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Lesedauer 5 Min.

SAP will Unternehmen auf Autopilot bringen

SAP treibt seine Vision des «Autonomous Enterprise» voran. An der TechEd 2026 in Berlin präsentiert der Softwarekonzern neue Funktionen, mit denen KI-Agenten künftig ganze Geschäftsprozesse steuern sollen. Dabei verändert sich nicht nur die Software, sondern auch die Rolle der Mitarbeitenden. Trotz visionärer Ansätze berücksichtigt man dabei auch die Realtität, sprich die Kunden.
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Rund 3'000 Besucher verfolgen die SAP TechEd vor Ort. Hinzu kommen viele Online-Teilnehmer aus der ganzen Welt. Die News des Softwareriesen dienen nicht zuletzt als Inspirationen für eigene Projekte. 

© SAP

Die klassische Unternehmenssoftware steht vor einem grundlegenden Wandel. Jahrzehntelang ging es bei ERP-Systemen darum, Geschäftsvorgänge möglichst effizient abzubilden, Daten konsistent zu verwalten und Prozesse zu standardisieren. Mit Künstlicher Intelligenz verfolgt SAP nun eine weitergehende Strategie: Software soll nicht mehr nur Abläufe unterstützen, sondern zunehmend eigenständig handeln. Klar, KI hat inzwischen bei fast allen Softwareherstellern Einzug gehalten. Der Unterschied dabei ist, dass die meisten KI nur als schlaues Auswertungs-Tool nutzen, nicht aber als eigenständig handelndes Element der Business-Software.

Doch zurück zur SAP TechEd 2026 in Berlin. Was an der Sapphire in Madrid angekündigt wurde, gewinnt immer mehr an Konturen. Sprich, SAP konkretisiert die Vision des «Autonomous Enterprise» in konsequenter Weise. Im Zentrum stehen dabei Joule Work, Joule Studio und die SAP Business AI Platform. Sie sollen gemeinsam die Grundlage dafür schaffen, dass KI-Agenten Aufgaben nicht mehr bloss auf Anweisung ausführen, sondern mehrstufige Prozesse planen, koordinieren und teilweise selbstständig abwickeln. SAP-Technologiechef Philipp Herzig beschreibt den Wandel sinngemäss als Übergang von einer KI, die das Unternehmen versteht, zu einer KI, die aktiv an dessen Betrieb mitwirkt.

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Philipp Herzig, CTO von SAP: « KI versteht nicht nur das Unternehmen, sondern wirkt aktiv an dessem Betrieb mit.»

© SAP
Vom Assistenten zum digitalen Mitarbeiter

Bislang bestand der Nutzen vieler KI-Funktionen darin, Fragen zu beantworten, Informationen zusammenzufassen oder einzelne Arbeitsschritte zu automatisieren. Die nächste Entwicklungsstufe soll wesentlich weiter reichen. Mit Joule Work schafft SAP eine übergreifende Arbeitsoberfläche, über die Mitarbeitende ihre Absichten in natürlicher Sprache formulieren können. Statt verschiedene Anwendungen aufzurufen und einzelne Transaktionen auszuführen, beschreiben sie das gewünschte Ergebnis. KI-Assistenten und spezialisierte Agenten übernehmen anschliessend die notwendigen Schritte.

Ein Beispiel ist die Bearbeitung einer Lieferverzögerung. Heute müssen Mitarbeitende möglicherweise Bestellungen prüfen, Lagerbestände kontrollieren, alternative Lieferanten suchen und Kunden informieren. Künftig könnten mehrere KI-Agenten diese Aufgaben koordinieren, Handlungsmöglichkeiten bewerten und definierte Prozessschritte selbst ausführen. Entscheidend ist, dass solche Abläufe nicht an den Grenzen einer einzelnen SAP-Anwendung enden. Joule Work soll auch Systeme anderer Anbieter einbinden. SAP setzt dafür unter anderem auf die offenen Protokolle Model Context Protocol (MCP) und Agent2Agent (A2A). Damit nähert sich die Unternehmenssoftware einer Arbeitsweise, bei der Menschen Ziele vorgeben, während intelligente Systeme Teile der operativen Umsetzung übernehmen.

