CW-Exklusiv 14.04.2010, 11:23 Uhr

Massenexodus bei Comparex

Die Comparex-Geschäftsleitung sowie der grösste Teil der 200 Mitarbeitenden haben gekündigt. Die Fenaco-Tochter Bison übernimmt die gesamte Belegschaft.
Hat die Comparex-Flüchtlinge gleich an Bord geholt: Bison-Schweiz-Chef Rudolf Fehlmann
An der Adresse der Fenaco-Tochter Bison ist es gestern zu einem regelrechten Putsch gegen die Konzernleitung des deutschen PC-Ware-Konzerns, der Muttergesellschaft der Schweizer Comparex (ehemals PC-Ware Systems) gekommen: An einer kurzfristig einberufenen Mitarbeiterveranstaltung hat die gesamte Geschäftsleitung von Comparex Schweiz um Oliver Schalch ihren Rücktritt bekanntgegeben.
Daraufhin hat der Grossteil der rund 80 anwesenden Comparex-Angestellten gleich auch gekündigt. Denn der ebenfalls anwesende Rudolf Fehlmann, Chef der mit 30 Prozent an Comparex beteiligten Bison Schweiz, hat der gesamten Comparex-Mannschaft eine neue Stelle angeboten. Den Mitarbeitenden wurde gesagt, sie würden unter denselben Anstellungsbedingungen wie vorher weiterbeschäftigt werden.
Brisant: Jeder der Anwesenden soll ein vorgefertigtes Kündigungsschreiben sowie einen neuen Arbeitsvertrag erhalten haben, den man nur noch zu unterzeichnen brauchte. Auch die meisten der gestern nicht in Sursee anwesenden Aussenstellen-Mitarbeitenden sollen bereits die Kündigung eingereicht oder sich zu einem Wechsel positiv geäussert haben.
Schalch wollte zu den Vorkommnissen keine Stellung nehmen, aber Fehlmann bestätigt gegenüber Computerworld: ,,Nachdem bei der Comparex-Belegschaft in der letzten Zeit eine grosse Verunsicherung spürbar wurde und es zu diversen Kündigungen kam, mussten wir handeln. Wir müssen uns selbst und Fenaco als grössten Comparex-Kunden schützen, deshalb haben wir keine andere Möglichkeit gesehen." Fehlmann bestätigt ebenfalls, dass er aus dem Comparex-Verwaltungsrat zurückgetreten ist: ,,Der Comparex-Verwaltungsrat und die Hauptaktionäre haben Dinge unternommen, hinter denen ich nicht mehr stehen konnte. Ich konnte die Verantwortung für die Schweiz nicht mehr mittragen." Fehlmann sagt, er sei überrascht gewesen, wie geschlossen die Belegschaft hinter dem Comparex-Management stehe. Unter welchem Namen die Geschäfte weitergeführt werden, ist noch nicht klar.

Stimmung euphorisch

Hintergrund: Bei PC-Ware in Deutschland rumort es bereits seit längerem. Nach hohen Verlusten ist es letztes Jahr zu Restrukturierungen und Entlassungen gekommen. PC-Ware-Boss Klaus Elsbacher sagte offen, man werde auch die Ländergesellschaften durchleuchten. Für die gut laufende Schweizer Niederlassung - so die bisherige Sprachregelung - seien keine Entlassungen vorgesehen. Offenbar hat aber in Sursee dennoch die Verunsicherung Überhand genommen, machten doch Gerüchte die Runde, es soll auch in der Schweiz eine neue Ausrichtung geplant sein und massiv Stellen abgebaut werden, indem zum Beispiel gewisse Field Services und Outsourcing-Aktivitäten über Bord geworfen werden sollen.
Fehlmann hat mit seinem Coup offenbar nicht nur den Fortbestand seines wichtigsten Lieferanten gewährleistet, sondern auch die Bedenken der Mitarbeitenden zerstreuen können. Dem Vernehmen nach soll die Stimmung in Sursee seit gestern wieder euphorisch sein. Bis heute morgen haben 150 Mitarbeitende ihre Kündigung eingereicht, aber nahezu alle 200 Mitarbeitenden würden dem Ruf Fehlmanns folgen.
Ein prominentes Gesicht hat gestern an der Veranstaltung alledings gefehlt: Karl Hoppler, früherer CEO von PC-Ware Systems. Dass das Bison-Urgestein fehlte, überrascht allerdings wenig, ist doch Hoppler, der seit seinem Rücktritt als CEO 2008 weiterhin im Verwaltungsrat sitzt, als Vice President des PC-Ware-Konzerns für internationale strategische Aufgaben verantwortlich. Vom deutschen Mutterhaus ist bisher keine Stellungnahme erfolgt.
Markus Häfliger


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