Im Test – Nothing Headphone (1) Pro
Premium-Kopfhörer
Wer kabelgebunden den «besten» Klang sucht, landet schnell in schwindelerregenden Preisregionen. Doch auch im kabellosen Bluetooth-Segment verlangen Hersteller für Flaggschiff-Modelle stolze Summen von 450 bis 1500 Franken.
Sennheisers kabelgebundener HE1 ist der heilige Gral der Kopfhörerwelt und kostet 89 000 Franken
SennheiserDass ordentlicher Hi-Fi-Sound günstiger geht, zeigt Nothing. Mit optisch auffälligen Kopfhörern, überzeugendem Klang, intuitiver Steuerung und starker Software hat sich die Marke etabliert. Das bewies im Frühjahr der Einsteiger-Over-Ear Headphone (a), der bei uns die Note «sehr gut» abholte.
Nun setzt Nothing beim neuen Headphone (1) Pro eins drauf: Drei Treiber pro Ohrhörer, zehn Mikrofone für ANC, Hi-Res-Zertifizierung und edle Materialien sollen den Kopfhörer ins Premium-Segment hieven. Dazu kommt eine Abstimmung mit den renommierten Metropolis Studios. Und das alles zum Preis von fairen 329 Franken. Wir testen, ob der Headphone (1) Pro tatsächlich in den Klanghimmel kommt.
Auffallen gehört dazu
Nothing-Geräte sind keine Leisetreter; sie fallen auf. Das gilt auch für den Nothing Headphone (1) Pro. Im Gegensatz zu früheren Modellen ist das Design dank Titanium und kratzfestem Glas zwar dezenter und eleganter. Zudem gibt es den Kopfhörer nur in Schwarz oder Weiss. Doch die markante eckige Form der Ohrhörer wurde beibehalten. Ausserdem kommt der Headphone (1) Pro mit einer speziellen Hülle aus Hartplastik; sie schützt nur die Ohrhörer, der Bügel wird zum Tragegriff. Das Ganze sieht aus wie eine Handtasche. An dieser lassen sich mittels mitgelieferter Schlaufen individuelle Anhänger anbringen. Gewagt, aber sicher ein Hingucker.
Die Hülle macht den Nothing Headphone (1) Pro zum Handtäschchen
PCtippEinziger Nachteil der Konstruktion: Kabel haben in der Hülle keinen Platz. Nothing packt nebst Handbuch sowohl ein USB-C-Ladekabel als auch ein Klinkenkabel bei. Auch falten lässt sich der Kopfhörer nicht. In der harten Hülle ist er allerdings gut geschützt.
Ein weiteres Plus: Die Ohrpolster lassen sich sehr einfach abnehmen und tauschen. Sie sind äusserst bequem. Auch bei längerem Tragen spürt man den Kopfhörer kaum. Unter den Polstern wird es jedoch ein wenig warm, da sie sehr gut abdichten. Der Anpressdruck ist in Ordnung und hält den Kopfhörer gut, bei starken Bewegungen rutscht er aber leicht. Headbangen mit dem Nothing Headphone (1) Pro ist also nicht angesagt.
Der Akku lässt sich nicht in Eigenregie tauschen, kann aber laut Nothing über den Kundendienst gewechselt werden.
Die Ohrpolster lassen sich einfach abnehmen und tauschen
NothingVorbildliche Bedienung
Wir haben schon mehrmals Installation und Bedienung der Nothing-Geräte gelobt. Daran ändert sich nichts: Den Kopfhörer einschalten, die Bluetooth-Taste 2 Sekunden lang drücken, schon wird er von Bluetooth-fähigen Geräten erkannt.
Unbedingt sollte man die Nothing-App installieren. Sie besticht mit Übersichtlichkeit, intuitiver Bedienung und einer Fülle praktischer Funktionen. Diese reichen vom Anpassen der Steuerung über das Anlegen eines individuellen Hörprofils und diverser Spatial-Audio-Modi bis zu einem vorbildlichen Equalizer. Ein fortgeschrittener grafischer Equalizer lässt individuelle Einstellungen für den Haupttreiber und den Präzisionstreiber zu. Ausserdem ist ein einfacher Equalizer an Bord, um etwa Höhen, Details oder Bass per Fingertipp anzuheben. Equalizer-Einstellungen lassen sich nicht nur speichern, sondern teilen – sehr praktisch.
Die beiden Equalizer des Nothing Headphone (1) Pro
PCtippFür Begeisterung sorgt noch immer die Steuerung. Sie wurde glücklicherweise beibehalten und gehört zum Besten im Kopfhörerbereich. Statt Touchflächen kommen physische Bedienelemente zum Einsatz. Das Lautstärkerad erlaubt eine präzise Anpassung, ein Kippschalter überspringt Tracks oder spult, und eine separate Taste aktiviert den Sprach- oder KI-Assistenten.
Neu dabei ist eine separate Taste, um den Flat EQ zu aktivieren – einen Equalizer, der Verfärbungen und Bearbeitungsspuren in Songs beseitigt. Gedacht ist er für die Arbeit im Studio. Er ermöglicht es, Mixes zu vergleichen. Da der kleine Schalter unscheinbar auf der Innenseite angebracht ist, stört er im normalen Höralltag nicht und kann auch nicht aus Versehen aktiviert werden.
Der Kopfhörer ist auch für den Einsatz im Studio gedacht
NothingIntegriert hat Nothing zudem eine Trageerkennung. Der Kopfhörer schaltet sich automatisch aus, wenn er abgenommen wird – und umgekehrt.
Tatsächlich Premium-Sound
Bietet der Headphone (1) Pro Premium-Sound? Das Upgrade auf drei Treiber und die Mithilfe der Metropolis Studios haben sich gelohnt. Der Klang ist über alle Frequenzen natürlich und detailliert, ohne steril zu wirken. Der Bass tönt klar, tief und satt. Er wummert nie und kleistert keine anderen Frequenzen zu. Wunderschön kommen die Mitten zur Geltung: Besonders Gesangsstimmen wirken nah, schon fast intim. Die Höhen fügen sich ins gute Gesamtbild ein; viele Details, kein Zischen, kein Klirren. Alle Instrumente sind gut separiert, keines geht unter.
Die Mission «Premium-Sound» ist gelungen
NothingDer Kopfhörer funktioniert mit allen Genres hervorragend. Was besonders gefällt: Trotz der Natürlichkeit und der Details bleibt der Klang enthusiastisch und sorgt dadurch immer wieder für Gänsehautmomente, etwa bei Dire Straits «Brothers in Arms» oder Schuberts Streichquartett Nr. 14 in d-Moll, D 810 («Der Tod und das Mädchen»). Der über 100 Franken teurere und exzellente Sennheiser HDB 630 wirkt in beiden Fällen kälter, holt aber teilweise feinste Details wie das Zupfen oder Anschlagen von Saiten etwas mehr hervor. Der Unterschied ist jedoch verschwindend gering und nur bei sehr genauem Hinhören bemerkbar.
Loben muss man die Geräuschunterdrückung (ANC); sie ist viel besser als beim günstigeren Headphone (a). Läuft Musik, ist man von der Aussenwelt komplett abgeschnitten. Ohne Musik sind noch leichte Aussengeräusche wie etwa das Klackern der Tastatur leise wahrnehmbar. Die Stille geht allerdings auf Kosten der Akkulaufzeit. Die beträgt bei eingeschaltetem ANC maximal 30 Stunden. Das ist ein guter, aber kein überragender Wert.
Schön: Auracast zum Streamen der Musik auf andere Geräte sowie Spatial Audio mit mehreren wirklich guten Modi sind ebenfalls dabei. An Hi-Res-Codecs wird LDAC unterstützt. Schade, dass aptX in seinen diversen Ausführungen fehlt.
Fazit: viel Kopfhörer zum fairen Preis
Mit 329 Franken ist der Nothing Headphone (1) Pro zwar nicht günstig, aber für gleichwertig gut ausgestattete und klingende Premium-Kopfhörer zahlt man einiges mehr. Klang, Material und Bedienung sind durchwegs Oberklasse. Wer mit dem Design und der auffälligen Tragetasche leben kann, sollte diesen Kopfhörer unbedingt einmal probehören.