Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

KI übernimmt das Stadion – ein Sicherheitsproblem?

Moderne Stadien zählen laut Karim Benslimane, VP Field CISO bei Darktrace, zu den komplexesten Infrastrukturen überhaupt: Am Veranstaltungstag verschmelzen Shops, Verpflegungsstände, Verkehrsknotenpunkte, umfangreiche Telekommunikationsinfrastruktur und feldnahe Technik zu einem einzigen, vernetzten Ökosystem.
© PROFESSIONAL SYSTEM

Mit dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz in diesen Betriebsabläufen komme laut Benslimane eine neue Risikodimension hinzu.

Die Vorteile von KI im Stadionbetrieb liegen für Benslimane dabei klar auf der Hand: Sie könne helfen, Fans sicher durch überfüllte Einlässe zu lenken, die Nachfrage an Verpflegungsständen vorherzusagen, biometrischen Einlass zu unterstützen, verdächtiges Verhalten auf CCTV-Aufnahmen zu erkennen und Heizung sowie Lüftung zu steuern. Richtig eingesetzt könne KI Live-Events sicherer, schneller und effizienter machen – zugleich verändere sie aber das Sicherheitsmodell grundlegend.

In einer aktuellen Untersuchung von Darktrace zur Bedrohungslage im Sport hätten Sicherheitsverantwortliche professioneller Sportorganisationen den Stadionbetrieb mit 34 Prozent am häufigsten als den Bereich genannt, in dem eine Kompromittierung die grössten Auswirkungen hätte. Gleichzeitig gaben laut Darktrace 35 Prozent an, KI im Stadionbetrieb bereits einzusetzen oder dies innerhalb der nächsten zwölf Monate zu planen.

Freigegebene KI vs. Schatten-KI

Benslimane unterscheidet zwischen freigegebener KI – geprüfter, in die Betriebsumgebung integrierter KI mit klarer Zuständigkeit, Zugriffskontrollen, Protokollierung und Datenschutzregeln – und sogenannter Schatten-KI: dem nicht genehmigten Einsatz von KI-Tools durch Mitarbeitende, Auftragnehmer oder Zulieferer.

Diese entstehe oft aus guter Absicht, etwa wenn Mitarbeitende interne Informationen in ein öffentliches KI-Tool einfügen, um eine Präsentation zu erstellen, oder ein Zulieferer ein KI-Planungstool an Lieferrouten anbindet. Keine dieser Handlungen fühle sich für die handelnde Person wie eine Sicherheitsentscheidung an, doch jede könne sensible Betriebsdaten in eine vom Stadion nicht kontrollierte Umgebung verschieben, erläutert Benslimane.

Spieltag erhöht Risiko und Wirkung

Anders als in einem typischen Unternehmensumfeld, in dem Sicherheitsteams oft Stunden Zeit hätten, um einen ungewöhnlichen Login oder eine unerwartete Verbindung zu untersuchen, falle im Stadion der wahrscheinlichste Zeitpunkt eines Vorfalls – der Spieltag – genau mit dem Moment zusammen, in dem die Teams am stärksten ausgelastet seien. Verhalte sich ein für das Crowd-Management genutztes KI-System unerwartet, betreffe das nicht nur die Technik, sondern womöglich unmittelbar die physische Bewegung im Stadion.

Die gefährlichste Situation sei dabei nicht immer ein lauter, dramatischer Angriff, sondern eine unbemerkte Abhängigkeit, etwa wenn ein Zulieferer per Software-Update eine neue KI-Funktion einführt oder Mitarbeitende auf ein nicht genehmigtes Tool ausweichen, so Benslimane.

Die Lieferkette als Teil der Angriffsfläche

Jede Komponente der Lieferkette rund um ein Grossevent – Catering, Transport, Broadcast-Systeme, Facility-Teams – schaffe zugleich einen eigenen Sicherheitskanal. Als Beispiele für die Risiken durch die Kompromittierung von Lieferketten verweist Benslimane auf den im März öffentlich gewordenen Datenvorfall bei MSG Entertainment, Eigentümer des Madison Square Garden, der demnach seinen Ursprung in einer Kompromittierung von Oracles E-Business Suite hatte, sowie auf den Olympic-Destroyer-Angriff bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang, der Berichten zufolge beim wichtigsten IT-Dienstleister der Spiele begonnen habe.

Seine Folgerung lautet: Sicherheitsteams müssten Zulieferer-KI genauso behandeln wie Zulieferer-Zugriffe generell. Sie müssten wissen, womit sich Zulieferer verbinden können, welche Daten sie einsehen und ob ihre Tools neue Wege für Datenabfluss oder laterale Bewegung eröffnen, betont Benslimane.

Vier Fragen für Security-Teams

Angesichts der zunehmenden Verbreitung von KI im Stadionbetrieb rät Darktrace Sicherheitsteams, über einfache Freigabelisten hinauszugehen und sich vier zentrale Fragen zu stellen:

  • Wo wird KI eingesetzt – auch in weniger sichtbaren Bereichen wie SaaS-Plattformen, Browser-Erweiterungen oder Entwickler-Workflows?
  • Worauf kann die KI zugreifen, etwa auf Vorfallprotokolle, Zutrittsdaten oder Videofeeds?
  • Was kann die KI tatsächlich tun – analysiert sie nur, oder kann sie auch Aktionen auslösen?
  • Und wie sieht normales Verhalten aus, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen? Gerade in Live-Event-Umgebungen könnten kleine Anomalien entscheidend sein, so Benslimane: Eine Verbindung zu einem nicht genehmigten KI-Dienst könne in einem Kontext harmlos, in einem anderen kritisch sein.

Ziel sei nicht, die KI-Einführung generell zu verlangsamen, sondern KI sichtbar, kontrolliert und abgesichert zu machen, bevor sie Teil des Spieltagsbetriebs werde, resümiert Benslimane. Für Stadionbetreiber und Veranstalter bedeute das, den KI-Einsatz im gesamten Venue- und Zulieferer-Ökosystem zu kartieren, Zugriffe und mögliche Aktionen jedes Systems zu verstehen, genehmigte Tools bereitzustellen und KI-Nutzung fest in Lieferantenverträge sowie Audits zu integrieren.
 

Security & Compliance
Anzeige

Neueste Beiträge

Tablet-Markt leidet unter Engpässen bei Komponenten
Die weltweiten Tablet-Verkäufe gingen im zweiten Quartal deutlich zurück. Ein Grund waren knappe Komponenten wie Speicherchips, die Hersteller dazu bewegt haben, teurere Modelle im Portfolio zu priorisieren.
2 Minuten
11. Aug 2026
Investitionen in das Schweizer Filmschaffen steigen 2025 um 25 Prozent - «Lex Netflix»
Seit dem 1. Januar 2024 gilt die im Filmgesetz verankerte Investitionspflicht für Unternehmen mit Fernseh- und Abrufdiensten. Sie müssen mindestens 4 Prozent ihrer in der Schweiz erzielten Bruttoumsätze in das Schweizer Filmschaffen investieren. Die Auswertung des Bundesamts für Kultur (BAK) für das Jahr 2025 zeigt, dass die Investitionen gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent zugenommen haben.
3 Minuten
10. Aug 2026
Digital X stellt KI für Unternehmen in den Mittelpunkt
Am 8. September veranstaltet die Telekom die Digital X im Kölner Rheinauhafen. Das Sprecherprogramm der Konferenz, die KI als Schwerpunkthema hat, ist hochkarätig besetzt.
3 Minuten
11. Aug 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Alte Smartphones statt neue Rechenzentren - Alessandro De Carli, Acurast Association
Braucht es immer mehr leistungsfähige Rechenzentren? Nicht unbedingt, sagt Alessandro De Carli, Präsident der Acurast Association und CEO der Papers AG. Statt neue Server zu bauen, nutzt seine Plattform Acurast die Rechenleistung ausrangierter Smartphones. Im Interview erklärt er, weshalb darin enormes Potenzial für nachhaltiges Cloud Computing steckt.
6 Minuten
«Digitale Souveränität ist zur Wirtschaftsfrage geworden» - Expert Insights
Geopolitische Spannungen, KI und die Dominanz amerikanischer Cloud-Anbieter verändern die Spielregeln der Digitalisierung. Für Bechtle Schweiz ist digitale Souveränität deshalb keine Compliance-Übung mehr, sondern eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig sieht das Unternehmen Europa bei Innovation und Investitionen unter Zugzwang. Martin Kull, Vice President Bechtle Switzerland, und Prof. Dr. Andreas Danuser von der Berner Fachhochschule nehmen Stellung zu einem Thema, das immer mehr Organisationen beschäftigt.
4 Minuten
Schweizer KI-Innovation schliesst die Lücke zwischen Denken und Handeln
Die Schweiz macht erneut mit einer spannenden KI-Innovation auf sich aufmerksam. Das Zürcher Unternehmen Gieni bringt mit GieniABX ein Agentensystem auf den Markt, das einen Schritt weiter gehen soll als klassische Chatbots oder KI-Assistenten. 
4 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige