Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Drohnensichtungen in Europa - unangenehm oder echte Gefahr?

In Europa werden immer häufiger Überflüge von Drohnen gemeldet, zuletzt vor allem in Belgien. Die Sichtung von Drohnen ist an sich keine Neuheit, dennoch haben die Vorfälle an Flughäfen und Militärstützpunkten eine andere Qualität.
Symbolbild
© (Quelle: Pexels/Pixabay)

Welche Bedeutung haben die Vorfälle, geht eine echte Gefahr von ihnen aus und was kann dagegen getan werden? Ein Überblick:

Was ist passiert?

Nach russischen Luftraumverletzungen an der Ostflanke der Nato wurden im September aus Dänemark mehrere mysteriöse Drohnenvorfälle an Flughäfen und Militärstützpunkten gemeldet. Auch an deutschen Flughäfen musste wegen Drohnensichtungen zeitweilig der Flugverkehr eingestellt werden. Seit Anfang Oktober kommt es in Belgien wiederholt zu Vorfällen - zunächst vor allem am Luftwaffenstützpunkt Kleine-Brogel nahe der niederländischen Grenze, dann an Flughäfen und schliesslich auch am Atomkraftwerk Doel. Wie auch in Dänemark konnte bisher keine Drohne abgefangen werden. Deutschland, Frankreich und Grossbritannien schickten Militärhilfe für die Drohnenabwehr.

Ist das ungewöhnlich?

Ja und nein. Einerseits werden seit Jahren ständig Drohnen gesichtet. Nach Angaben von Sicherheitsexpertin Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations zählt allein Deutschland jedes Jahr mehr als 100 Drohnensichtungen an seinen Flughäfen. Auch über dem Flughafen Zürich sind in den letzten Jahren schon Drohnen gesichtet worden. Diese Sichtungen hatten aber keine Schliessung des Flughafens zur Folge.

Die mediale Aufmerksamkeit für das Thema kann dazu führen, dass die Wahrnehmung dafür zunimmt. «Das spielt denjenigen in die Hände, die unsere Länder destabilisieren wollen», argumentiert Franke.

Allerdings gibt es derzeit tatsächlich mehr Sichtungen über kritischer Infrastruktur als sonst und zwar nicht nur von kleinen Drohnen für den Freizeitgebrauch. «Es gibt jetzt häufiger grössere Drohnen, Starrflügler, die länger kreisen», erläutert Franke.

Wer steckt dahinter?

Eine definitive Zuordnung der Drohnen war bisher nicht möglich. Viele Länder und Sicherheitsdienste vermuten allerdings Russland hinter den Vorfällen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte bei einer Bundeswehrveranstaltung, bei den Drohnenüberflügen handele es sich um eine Massnahme, «die der Verunsicherung dienen soll, der Angstmache in Belgien».

In Belgien steht derzeit eine Entscheidung über die Verwendung der dort eingefrorenen russischen Vermögenswerte an. Die EU möchte diese für sogenannte Reparationsdarlehen für die Ukraine verwenden. Belgien zögert mit seiner Zustimmung, weil es rechtliche Konsequenzen und möglicherweise russische Vergeltung fürchtet.

Was sind die Auswirkungen?

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperte Manuel Atug von der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG Kritis) geht es bei gezielten Drohnenüberflügen «fast immer» um die Verunsicherung der Bevölkerung und damit die Destabilisierung eines Landes. Zudem werde beobachtet, wie gut der Gegner gewappnet und vorbereitet sei. Auf diese Weise könne «durchaus wirtschaftlicher Schaden» verursacht werden, beispielsweise durch die Störung des Flugverkehrs.

Geht Gefahr von den Drohnen aus?

Bisher hat es noch keine ernsthaften Zwischenfälle im Zusammenhang mit den Drohnensichtungen gegeben. Sicherheitsexpertin Franke warnt allerdings, die Gefahr sei gerade an Flughäfen «nicht zu unterschätzen». Wenn eine Drohne in ein Triebwerk gerate sei das «sehr gefährlich». Wer Drohnen über Flughäfen steuere «nimmt ganz klar Opfer in Kauf.

Neben Unsicherheitsgefühl und konkreten Gefahren könnte auch ein Ausspionieren für spätere Angriffe ein Grund für die Drohnenüberflüge sein. «Sollte es wirklich Krieg mit Russland geben, hätten die Drohnen seit Jahren Informationen gesammelt», gibt Franke zu bedenken.

Was kann getan werden?

Die Experten sind sich einig, dass es keine gute Idee ist, Drohnen über ziviler Infrastruktur abzuschiessen. Das sei «hochgefährlich» und «die schlechteste Lösung», argumentiert IT-Sicherheitsexperte Atug. Ihm zufolge könnten Störsender oder Radarerkennungssysteme eingesetzt werden. Inzwischen gebe es aber «leider auch Drohnen mit Glasfaserkabeln oder vorprogrammierten Routen, die keine Funksteuerung benötigen». Auch der erfolgreiche Einsatz von Netzen sei «sehr unwahrscheinlich». Dennoch sollten die bereits zur Verfügung stehenden Massnahmen etabliert werden, meint er.

Auch Franke bemängelt, es sei nicht genug Ausrüstung vor Ort. Zwar gebe es keine 100-prozentige Sicherung, aber an zentralen Orten wie Flughäfen, Atomkraftwerken oder Flüssiggas-Terminals sollten Systeme installiert werden. «Das ist kein Hexenwerk», argumentiert sie. Auch mobile Einsatzteams der Polizei sind ihrer Meinung nach notwendig.

Atug fordert von der Bundesregierung, bei der Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie zum Schutz kritischer Infrastruktur festzulegen, «dass die Betreiber kritischer Infrastrukturen Drohnen detektieren, melden und abwehren müssen». Dann gebe es auch mehr Bewegung bei der Drohnenabwehr.

Hardware
Anzeige

Neueste Beiträge

Motorola zeigt auf der IFA ein neues Smartphone und eine Smartwatch
Mit dem Edge 70 Plus bringt Motorola ein weiteres Mittelklasse-Smartphone. Ausserdem zeigt der Hersteller auf der IFA eine Edition des Razr 70 mit edlen Swarovski-Steinen und die sportliche Smartwatch Moto Watch Ultra.
3 Minuten
8. Sep 2026
Philipp Ringgenberg neuer CEO bei Zühlke in der Schweiz
Philipp Ringgenberg hat im August als CEO die Leitung von Zühlke in der Schweiz übernommen. In seiner Position verantwortet er ab sofort die geschäftliche Entwicklung.
2 Minuten
yallo bringt Travel eSIM für mobile Daten in über 160 Destinationen
yallo bietet neu eine eSIM-Lösung für günstige Datenpakete beim Roaming, die Kunden von allen Mobilfunkanbietern zur Verfügung stehen. Reisende können ihr Datenpaket fürs Ausland bereits vor der Abreise in der yallo Travel eSIM App auswählen und bei der Ankunft im Ausland sofort zu günstigen Tarifen online gehen.
3 Minuten

Das könnte Sie auch interessieren

KI beschleunigt Cyberangriffe drastisch - Neue Studien warnen
Spezialisierte KI-Modelle finden Software-Schwachstellen inzwischen in nie dagewesener Geschwindigkeit und Menge.
4 Minuten
Cybersicherheit lebt vom Austausch - Global Cyber Conference 2026
Cyberangriffe machen weder an Landesgrenzen noch an Unternehmensmauern halt. Umso wichtiger ist der direkte Austausch zwischen Sicherheitsverantwortlichen, Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Global Cyber Conference 2026 in Zürich brachte mehr als 300 Fach- und Führungskräfte zusammen. Im Zentrum standen Cybersecurity, künstliche Intelligenz und Quantentechnologien.
6 Minuten
Mitarbeiter bleiben grösstes Cyberrisiko - KI verschärft die Lage
Zwei aktuelle Studien zeigen: Das grösste Sicherheitsrisiko für Unternehmen sitzt nicht in der IT-Infrastruktur, sondern am Arbeitsplatz der eigenen Belegschaft.
3 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige