DSAG fordert planbare Kosten für SAPs KI-Agenten
SAP TechEd 2026
KI-Agenten sollen Geschäftsprozesse über mehrere Anwendungen hinweg ausführen. Für SAP-Kunden stellt sich damit zunehmend die Frage, wie sie deren Aktivitäten kontrollieren, unterschiedliche Systeme einbinden und den Verbrauch kalkulieren können. An diesen Punkten setzen die Neuerungen rund um Joule Work, Joule Studio und die SAP Business AI Platform an, die SAP zur TechEd in Berlin angekündigt hat. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) sieht darin Fortschritte bei zentralen Anliegen ihrer Mitglieder. Dazu gehören offene Schnittstellen, die Einbindung von Daten ausserhalb der SAP-Welt und klare Regeln für den Betrieb. Technologievorstand Stefan Nogly formuliert den Massstab: «Für unsere Mitglieder kommt es darauf an, die Neuerungen produktiv, sicher und wirtschaftlich einsetzen zu können.»
Offene Schnittstellen müssen sich im Alltag bewähren
Mit erweiterten Funktionen in Joule Work will SAP mehrstufige Geschäftsprozesse durch KI-Agenten bearbeiten lassen. Aktivitätsprotokolle, rollenabhängige Zugriffsrechte und menschliche Freigaben sollen die Abläufe nachvollziehbar und kontrollierbar machen. Agenten anderer Anbieter sollen künftig über ein abgesichertes Gateway auf Joule-Agenten zugreifen können. Für die DSAG ist diese Öffnung wesentlich, weil ihre Mitgliedsunternehmen überwiegend gemischte IT-Landschaften betreiben. Sie begrüsst deshalb die Unterstützung von Standards wie dem Model Context Protocol (MCP) und Agent2Agent (A2A), die die Anbindung von Werkzeugen beziehungsweise die Zusammenarbeit von Agenten ermöglichen. Der praktische Nutzen hängt für Nogly jedoch davon ab, ob sich die Agenten mit vertretbarem Aufwand in bestehende hybride Architekturen integrieren lassen.
Joule Studio bietet laut SAP Zugriff auf mehr als 70 KI-Modelle. Die geplante Integration der Automatisierungsplattform n8n soll zudem grafisch gestaltete Arbeitsabläufe über SAP-Anwendungen hinaus ermöglichen. Design und Ausführung solcher Workflows sind für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Die allgemeine Verfügbarkeit von Joule Work und Joule Studio läuft nach SAP-Angaben bereits schrittweise an.
Mehr Kontrolle – offene Fragen beim Preis
Ein SAP Enterprise AI Gateway soll ab dem ersten Quartal 2027 zentral steuern und überwachen, welche KI-Dienste Beschäftigte nutzen, welche Regeln gelten und welche Kosten entstehen. Für das vierte Quartal 2026 ist ausserdem ein Governance-Assistent im SAP AI Agent Hub angekündigt. Dieser soll Unternehmen bei der Einordnung von KI-Anwendungen nach den Risikostufen des EU AI Act unterstützen. Geplante Testumgebungen in Joule Studio sollen unter anderem zeigen, ob sich Agenten durch manipulierte Eingaben beeinflussen lassen.
Die DSAG bewertet diese Vorhaben positiv, fordert aber transparente Nutzungsvoraussetzungen und einen möglichst breiten Zugang zu den Governance-Funktionen. Beim Kostenmodell bleibt ebenfalls Klärungsbedarf. Ausgewählte Kunden sollen eigene Agenten bis Dezember 2026 kostenlos auf der von SAP verwalteten Joule-Studio-Laufzeitumgebung betreiben können. Auch die neue Zertifizierung für Joule Studio soll bis Jahresende gratis sein. «Solche kostenlosen Einstiegsangebote begrüssen wir. Sie sind ein guter Anfang, doch die Kunden müssen auch wissen, welche Kosten anschliessend anfallen, um langfristig planen zu können», sagt Nogly.
Dafür braucht es aus Anwendersicht belastbare Verbrauchswerte: für einzelne Assistenten ebenso wie für selbst entwickelte Agenten und ganze Prozessketten. Hinzu kommt ein Kosten-Controlling, das auch heterogene IT-Landschaften abdeckt.
Geschäftsdaten sollen mehr Kontext liefern
Bei der SAP Business Data Cloud (BDC) stehen offene Datenformate und die Nutzung von Daten in Joule Work ohne zusätzliche Kopien im Vordergrund. SAP kündigt dafür unter anderem eine Lakehouse-Komponente auf Basis der übernommenen Dremio-Technologie an, die das offene Tabellenformat Apache Iceberg unterstützen soll. Ein neuer Ontology Manager soll beschreiben, was Geschäftsdaten bedeuten und wie sie zusammenhängen. Damit könnte er KI-Assistenten helfen, Prozesse, Regeln und Beziehungen besser zu verstehen. Die Beta-Version ist für November 2026 vorgesehen. Erweiterungen von SAP Reltio und SAP Knowledge Graph sollen im ersten Quartal 2027 allgemein verfügbar werden.
Konkrete Einsatzfelder sieht die DSAG auch bei KI-Modellen für strukturierte Geschäftsdaten. Ein Prognosemodell für die Bedarfsplanung in SAP IBP ist laut Mitteilung bereits verfügbar. Ein Modell zur Entscheidungsunterstützung, etwa bei Auftragsfreigaben, soll im vierten Quartal 2026 folgen.
Souveräne KI: Perspektive für die Schweiz gefordert
Weiterhin fordert die DSAG, den Zugang zu KI nicht an Cloud-Verträge zu binden. Hybride Architekturen und lokal betriebene Systeme gehörten für viele Mitglieder zum Alltag. SAP kündigt für RISE-Kunden eine zusätzliche, vollständig verwaltete Edge Integration Cell an, über die Funktionen der Integration Suite auch in der Private-Cloud-Umgebung nutzbar werden sollen. Zudem will SAP seine Sovereign Cloud um SAP AI Core, Joule und SAP Datasphere erweitern – zunächst im Vereinigten Königreich, in Australien und Kanada. Für Mitglieder aus Verwaltung, Finanzwirtschaft und kritischen Infrastrukturen im deutschsprachigen Raum reicht diese geografische Abdeckung aus DSAG-Sicht noch nicht aus. Nogly fordert deshalb «zeitnah eine klare Perspektive für Deutschland, Österreich und die Schweiz».