Erfolg beginnt vor dem Projekt
Interview Hans Peter Weidele
Alles, was man über das Projektmanagement digitaler Vorhaben wissen muss. So lässt sich das Gespräch mit Hans Peter Weidele zusammenfassen. Der IT-Experte spricht über Best Practice, Stolpersteine und Erfolgsfaktoren.
Computerworld (CW): Herr Weidele, die digitale Transformation beginnt im Kopf und dann im Projekt. Wie kann sich ein Kunde am besten auf ein IT-Projekt vorbereiten?
Hans Peter Weidele: Bevor ein IT-Projekt gestartet wird, sollte sich der Kunde zunächst über mehrere zentrale Punkte im Klaren sein. Zunächst gilt es zu prüfen, ob es strategische Aspekte gibt, die ein solches Projekt notwendig machen. Gleichzeitig ist es wichtig, einen Überblick über andere parallel geplante Vorhaben zu gewinnen – sowohl operative als auch strategische –, um die eigene Position in einer potenziellen Multiprojektlandschaft realistisch einschätzen zu können. Ein weiterer wesentlicher Punkt betrifft die Finanzierung: Liegt ein belastbares Budget für das IT-Projekt vor, oder bestehen hier noch Unsicherheiten? Ebenso entscheidend ist die Ressourcenfrage. Es muss geklärt sein, ob ausreichend personelle Kapazitäten zur Verfügung stehen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass häufig dieselben Mitarbeitenden auch in anderen Projekten oder im operativen Tagesgeschäft stark eingebunden sind. Nur wenn all diese Fragen eindeutig beantwortet sind, ergibt ein Projektstart Sinn. Andernfalls drohen Zielkonflikte, Verzögerungen oder Ressourcenengpässe, die den Erfolg des IT-Projekts gefährden könnten.
CW: Sie sind in Projekten als externer Berater involviert. Welche Unterstützung bieten Sie dabei konkret an?
Weidele: Die Unterstützung durch eine externe Beratung ist bei IT-Projekten in vielerlei Hinsicht sinnvoll – und in vielen Fällen sogar unverzichtbar. Denn die Erfahrung zeigt: Die notwendige Expertise, um komplexe IT-Vorhaben erfolgreich zu steuern, ist in Unternehmen meist nicht in ausreichendem Masse vorhanden. Während spezialisierte Beratungen jährlich mehrere IT-Projekte bei verschiedenen Kunden begleiten, steht ein einzelnes Unternehmen oft nur alle fünf bis zehn Jahre vor einem vergleichbaren Vorhaben. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die zeitliche Verfügbarkeit der internen Projektbeteiligten. In der Regel sind Mitarbeitende, unabhängig davon, ob das Projekt aus dem Business oder der IT heraus initiiert wurde, zu 80 bis 100 Prozent im Tagesgeschäft eingebunden. Dies führt zwangsläufig zu Engpässen in der Projektarbeit – sowohl inhaltlich als auch organisatorisch.
CW: Was sich auch wieder von externen Ressourcen überbrücken lässt.
Weidele: Richtig. Externe Berater können hier gezielt unterstützen – sowohl strategisch als auch operativ. Zu Beginn eines Projekts übernehmen sie idealerweise eine kritische Überprüfung der grundlegenden Rahmenbedingungen: Sind Budget, Ressourcen und Abhängigkeiten aus der Multiprojektlandschaft realistisch eingeschätzt worden? In der Praxis wird dieser Punkt von Unternehmen häufig unterschätzt oder vorschnell abgehakt. Darüber hinaus bringen externe Experten wertvolle Impulse bei der Prozessoptimierung – sowohl im operativen Bereich als auch innerhalb der IT. Besonders hilfreich ist ihre Unterstützung bei der Anforderungsdefinition: Sie sorgen dafür, dass der Fokus auf den wirklich wertschöpfenden Prozessen liegt und nicht jede Sonderlösung umgesetzt wird, nur weil sie gewünscht ist. Ziel sollte es immer sein, Anforderungen möglichst nah am vorhandenen IT-Standard zu definieren – denn jede Abweichung verursacht Zusatzkosten, ohne zwingend einen echten Mehrwert zu schaffen.