Ein neues Betriebsmodell für Unternehmen

Die technische Grundlage bildet die SAP Business AI Platform. Hier sollen KI-Modelle, Agenten, Geschäftsdaten und Governance-Funktionen zusammengeführt werden. Die SAP Autonomous Suite bleibt dabei das Fundament der geschäftlichen Anwendungen. Joule Work bildet die Schnittstelle zu den Anwendern, während die KI-Plattform für Entwicklung, Datenkontext und Ausführung zuständig ist.

SAP verfolgt damit eine Strategie, die weit über zusätzliche KI-Funktionen in bestehenden Produkten hinausgeht. Der Konzern will seine Rolle vom Anbieter transaktionsorientierter Unternehmenssoftware zum Betreiber einer intelligenten Prozessarchitektur erweitern. Die langjährige Erfahrung mit betriebswirtschaftlichen Anwendungen könnte sich dabei als Wettbewerbsvorteil erweisen. SAP kennt die Abläufe in Finanzwesen, Beschaffung, Produktion, Personalwirtschaft und Lieferketten. Dieses Prozesswissen soll künftig direkt in KI-Agenten einfliessen.

Allerdings reicht die Kenntnis standardisierter Geschäftsprozesse allein nicht aus. Unternehmen verfügen häufig über individuelle Abläufe, zahlreiche Schnittstellen und historisch gewachsene IT-Landschaften. Ob KI-Agenten darin zuverlässig und wirtschaftlich arbeiten können, wird wesentlich über den Erfolg der Strategie entscheiden.

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SAP Chief AI-Officer Jonathan von Rueden ist derzeit ein gefragter Mann.

© SAP
Autonomie braucht Grenzen

Mit wachsender Selbstständigkeit der Software entstehen neue Fragen zur Verantwortung. Ein KI-Agent, der einen Bericht zusammenfasst, verursacht vergleichsweise geringe Risiken. Anders sieht es aus, wenn er Bestellungen auslöst, Buchungen verändert oder operative Entscheidungen vorbereitet. SAP will deshalb die Möglichkeiten zur Überwachung und Kontrolle von KI-Agenten erweitern. Dazu gehören Zugriffsrechte, Protokollierung, zentrale Richtlinien und die Möglichkeit, menschliche Freigaben in Geschäftsprozesse einzubinden.

Die Strategie zielt somit nicht auf vollständig unkontrollierte Automatisierung. Vielmehr sollen Unternehmen festlegen können, welche Entscheidungen KI-Systeme eigenständig treffen dürfen und wo menschliche Kontrolle erforderlich bleibt.

Zwischen Vision und Wirklichkeit

Die Ankündigungen verdeutlichen, mit welcher Konsequenz SAP seine KI-Strategie verfolgt. Auffällig ist allerdings, dass zahlreiche Funktionen erst schrittweise verfügbar werden und ein Teil der Erweiterungen für 2027 vorgesehen ist. Hinzu kommt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Unternehmen müssen nicht nur den Nutzen einzelner KI-Agenten bewerten, sondern auch ihre Integration, Überwachung und laufenden Betriebskosten berücksichtigen.

Die TechEd macht damit vor allem eines deutlich: SAP arbeitet an einem neuen Verständnis von Unternehmenssoftware. Ob daraus tatsächlich weitgehend autonome Unternehmen entstehen, hängt weniger von der Anzahl verfügbarer KI-Agenten ab als von deren Zuverlässigkeit, wirtschaftlichem Nutzen und Akzeptanz im betrieblichen Alltag. 

Die heutigen Ankündigugen auf der TechEd haben mir bestätigt, dass das «Autonomous Enterprise» keine Eintagsfliege ist. SAP arbeitet intensiv an den Tools, um die Vision zur Realität zu machen. Vielleicht ist die Übertragung von Verantwortung und das Mitwirken von KI  auf allen Ebenen wirklich die Art und Weise, wie wir in Zukunft arbeiten.  Was mir dabei gefällt, ist die konsequente Ausrichtung der SAP-Werkzeuge auf dieses Ziel. 

SAP Schweiz ERP Business & IT-Strategie
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