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Lesedauer 4 Min.

«Resilienz beginnt im Lokalen»

Acer feiert sein 50-jähriges Bestehen. Schweiz-Chef Sebastian Seyferth erklärt, wie lokale Nähe den taiwanischen IT-Konzern widerstandsfähig machte, warum KI-PCs mehr als Marketing sind – und welche Acer-«Perle» er bis heute vermisst.

Herzlichen Glückwunsch zu 50 Jahren Acer! Ingo Rausch (Verlagsleiter NMGZ), Sebastian Seyferth (Country Manager Acer Schweiz), Valentina Verdi (Marketing Manager Acer Schweiz) und Christian Bühlmann (Chefredaktor Computerworld), v.l.n.r.

© Computerworld

Seit 27 Jahren arbeitet Sebastian Seyferth für Acer, davon zwölf Jahre in der Schweiz. Im Gespräch blickt er auf ein halbes Jahrhundert Firmengeschichte, den besonderen Schweizer Markt und eine Branche, in der sich Unternehmen immer wieder neu erfinden müssen.

Computerworld: Herr Seyferth, 50 Jahre sind in der schnelllebigen IT-Branche eine halbe Ewigkeit. Was bedeutet das Jubiläum für Sie?

Sebastian Seyferth: Ein Jahr in der IT entspricht gefühlt mehreren Jahren in anderen Branchen. Insofern ist Acer fast schon ein Dinosaurier – im positiven Sinn natürlich. Ich selbst habe mehr als die Hälfte dieser Zeit im Unternehmen verbracht und erlebt, wie sich Produkte, Kunden und die Branche verändert haben. Besonders spannend ist, wie sich Acer angesichts neuer Herausforderungen immer wieder neu erfunden hat. Diese Resilienz ist wohl ein Grund für den anhaltenden Erfolg.

CW: Was hat Acer in diesen fünf Jahrzehnten richtig gemacht?

Seyferth: Wir haben eine globale Strategie mit ­starken lokalen Strukturen verbunden. Dadurch sind wir nahe bei den Kunden geblieben und können rasch entscheiden. Resilienz beginnt im Lokalen: 
Die Bedürfnisse der einzelnen Märkte müssen ­respektiert werden und Teil der Strategie sein. Acer hat diese regionalen Besonderheiten nie aus den ­Augen verloren.

CW: Welche Bedeutung hat die Schweiz für den Konzern?

Seyferth: Eine grosse. Unser EMEA-Hauptquartier befindet sich im Tessin. Dort kommen Menschen aus der Schweiz und Europa zusammen – diese Vielfalt prägt den Konzern. Zugleich ist die Schweiz mit eigener Währung, Zollgrenzen sowie drei grossen Sprach- und Kulturregionen ein besonderer Markt. Wer sie einfach mit Deutschland und Österreich zusammenfasst, verkennt diese Eigenheiten.

CW: Wie hat sich das Investitionsverhalten der Schweizer Kundschaft verändert?

Seyferth: Ich kann vor allem für den Bildungsbereich und Teile des KMU-Geschäfts sprechen. Technologische Zyklen wie der Wechsel von Windows 10 auf Windows 11 beeinflussen Investitionen stark. Konstant bleibt: Wer sich gut betreut fühlt und ein überzeugendes Produkt erhält, bleibt einer Marke eher treu. Es geht nicht nur um das Gerät, sondern ebenso um die Menschen und den Service dahinter. Viele Mitarbeitende von Acer sind seit Jahren dabei. Das schafft Vertrauen im Channel. 

Für Sebastian Seyferth sind Kontinuität und lokale Nähe die Erfolgsfaktoren in der ICT-Branche.

© Computerworld

CW: KI steckt heute in fast jedem neuen PC. Nutzen die Kunden diese Funktionen bereits – oder dominiert noch das Marketing?

Seyferth: KI im PC entsteht aus dem Zusammenspiel von Hardware, Prozessoren und Software. Viele Anwendungen kommen von grossen Softwareanbietern und laufen je nach Lösung lokal oder in der Cloud. Unsere Aufgabe ist es, dafür leistungsfähige und gut abgestimmte Geräte bereitzustellen. KI ist ein wichtiger Treiber der IT-Industrie. Entscheidend ist aber nicht das Etikett «KI-PC», sondern der konkrete Nutzen im Alltag.

CW: Welches Produkt aus Ihrer langen Acer-Zeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Seyferth: Ein kleiner weisser PC-Würfel, den Acer vor sieben oder acht Jahren lancierte. Er war kaum grösser als 15 mal 20 mal 15 Zentimeter, hatte zwei Festplatten, eine SSD und eine mobile CPU. Hinter meinem Monitor arbeitete er leise und unauffällig, inklusive gespiegeltem Speicher. Ich fand ihn fantastisch. Solche kleinen Perlen gibt es wohl in jedem Unternehmen.

CW: Was wünschen Sie Acer für die nächsten 50 Jahre?

Seyferth: Dass Acer Kunden, Channel und Mitarbeitenden weiterhin mit derselben Loyalität begegnet und Menschen fördert und fordert. Diese Haltung ist kulturell tief verankert. Zugleich brauchen wir Produkte, über die gesprochen wird und die unseren Anspruch «Breaking Barriers» verkörpern. Der Dialog zwischen Technologie und Menschen wird mit KI wichtiger denn je. Acer ist aus einer Bildungsidee entstanden, und Education ist bis heute ein Schwerpunkt. Gleichzeitig erschliessen wir mit Netzwerkprodukten, 5G oder E-Scootern neue Felder. Diese Mischung aus Kontinuität und Diversifizierung sollte uns auch durch die nächsten Jahrzehnte tragen.

CW: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und Acer weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

Beitrag in Kooperation mit Acer Schweiz

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