Swiss IT 2020: Sourcing-Strategien 11.05.2020, 06:00 Uhr

«Wir waren schon vor der Pandemie für Home Office gerüstet»

Die Swiss-IT-Studie 2020 von Computerworld und IDC zeigt, dass sich ein Trend in Richtung IT-Outsourcing abzeichnet. Roger Notter ist CEO von Enkom aus Sursee. Im Interview spricht er über die Sourcing-Strategie seines Unternehmens.
(Quelle: Unsplash)
Enkom aus Sursee konzipiert und realisiert Kommunikationsnetze für Unternehmen. Die Computerworld-Redaktion hat bei CEO Roger Notter nachgefragt, welche Dienste der Full-Service-Anbieter ausgelagert hat. Notter verrät zudem, was er für Erwartungen an die Partner stellt.
Computerworld: Wie treffen Sie im Unternehmen Make-or-Buy-Entscheidungen?
Roger Notter: Enkom ist ein Dienstleistungsunternehmen, das seinen Kunden Consulting, Engineering, Service und Lösungen anbietet. Im Zentrum unserer Leistungserbringung stehen Menschen mit spezifischen Fähigkeiten. Die zu unseren Kernkompetenzen gehörenden Fähigkeiten und Ressourcen können nur zu einem Teil extern eingekauft werden, da sie die Essenz unseres Unternehmens ausmachen. Daher unterscheiden wir bei einem Make-or-Buy-Entscheid primär zwischen eigener Kernkompetenz und unterstützenden Ressourcen. Bei den unterstützenden Ressourcen gilt es, den Fokus auf Qualität, Kosten, Verfügbarkeit und Flexibilität zu legen.
CW: Was betreiben und entwickeln Sie selbst?
Notter: Wir haben die Gestaltung der Arbeitsumgebung hin zu einer Cloudlösung gestartet. Aktuell befinden wir uns in der Migrationsphase. Ein reiner Cloud-Ansatz bietet in Zukunft die Möglichkeit, einzelne Services bis zu einem gewissen Grad wieder selbst zu betreiben und das Wissen aufzubauen.
CW: Warum machen Sie diese Dinge inhouse?
Notter: Wir haben genügend Mitarbeiter, die fachlich top sind. Deren stetige Weiterbildung ermöglicht es uns, rasch auf neue Trends zu reagieren und diese mit unserem Partner anzugehen. Für uns stehen unsere eigenen personellen Ressourcen im Mittelpunkt und deren Verfügbarkeit. Wir bieten unseren Mitarbeitenden dadurch Job Enrichment und die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten im eigenen Hause anzuwenden und stetig zu erweitern.
CW: Was beziehen Sie extern, und warum?
Notter: Wir haben die Clients, die Hardware, das noch vorhandene Rechenzentrum und den dazugehörenden Support ausgelagert. Gerade der Supportbereich und die Sicherstellung der Verfügbarkeit benötigt eine gewisse Grösse. Da ist unser Partner gut aufgestellt und macht einen grossartigen Job. Zudem erachten wir diese Zusammenarbeit als wichtigen Austausch.
Roger Notter ist CEO des Full-Service-Anbieters Enkom
Quelle: Enkom
CW: Hat das Coronavirus dazu geführt, dass Sie die Sourcing-Strategie überdenken?
Notter: Nein, wir waren bereits vor der Pandemie bestens für Home Office ausgerüstet und unsere Sourcing-Strategie hat sich hierbei als richtig erwiesen. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist wegen des Virus auch nicht schwieriger geworden.
CW: Was sind die grössten Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit den Sourcing-Partnern?
Notter: Ich würde meinen, die Verfügbarkeit und der rasche Wandel der Branche. Es gibt immer wieder Wellen, wo die Sourcing-Partner selbst an ihre Grenzen stossen, sei dies personell oder fachlich. Was gestern die beste Lösung war, ist morgen schon veraltet.
CW: Wie entscheidend ist es, dass die Unternehmenskultur der Partner zusammenpasst?
Notter: Das sprechen der «selben Sprache» ist sicher ein Vorteil.
CW: Outsourcing kann zu einem Know-how-Verlust im Unternehmen führen. Was tun Sie dagegen?
Notter: Wir erwarten von unserem Partner, dass er uns proaktiv auf neue Lösungen aufmerksam macht. So bleiben wir stets am Ball und können situativ unsere Strategie anpassen.
CW: Lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Wird es in Ihrer Firma mehr «Make» oder mehr «Buy» geben?
Notter: Mit den neuen Lösungen auf dem Markt ein gesunder Mix von beidem. Die moderne Workplace-Umgebung benötigt andere Skills von Partnern als auch von den eigenen Mitarbeitenden. Im 1st- und 2nd-Level-Bereich werden wir die internen Kompetenzen aufbauen und mit denen unseres Partners ergänzt lassen. So haben wir die Verfügbarkeit gewährleistet und können uns rasch auf neue Möglichkeiten einstellen.
Der Autor
Marcel Urech ist freier Technologie- und Wirtschaftsjournalist sowie eidg. dipl. Web Project Manager.


Das könnte Sie auch interessieren