Analyse 10.10.2011, 16:41 Uhr

Cloud-Krieg - Salesforce gegen Oracle

Das "Rattenloch der Cloud" nennt Oracle-CEO Larry Ellison die Salesforce-Wolke. Salesforce-Chef Marc Benioff warnt vor Oracles Betrügereien. Wer gewinnt den Kampf um die Cloud-Milliarden?
Oracle-CEO Larry Ellison polemisiert: Salesforce ist das Rattenloch der Cloud.
Bisher blieb Oracle schön on-premise und Salesforce beherrschte die Cloud. Saubere Gewaltenteilung, keiner kam dem anderen in die Quere. Aber mit dem Frieden zwischen beiden Unternehmen ist es bald vorbei. In wenigen Wochen geht Oracles "Public Cloud" an den Start, und dann herrscht Krieg. Denn die Oracle-Cloud ist eine exakte Kopie dessen, was Salesforce seit Jahren erfolgreich in der Cloud offeriert. Im Vorfeld brachten beide Unternehmen ihre Marketing-Kanonen gegeneinander in Stellung, und dabei springen allzu oft Wahrheit und gute Manieren über die Klippe. Salesforce sei das Rattenloch der Cloud (roach motel), eine proprietäre Datenfalle, polemisierte Oracle-Chef Larry Ellison auf der Open World in San Francisco, die vor einigen Tagen zu Ende ging. Salesforce-Frontmann Marc Benioff, auch nicht gerade auf den Mund gefallen, warnt seinerseits vor den falschen, betrügerischen Clouds aus dem Hause Oracle. Erbitterter Wirtschaftskrieg Fakt ist: Wenn in wenigen Wochen die Oracle "Public Cloud" ans Netz geht, beginnt zwischen beiden Unternehmen ein erbitterter Wirtschaftskrieg. Für Salesforce-Chef Benioff geht es dabei um alles oder nichts, denn Salesforce verdient sein ganzes Geld in der Wolke. Oracle aber scheffelt seine Milliarden mit On-premise-Datenbanken, Data Warehouses und Analytics. Die Business-Cloud ist dabei nur ein nettes, zusätzliches Add-on. Für Salesforce geht es um die blanke Existenz, und dabei kämpft David gegen Goliath. Mit einem prognostizierten Jahresumsatz 2011 von 38 Milliarden Dollar ist Oracle der Benioff-Company haushoch überlegen. Benioff kann froh sein, wenn Salesforce 2011 die 2-Milliarden-Umsatzmarke überspringt. Ellison hat seinen Angriff auf Benioffs Business-Cloud von langer Hand vorbereitet, Dutzende von Unternehmen akquiriert und seine Software-Entwickler sechs Jahre lang an den Fusion Apps programmieren lassen. Oracles Code-Artisten haben die besten Features aus der E-Business-Suite, Peoplesoft (collaboration), Siebel CRM und JDEdwards (ERP) kombiniert und in eine modulare Suite gegossen: die Fusion Apps. Nächste Seite: Details zur Oracle-Cloud Mit Spannung erwartet, endlich sind sie da: Die Oracle Fusion Apps, das sind etwa 100 im plattformoffenen Java entwickelte Business-Anwendungen, die on-premise und "as a Service" laufen. Darunter Anwendungen für Sales & Marketing, Financial Management, HR/HCM, Beschaffung, Supply Chain Management, Governance, Risk & Compliance und Fusion mobile für Smartphones. Ausserdem will Ellison eine voll funktionsfähige Oracle-Datenbank und die Java Enterprise Edition von der aufgekauften Sun Microsystems in die Cloud stellen. Abgerechnet wird auf Monatsbasis. Jeder Kunden erhält eine eigene Virtuelle Maschinen und eine eigene Datenbank-Instanz. Oracles Me-too-Angebot Ellisons Problem ist nur: All das bietet Salesforce auch an, teilweise bereits seit Jahren. Salesforce ist seit 12 Jahren im Geschäft, zählt zu den Pionieren der Cloud und hat weltweit etwa 130.000 Kunden. Zum Angebot gehören unter anderem Salesforce CRM mit den Varianten Sales- und Service-Cloud, die Java-Entwicklerplattform force.com, die Cloud-Datenbank database.com und das Social Network Chatter. Salesforce kooperiert mit Amazon EC2 und Facebook, unterhält zudem ein breit gefächertes Partner- und Eco-System. In der Schweiz gehören die Zürcher Versicherungen zum Kundenstamm. Nächste Seite: Warum Oracle trotzdem eine Gefahr für Salesforce ist 100 Kunden gegen 130.000 Ein "proprietäres Rattenloch der Cloud" (Ellison) sieht sicher anders aus. Oracles Ellison bleibt jedoch gar nichts anderes übrig, als kräftig auf die Pauke zu hauen. Bisher haben sich etwa 100 der insgesamt 200 Pilotkunden für die Oracle Public Cloud entschieden und Subskriptionsverträge unterzeichnet. Ein kleiner Tropfen, verglichen mit den 130.000 Kunden von Salesforce. Langfristige Erfolgsstrategie Trotzdem könnte Oracles Me-too-Angebot für Benioff und seine Mannschaft gefährlich werden. Weltweit nutzen etwa 380.000 Kunden eine On-premise-Software von Oracle, und dieser Kundschaft macht es Ellison leicht, schrittweise in die Cloud zu migrieren. Denn die modular aufgebauten Fusion Apps laufen on-premise und in der Wolke - ein geschickter Schachzug. Unternehmen können damit eine hybride Strategie fahren und ihre On-premise- und Legacy-Applikationen Schritt für Schritt mit Komponenten aus der Oracle-Wolke ergänzen. Konkurrenten wie Salesforce oder Microsoft werden durch diese Salami-Taktik scheibchenweise aus dem Markt gedrängt.

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