«Entscheidend ist, was im Alltag funktioniert und einen konkreten Nutzen bringt»
Interview mit Peter Zanoni, HP Schweiz
Computerworld: Herr Zanoni, die «Zukunft der Arbeit» steht regelmässig im Mittelpunkt von Prognosen und Spekulationen. Was sind aus Ihrer Sicht die konkreten Entwicklungen, mit denen Unternehmen in der nahen Zukunft rechnen müssen?
Peter Zanoni: In unseren Kundengesprächen kommen im Wesentlichen immer wieder drei Themen zur Sprache: Produktivität, Sicherheit und Einfachheit. Unternehmen fragen sich, wie sie neue Technologien nutzen können, um produktiver zu werden, ohne dabei die Sicherheit aus den Augen zu verlieren. Gerade im Arbeitsplatzumfeld sind Mitarbeitende mit ihren Geräten häufig ein möglicher Angriffspunkt für Cyberattacken. Gleichzeitig wird der Arbeitsplatz immer komplexer. Neben PC oder Notebook kommen Drucker, Bildschirme, Dockingstations, Headsets oder Videokonferenzsysteme hinzu. Diese Komponenten müssen möglichst einfach zusammenspielen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Technologien verfügbar sind, sondern was davon im Alltag tatsächlich funktioniert und einen konkreten Nutzen bringt. Am Ende geht es darum, Mitarbeitende dabei zu unterstützen, ihre Arbeit möglichst einfach, sicher und produktiv zu erledigen. Wir sehen das auch bei uns selbst: Durch den Einsatz von KI-Technologien lassen sich repetitive Tätigkeiten teilweise automatisieren. Dadurch gewinnen Mitarbeitende Zeit zurück und können sich stärker auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren.
CW: Wie stark wird diese Entwicklung tatsächlich durch neue Technologie getrieben – und wie gross ist der Einfluss wirtschaftlicher und organisatorischer Anforderungen?
Zanoni: Technologie ist ein wichtiger Bestandteil, aber sie ist nicht der einzige Faktor. Aus Unternehmenssicht geht es natürlich um höhere Produktivität, Effizienz und letztlich auch Profitabilität. Gleichzeitig brauchen Unternehmen Mitarbeitende, die gerne für die Firma arbeiten und ihre Aufgaben gut erledigen können. Deshalb versuchen wir in Kundengesprächen auch diese Perspektive einzubringen. Investitionen in moderne Arbeitsplätze sind nicht nur technologische Entscheidungen. Sie haben auch Einfluss darauf, wie Mitarbeitende arbeiten und wie sie ihre Tätigkeit erleben.
Technologie ist ein wichtiger Bestandteil, aber nicht der einzige Faktor. Aus Unternehmenssicht geht es natürlich um höhere Produktivität, Effizienz und letztlich auch Profitabilität. Gleichzeitig brauchen Unternehmen Mitarbeitende, die gerne für die Firma arbeiten und ihre Aufgaben gut erledigen können.
ComputerworldCW: Bedeutet das auch, dass die Zukunft des Arbeitsplatzes zunehmend eine Führungsaufgabe wird?
Zanoni: Absolut. Es gibt technologische Entwicklungen, aber am Ende braucht es eine klare Führung und eine Transformation, die vom Management getragen wird. Es reicht nicht, eine Technologie zu evaluieren und bereitzustellen. Das Thema muss auf Unternehmensebene verstanden und entsprechend geführt werden. Dazu gehört insbesondere die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden. Die erforderlichen Fähigkeiten verändern sich, weil sich auch die Arbeitswelt verändert. Mitarbeitende müssen lernen, wie sie neue Technologien sinnvoll einsetzen können und welchen Nutzen sie daraus ziehen. Bei HP statten wir beispielsweise Mitarbeitende mit AI-PCs aus und bieten gleichzeitig entsprechende Trainings- und Weiterbildungsprogramme an. Genau diese Kombination ist entscheidend. Technologie allein reicht nicht – die Menschen müssen befähigt werden, sie sinnvoll einzusetzen.
CW: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei konkret für den Arbeitsplatz und die Arbeitsprozesse?
Zanoni: KI wird zunehmend Bestandteil des Arbeitsplatzes. Sie kann Mitarbeitende unterstützen, repetitive Aufgaben zu übernehmen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und gleichzeitig den Betrieb von Geräten und Systemen zu verbessern. Ein Beispiel ist unsere Workforce Experience Platform, eine KI-gestützte Lösung für das digitale Mitarbeitererlebnis. Dort werden Telemetriedaten aus dem Arbeitsplatzumfeld genutzt, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, Störungen möglichst zu vermeiden, bevor sie die Arbeit der Mitarbeitenden beeinträchtigen.
Für die Nutzer zählt letztlich vor allem eines: Funktioniert mein Arbeitsplatz? Kann ich sicher arbeiten? Und erhalte ich Unterstützung, wenn etwas nicht funktioniert? Wenn wir diese Punkte verbessern, trägt das auch dazu bei, dass Mitarbeitende zufriedener und produktiver arbeiten können.
Peter Zanoni: Es gibt eine klare Vision, wohin sich unsere Plattform entwickelt. Wichtig ist es, den Kunden nicht nur einzelne Produkte zu zeigen, sondern die langfristige Richtung aufzuzeigen und sie auf diesem Weg mitzunehmen.
ComputerworldCW: Wo setzt HP strategisch an? Geht es darum, sich stärker als Anbieter eines intelligenten, KI-gestützten Arbeitsplatzes zu positionieren?
Zanoni: Ja, diese strategische Ausrichtung ist klar erkennbar. Ein wichtiger Bestandteil ist, KI-Funktionen stärker lokal auf das Gerät zu bringen und damit eine Alternative zur ausschliesslichen Verarbeitung in der Cloud zu bieten. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einerseits geht es um Sicherheit und Datenschutz. Wenn Daten lokal verarbeitet werden, bleiben sie auf dem Gerät. Das ist insbesondere für Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Legal, den öffentlichen Sektor oder andere Branchen mit sensiblen Daten relevant.
Andererseits spielt auch die Kostenfrage eine Rolle. Je komplexer KI-Agenten und Algorithmen werden, desto grösser kann der Aufwand für cloudbasierte Verarbeitung und die entsprechenden Token-Kosten werden. Lokale KI ist deshalb ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie. Sie ist aber nicht die einzige Lösung. Entscheidend ist immer der konkrete Anwendungsfall. Je nach Use Case kann lokale Verarbeitung sinnvoller sein oder eine Cloud-Lösung.
CW: Mit HP IQ und den neuen AI-PCs wirkt das wie der Beginn einer neuen technologischen Entwicklungsstufe. Stehen wir tatsächlich erst am Anfang?
Zanoni: Es ist definitiv eine kontinuierliche Entwicklung. Der Arbeitsplatz an sich ist für HP natürlich nicht neu. Wir begleiten diesen Wandel seit Jahrzehnten. Früher waren es Technologien wie Fax, Internet oder mobiles Arbeiten mit Notebooks. Neu ist vor allem die Geschwindigkeit der Veränderung. Diese hat deutlich zugenommen. Das sehen wir beispielsweise auch bei unserer Workforce Experience Platform. Dort kommen laufend neue Funktionen und Fähigkeiten hinzu. Es gibt eine klare Vision, wohin sich die Plattform entwickelt, und gleichzeitig werden in kurzen Abständen neue Möglichkeiten ergänzt. Wichtig ist deshalb, den Kunden nicht nur einzelne Produkte zu zeigen, sondern die langfristige Richtung aufzuzeigen und sie auf diesem Weg mitzunehmen.
«Wir sprechen von einem HP-Ökosystem, das gleichzeitig offen gestaltet ist und mit unterschiedlichen Plattformanbietern zusammenarbeitet», fasst Peter Zanoni die HP-Strategie zusammen.
ComputerworldCW: Wenn man sieht, was moderne Notebooks und KI-Systeme heute bereits leisten, stellt sich die Frage: Wie viel Entwicklungspotenzial ist überhaupt noch vorhanden?
Zanoni: Sehr viel. Der nächste Schritt liegt vor allem im Zusammenspiel der verschiedenen Geräte und Systeme. Wir sprechen von einem HP-Ökosystem, das gleichzeitig offen gestaltet ist und mit unterschiedlichen Plattformanbietern zusammenarbeitet. Dabei geht es darum, die Connectivity zwischen PC, Notebook, Drucker, Headset, Meetingraum und weiteren Geräten weiter auszubauen. Das Ziel ist, dass daraus ein einheitliches Arbeitsplatzerlebnis entsteht und die einzelnen Komponenten möglichst einfach zusammenspielen. Diese Plattform lässt sich künftig auch auf weitere Technologien ausdehnen.
Das Ziel ist, dass ein einheitliches Arbeitsplatzerlebnis entsteht und die einzelnen Komponenten möglichst einfach zusammenspielen.
CW: Wie erleben Sie die Nachfrage nach solchen Lösungen in der Schweiz?
Zanoni: Die Schweiz ist traditionell ein sehr innovationsstarker Markt. Wir sehen, dass Unternehmen früh in neue Technologien investieren und sich intensiv mit möglichen Anwendungsfällen beschäftigen. Viele Unternehmen investieren bereits in Next-Generation-AI-Clients und beginnen damit, konkrete Use Cases zu entwickeln. Gleichzeitig denken sie langfristig, denn der Lebenszyklus eines solchen Geräts liegt häufig bei vier oder fünf Jahren. Auch bei der Workforce Experience Platform sehen wir eine hohe Nachfrage. Viele Kunden möchten die zunehmende Komplexität im Arbeitsplatzumfeld reduzieren. Entsprechend führen wir derzeit zahlreiche Proofs of Concept durch, und erste Projekte befinden sich bereits in der Umsetzung.
CW: Erwarten Sie durch KI und neue Arbeitsplatztechnologien einen grösseren Erneuerungsschub bei den Unternehmen?
Zanoni: Dieser Erneuerungsschub hat bereits begonnen. Die ersten Generationen entsprechender Geräte sind bereits im Markt, und viele Organisationen investieren heute schon. Gleichzeitig sehen wir, dass zukünftige Generationen noch stärker auf die Nutzung von KI ausgerichtet sein werden – sowohl im Computing als auch im Printing und im Videokonferenzumfeld. Hinzu kommt das End-to-End-Management des Arbeitsplatzes. Ziel ist es, Geräte und Systeme zunehmend präventiv zu verwalten und damit Probleme frühzeitig zu erkennen. Der Arbeitsplatz entwickelt sich damit Schritt für Schritt zu einem stärker vernetzten und intelligenten Gesamtsystem.
CW: Vielen Dank für das informative Gespräch.