24.03.2014, 14:01 Uhr

Schweizer Xing-Chef gesteht Fehler ein

Xing hat die Preise für Premium-Accounts deutlich erhöht. Vor allem die Art der Kommunikation sorgte dafür, dass viele Kunden abspringen. Der Schweizer Country Manager Robert Beer verteidigt die Preise, bereut aber, wie die Sache gelaufen ist.
Robert Beer, Country Manager von Xing Schweiz, nimmt gegenüber Computerworld Stellung zu den Preiserhöhungen
Xing erhöht in der Schweiz die Preise für Premium-Accounts. An sich eine logische Entwicklung, seit zehn Jahren geschah dies nicht mehr. «Ausserdem ist die Premium-Mitgliedschaft massiv ausgebaut worden», rechtfertigt Robert Beer, der Schweizer Country Manager von Xing, die Preisanpassung. Trotzdem ergoss sich in den letzten Tagen ein grösserer Shitstorm über das Online-Business-Netzwerk, User kündigten Abos und bekannte Schweizer Social-Media-Experten versammelten sich in einer Anti-Xing-Gruppe. Grund dafür war die Kommunikationspolitik von Xing, die auch für eine Würstchenbude peinlich wäre. Für eine Firma, die das Netzwerken zum Business-Model gemacht hat, aber ein unverzeihlicher Fehler.  So schrieb Xing seinen Usern letzte Woche eine Mail, in der von einer Umstellung der Rechnungen von Euro auf Schweizer Franken gesprochen wurde. Dies sei «auf vielfachen Wunsch der Kunden geschehen». Erst danach steht: «gleichzeitig passen wir die Beiträge für Ihre Premium-Mitgliedschaft an».

«Im Nachhinein ist man immer schlauer»

Die Preisanpassungen hätten aber durchaus prominenter beworben werden dürfen, fallen sie doch derart massiv aus, dass Schweizer Premium-User je nach Vertrag 65 – 85 Prozent mehr zahlen müssen. Das ist teilweise doppelt so viel wie deutsche Xing-Nutzer für die gleichen Dienstleistungen bezahlen müssen. Auch die verschiedenen Tarifmodelle werfen Fragen auf: In Kommentaren schreiben Nutzer entrüstet davon, neu bis zu CHF 203.- jährlich zahlen zu müssen, obwohl es laut Xing CHF 155.40 sind. Robert Beer sagt der Computerworld dazu, «dass es 3-Monats-, Jahres- und Zwei-Jahres-Abos gibt». Je kürzer die Abodauer, je höher der Preis. Zudem würden vor allem Benutzer der ersten Stunde grössere Preisaufschläge in Kauf nehmen müssen, da diese bisher für das gleiche Produkt deutlich weniger zahlten wie Xing-Nutzer, die erst in den letzten 2-3 Jahren beitraten.
Dies dürfte einige Nutzer milde stimmen, doch viele haben aufgrund der Preiserhöhungen ihre Abos bereits gekündigt. «Wir haben das gemerkt und bedauern es», sagt Beer. Genaue Zahlen möchte er nicht kommunizieren, sagt dafür, dass die Preisanpassungen nicht rückgängig gemacht werden: «Ich bin der Meinung, dass sich Xing derart entwickelt hat, dass die Preisanpassungen nachvollziehbar sind.» Er bedauert aber, wie Xing diese Anpassungen kommuniziert hat: «Im Nachhinein ist man immer schlauer.» Wer die Preisanpassungen nicht mitragen möchte, dem bietet die Gruppe «XingFail» Rechtshilfe: «Durch die Preissteigerung entsteht für die Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Wer ab jetzt bis zu drei Wochen vor einer Verlängerung seines Premium-Abos kündigt, kann das Vertragsverhältnis beenden, ohne die Mehrkosten tragen zu müssen.»


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