22.02.2013, 14:17 Uhr

Armee will Rechenzentrum für 150 Millionen Franken

Der Bundesrat hat das Budget für die Immobilien des VBS verabschiedet. Grösster Posten dabei ist der Bau eines vollgeschützten Rechenzentrums. Ob es gebaut werden darf, entscheidet das Parlament.
Stimmt das Parlament Ueli Maurers Plänen für ein neues Rechenzentrum zu?
505,5 Millionen Franken erhält die Schweizer Armee in diesem Jahr zur Verfügung gestellt, um Immobilienprojekte zu verwirklichen, wenn es nach dem Willen des Bundesrats geht. Eine entsprechende Kreditanfrage von VBS- und damit Armee-Chef Ueli Maurer hat der Gesamtbundesrat diese Woche mit der sogenannten Immobilienbotschaft (PDF) verabschiedet und auch gleich gesagt, für welche Projekte das Geld verwendet werden soll. Die Vorlage geht nun an das Parlament beziehungsweise an die Sicherheitspolitischen Kommissionen der beiden Räte, diese entscheiden über die Umsetzung. Falls die Immobilienbotschaft angenommen wird, erhält das VBS ein neues Rechenzentrum, für dessen Aus- und Neubau 150 Millionen Franken veranschlagt worden sind. Grund für den Neubau ist die Bundesstrategie für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), 2012-2015, die am 9. Dezember 2011 verabschiedet wurde. Diese sieht unter anderem einen «Rechenzenter-Verbund» mit bundesweiter Kapazitätsplanung und Koordination der laufenden Vorhaben vor, wobei vor allem darauf geachtet werden soll, in den bundeseigenen RZs hauptsächlich geschäftskritische Informationen und Rechenkapazitäten aufzubewahren.

Ungenügende Infrastruktur

Im Departementsbereich Verteidigung besteht heute eine heterogen gewachsene Rechenzenter-Infrastruktur, welche die Verwaltungsinformatik und die militärischen Systeme umfasst. Das VBS sieht in der bestehenden Rechenzenter-Infrastruktur den Schutz und die Verfügbarkeit dieser Informationen nicht gewährleistet, jedenfalls nicht nach den Richtlinien der neuen IKT-Strategie.«Wegen der starken Vernetzung der Systeme hat ein Ausfall gravierende Folgen auf den Einsatz der Armee (Einsatzführung, Logistik, Luftraumüberwachung, usw.). Die Lücke beim Schutz und der Verfügbarkeit der Rechenzentren muss zwingend geschlossen werden,» heisst es in der Immobilienbotschaft. Dafür soll das Programm RZ VBS/Bund ins Leben gerufen werden, in dessen Konzept drei Rechenzentren vorgesehen sind, von denen zwei mit Voll- und eines mit Teilschutz betrieben werden soll. Nach Realisierung der gesamten Rechenzenterinfrastruktur wird rund die Hälfte der bisherigen Infrastruktur nicht mehr benötigt und kann ausser Betrieb genommen werden. Damit können die Bruttomietkosten um rund 4,5 Millionen Franken pro Jahr reduziert werden, hofft das VBS. Weil Daten und Applikationen gemäss Vorgaben an mehreren Standorten gespiegelt werden müssen, braucht das VBS nach eigenen Angaben zusätzlich «mindestens eine Verdoppelung der Rechenzenterkapazität».

Ein Vorreiter in Europa

Diese Bedürfnisse soll das vollgeschützte Rechenzentrum «Fundament» befriedigen, das in der ersten Projektphase in einem bestehenden Objekt gebaut wird. Wo, schreibt das VBS verständlicherweise nicht, der Standort soll aber «optimal bezüglich Schutz, Funktion, Netzanbindung, Kühlung, Energieeffizienz und Nutzung der Abwärme» sein. Das Rechenzentrum besteht aus vier Rechnermodulen, welche redundant durch fünf Technikmodule versorgt werden. Die Technik wird in die bestehende Kaverne eingebaut. Für die Rechnermodule wird die Kaverne erweitert ? falls das Parlament den Antrag bewilligt. Die Kühlung soll dank des gewählten Standortes ohne energetisch ungünstige Kältemaschinen sichergestellt werden können. In Sachen Energie soll das Rechenzentrum ohnehin eine Vorbildfunktion haben. Der «Power Usage Effectiveness»-Wert (PUE) misst die Energieeffizienz eines Rechenzentrums. Der europäische Durchschnitt liegt bei 1,95, «Fundament» bei 1,24, schreibt das VBS. Ihre bisherigen RZs haben Werte zwischen 2,5-3,0, Verbesserungspotential ist also durchaus vorhanden. Durch diesen guten PUE-Wert sollen Strombedarf und -kosten bei «Fundament» gegenüber der heute betriebenen Technologie auf zirka die Hälfte verringert werden und sechs bis neun Millionen Franken pro Jahr gespart werden können. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Kosten

Kosten

Für die Erweiterung der Hülle, den Einbau des Rechenzentrums mit allen gebäudetechnischen Installationen sowie den Teilrückbau werden 150 Millionen Franken benötigt, die sich wie folgt verteilen:
  • Vorbereitungsarbeiten 24,8 Millionen Franken
  • Gebäude 102,43 Millionen Franken
  • Baunebenkosten 1,040 Millionen Franken
  • Unvorhergesehenes 19,78 Millionen Franken
  • Ausstattung 1,930 Millionen Franken
  • Honorare 14,190 Millionen Franken 
Dass dies mehr ergibt als das Budget zulässt erklärt das VBS auf Anfrage damit, dass in den 150 Millionen nur die «rein baulichen Massnahmen inklusive Honorare» gemeint sind. Dass das Rechenzentrum «Fundament» fast einen Viertel der Armee-Immobilienkosten für sich beanspruchen darf, erklärt sich damit, dass die Armee laut Ueli Maurer «nicht mehr genügend finanzielle und personelle Mittel hat, um alle Immobilien instand zu halten. » Darum wird nur in langfristige Projekte investiert, die mindestens «für weitere 15-25 Jahre nutzbar sein werden» («Fundament» soll 30 Jahre im Einsatz sein, so lange gilt zumindest der Mietvertrag). Damit sollen Fehlinvestitionen vermieden werden. Als Grund für den Alleingang gibt das VBS an, dass marktübliche Rechenzentren der zivilen Anbieter den Schutzanforderungen nicht genügen würden.Mit dem Bau soll im April 2014 begonnen werden, Mitte 2018 soll es voll funktionstüchtig sein.

Weitere RZ geplant

Aus Kostengründen bleibt dies vorläufig das einzige vollgeschützte Rechenzentrum, in der Zwischenzeit sollen zwei bestehende, geschützte Objekte genutzt werden, welche die minimal benötigte redundante Leistung für die wichtigsten militärischen Systeme sicherstellen. In einer zweiten Projektphase, die 2015 beginnen soll, wird das teilgeschützte Rechenzentrum «Campus» gebaut, das zivile Schutzanforderungen erfüllen soll und gemeinsam mit den zivilen Departementen des Bundes realisiert wird. Der Kostenrahmen dafür wird auf 200 Millionen Franken geschätzt, das VBS will sich mit 50 Millionen beteiligen. Die Armee wird einen Viertel der Fläche nutzen, zivile Departemente drei Viertel. Die Investitions- respektive Mietkosten werden anteilmässig aufgeteilt. In der dritten Phase (momentan für 2018 geplant) wird das zweite vollgeschützte Rechenzentrum gebaut, die Kosten dafür sind mit 80 Millionen Franken veranschlagt. Diese Phase wird im Sinne einer Eventualplanung und je nach zukünftiger Lage- und/oder Bedarfsentwicklung ausgelöst. Das gesamte Projekt soll den Bedarf an Raum und IT-Leistung für die nächsten 30 Jahre sicherstellen. Im jetzt beantragten Vorhaben wird das Rechenzentrum mit 50 Prozent der IT-Kapazitäten erstellt.


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