Switches im Überblick - Kaufberatung
Netzwerk-Tipps
Ein typischer Heimrouter hat vier LAN-Anschlüsse. Das klingt nach viel, ist aber schnell aufgebraucht: Desktop-PC, NAS, Spielekonsole, Smart-TV – und schon ist Schluss. Wer weitere Geräte per Kabel anbinden möchte, benötigt einen Netzwerk-Switch. Das Gerät funktioniert im Grunde wie eine Mehrfachsteckdose für Netzwerkkabel: Es nimmt eine einzelne Verbindung vom Router entgegen und verteilt sie auf mehrere Ports. Klingt simpel, ist es im Prinzip auch. Beim Kauf gibt es dennoch ein paar Punkte, die man kennen sollte.
Managed vs. Unmanaged
Die erste Entscheidung betrifft die Art des Switches. Unmanaged Switches sind die einfachste Variante: Geräte einstecken und fertig. Es gibt keine Konfiguration, keine Einstellungen, kein Webinterface. Der Switch leitet den Datenverkehr einfach weiter. Für die allermeisten Heimnetzwerke ist das vollkommen ausreichend, Bild 1.
Bild 1: Switches müssen nicht kompliziert oder teuer sein, wenn die Ansprüche nicht zu hoch sind
PCtippManaged Switches bieten hingegen umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten: virtuelle Netzwerke (VLAN) einrichten, Bandbreite pro Port limitieren, den Datenverkehr überwachen und mehr. Damit lassen sich etwa Geräte priorisieren oder Gästenetzwerke besser abtrennen. Der Nachteil ist wie so oft bei mehr Funktionalität: mehr Kosten und mehr Komplexität. Im Vergleich zu den simplen unmanaged Switches setzt die Konfiguration ein gewisses Netzwerkwissen voraus.
Ein interessanter Mittelweg existiert heutzutage mit den Smart Managed Switches, die grundlegende Verwaltungsfunktionen bieten, ohne ein Informatikstudium vorauszusetzen.
PCtipp empfiehlt: Für Privatanwender reicht fast immer ein Unmanaged Switch. Wer ein etwas grösseres Heimnetz betreibt oder spezifische Anforderungen hat, fährt mit einem Smart Managed Switch gut. Managed Switches sind im Heimbereich eigentlich nur für Enthusiasten spannend.
Wie viele Ports?
Switches gibt es in diversen Grössen, üblicherweise mit 5, 8, 16 oder 24 Ports. Bedenken Sie, dass ein Port für die Verbindung zum Router reserviert ist. Ein 5-Port-Switch bietet also effektiv vier zusätzliche Anschlüsse. In den meisten Fällen lohnt es sich, ein wenig Reserve einzuplanen. Der Aufpreis für ein paar zusätzliche Ports ist meistens gering und erspart den Kauf eines zweiten Switches, wenn plötzlich doch noch ein Gerät dazukommt. Wer etwa aktuell drei freie Ports benötigt, ist mit einem 8-Port-Modell gut bedient.
Die Tempofrage
Hier wird es spannend, vorwiegend finanziell. Der aktuelle Standard für Heimnetzwerke ist Gigabit-Ethernet, also 1 Gbit/s. Das reicht für Streaming, Surfen und normale Dateiübertragungen locker aus. Diese Switches sind günstig, zuverlässig und überall erhältlich.
Der Sprung zu 10 Gbit/s ist riesig und im Heimbereich nur selten sinnvoll, im Marketing jedoch sehr beliebt. Ein 10-Gbit/s-Switch kostet schnell mehrere Hundert Franken und auch die passenden Netzwerkkarten und Kabel müssen mitspielen, Bild 2. Dazu kommen ein höherer Stromverbrauch und teilweise eine aktive Lüftung, was im Wohnzimmer nicht unbedingt erwünscht ist. Interessant sind diese Switches vor allem für Büros und Haushalte mit sehr hohem Datenverbrauch. Dabei sollten Sie auch bedenken: Netzwerktempo und Internettempo sind getrennt zu betrachten. Haben Sie beispielsweise eine 1-Gbit/s-Internetanbindung bringt Ihnen der schnellere Switch nur für den lokalen Netzwerkverkehr etwas, etwa wenn Sie einen lokalen Mediaserver haben.
