CEO. Er lud die über 5000 Windows-Programmierer an der Konferenz ein, sich mit Lösungen für Azure neue Kundengruppen zu erschliessen.

Microsoft will in die Industrie

Die Anwendungen sollen nicht zwingend nur in der Cloud laufen. Mit Azure IoT Edge hat Microsoft eine Software veröffentlicht, die Cloud-Anwendungen auf «smarte» Endgeräte bringt. Beispiele sind Kleinstcomputer für Autos, Gebäude, Industrie oder Landwirtschaft. Um die Integration zu vereinfachen, hat Microsoft den Quellcode von Azure IoT Edge unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Hier soll eine neue Zielgruppe entstehen. Nadella sprach von neun Milliarden Mikro-Controllern, die für Azure IoT Edge genutzt werden können.
Ein erster Abnehmer ist Qualcomm. Der Halbleiterhersteller hat eine Überwachungskamera mit Azure IoT Edge entwickelt, die bei ungewöhnlichen Ereignissen selbständig Alarm schlägt. Der Drohnenanbieter Dji wird künftig ebenfalls Azure IoT Edge für kommerzielle Anwendungen nutzen. Mit einem Software Development Kit (SDK) sollen Anwender die Drohnen von einem Windows-PC steuern können – zum Beispiel für Patrouillenflüge in Industrie-Anlagen.
Eine weitere Zielgruppe für Microsoft sind die Angestellten in der industriellen Produktion. Den zwei Milliarden Mitarbeitern weltweit will der Konzern mit Virtueller Realität die Arbeit erleichtern. Die neue Anwendung «Remote Assistance» nutzt die Datenbrille HoloLens, um Service-Techniker mit einem Experten zu verbinden. Bei Reparaturen kann der Techniker die Situation vor Ort filmen und vom Experten Hinweise in sein Sichtfeld eingeblendet bekommen. Die HoloLens-Anwendung «Microsoft Layout» dient der Gebäudeplanung. Neu zu installierende Maschinen lassen sich als virtuelle Modelle in die Fabrikhalle projizieren, um sie optimal in Fertigungsstrassen zu integrieren.


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