17.05.2013, 15:40 Uhr

Wie real ist der Cyberkrieg?

Der Cyberkrieg ist hauptsächlich ein Hype. Zu diesem Schluss kommt Myriam Dunn Cavelty vom Center for Security Studies der ETH Zürich.
Für Myriam Dunn Cavelty von der ETH Zürich hat es einen Cyberkrieg im engeren Sinn bislang noch nicht gegeben
Ihre Erkenntnisse präsentierte die ETH-Wissenschaftlerin während der Veranstaltung «IT-Security Inside» des IT-Security-Spezialisten Avantec in Zürich. Dabei kritisierte Dunn Cavelty hauptsächlich die inflationäre Verwendung des Begriffs «Cyberkrieg» als Schlagwort. Vieles werde etwa in der Presse als Cyberkrieg tituliert, das diese Bezeichnung nicht verdient habe. Je nach Definition, hat es laut Dunn Cavelty noch gar nie einen Cyberkrieg gegeben. So etwa, wenn man unter Cyberkrieg das Konzept der Kriegsführung durch den Cyberspace verstünde.  Die ETH-Wissenschaftlerin nennt zur Veranschaulichung folgendes Szenario: «Cyberkrieg ist, wenn Akteure, die aus einem Staat ein anderes Land, etwa die Schweiz, auf dem Cyberweg angreifen und dieses in die Knie zwingen, also quasi auf Knopfdruck». Solche Szenarien würden zwar in strategischen Kreisen diskutiert, seien aber bislang noch nicht aufgetreten. Wenn man dagegen «elektronische Kriegsführung» unter dem Begriff Cyberkrieg definiere, ist dieser dagegen mit der zunehmenden Vernetzung der Armeen durchaus ein Thema. Als Beispiel nennt Dunn Cavelty die Störung von Waffensystemen oder des Mobilfunknetzes zur Terrorbekämpfung durch die US-Streitkräfte im Irak-Krieg. Auch bei «Cyber-Sabotage kann man langsam von Krieg reden», meint sie. Schliesslich werde hier versucht, auf dem Staatsgebiet eines Landes die Infrastruktur zu zerstören oder zu behindern. Nächste Seite: Wendepunkt Stuxnet

Stuxnet als Wendepunkt

Als klassiches und rares Beispiel für Cyber-Sabotage nennt Dunn Cavelty den Wurm Stuxnet, bei dem mit ziemlicher Sicherheit Staaten wie die USA und Israel das iranische Atomprogramm zurückwarfen. Dies waren aber nicht die einzigen Auswirkungen von Stuxnet. Laut der ETH-Wissenschaftlerin stellt der staatlich sanktionierte Wurm vielmehr den Auftakt dar, dass Cyber-Security vermehrt auch Staaten und die politische Kreise interessierte. «Früher war Cyber-Security vor allem eine Aufgabe der Wirtschaft und der Staat spielte nur eine kleine Rolle», sagt Dunn Cavelty. Dann sei Stuxnet gekommen und habe vor allem das Stimmungsbild und die Rhetorik verändert. Diese sei schärfer geworden. Besonders in den USA sei eine wahre Cyberhysterie ausgebrochen. «Man kann sozusagen von einer 'Stuxnetifizierung' der Debatte sprechen», so die Forscherin. Auswirkungen dieser Entwicklung, die mit viel Angstmacherei einhergeht, ist laut Dunn Cavelty eine Aufrüstung, die sich in der Einrichtung von Cyber Commands manifestiert. In diesem Sinne sei der Cyberkrieg zwar ein Hype, werde aber von den selben Akteuren «wirklich gemacht».


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