Seit einiger Zeit etabliert sich das 2,5-Gbit/s-Ethernet als attraktives Zwischensegment. Viele neuere Router, Mainboards und NAS-Geräte bringen 2,5-Gbit/s-Ports mit. Der Vorteil: Diese funktionieren über die herkömmlichen Cat-5e-Kabel, die bereits verlegt sind. Man muss also nicht die gesamte Verkabelung austauschen. Preislich sind diese Geräte ebenfalls günstiger als die 10-Gbit/s-Switches, wenn auch teurer als herkömmliche Gigabit-Modelle. Auch hier gilt: Für die allermeisten Haushalte ist Gigabit ausreichend. Das Upgrade auf 2,5-Gbit/s lohnt sich nur, wenn Sie mit Ihrem System an Grenzen stossen.
Bild 2: 10 Gbit/s sind im Heimgebrauch eher selten nötig
PCtippWann 10 Gbit/s?
Wie bereits erwähnt, lohnen sich für die meisten Privatanwender 10 Gbit/s nicht. Wer im Internet surft, streamt und gelegentlich eine Datei auf den Netzwerkspeicher schiebt, wird den Unterschied zu Gigabit-Ethernet kaum bemerken. Die Internetverbindung ist ohnehin meist der Flaschenhals. Selbst schnelle Schweizer Glasfaseranschlüsse liefern nicht immer 10 Gbit/s, die meisten Internet-Abos bewegen sich deutlich darunter.
Interessant wird das schnelle 10 Gbit/s, wenn regelmässig grosse Datenmengen innerhalb des lokalen Netzwerks bewegt werden. Videoeditoren, die 4K- oder 8K-Material von einem Netzwerkspeicher bearbeiten, profitieren zum Beispiel enorm. Auch wer von einem leistungsstarken Desktop-PC auf ein Notebook streamt, etwa für hochauflösendes Gaming, merkt den Unterschied. Auch für kleine Büros mit mehreren Nutzern, die gleichzeitig auf einen zentralen Server zugreifen, kann sich die Investition in einen teuren 10-Gbit/s-Switch lohnen.
Wer neugierig ist, aber nicht gleich alles umrüsten möchte, findet mittlerweile auch Multi-Gig-Switches, die verschiedene Geschwindigkeiten an verschiedenen Ports anbieten – beispielsweise zwei 10-Gbit/s-Ports und acht 2,5-Gbit/s-Ports. So können die entsprechenden Geräte an den schnellen Anschluss angebunden werden, ohne dass jeder Port das volle Tempo benötigt.
PoE: Strom via Netzwerk
Ein Feature, das gerne übersehen wird, ist Power over Ethernet (PoE). PoE-fähige Switches können Geräte direkt über das Netzwerkkabel mit Strom versorgen. Das ist vor allem für IoT-Geräte (Internet of Things = Internet der Dinge) wie Access Points, Überwachungskameras oder IP-Telefone praktisch, da man sich ein separates Netzteil und eine Steckdose spart, Bild 3. Für den Privatgebrauch ist PoE kein Muss, kann aber gerade beim Aufstellen eines WLAN-Access-Points an einem schwer erreichbaren Ort sehr nützlich sein. PoE-Switches sind etwas teurer und grösser als ihre stromlosen Gegenstücke.
Bild 3: Stromversorgung via Ethernet ist besonders praktisch für IoT-Geräte
PCtippWeitere Kauftipps
Neben den genannten Kriterien spielen auch Details wie die Bauform, die Geräuschentwicklung und die Energieeffizienz eine Rolle. Für den Einsatz im Wohnbereich sollte der Switch passiv gekühlt sein, also ohne Lüfter auskommen. Kompakte Desktop-Modelle lassen sich unauffällig neben dem Router platzieren. Und: Ein günstiger Gigabit-Switch von einem etablierten Hersteller kostet oft weniger als 30 Franken und tut jahrelang zuverlässig seinen Dienst. Es muss also nicht immer das teuerste Modell sein – ausser man hat tatsächlich die Anforderungen dafür.